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Volk und Wirtschaft

Eric Bonse
Finanzkrise, Eurokrise, Deflations-Gefahr: Als EU-Korrespondent in Brüssel wird man notgedrungen zum Wirtschaftexperten.

Studium der Politikwissenschaft in Hamburg, danach als freier Journalist nach Paris, wo mich das "Handelsblatt" engagiert hat. Seit 2004 lebe und arbeite ich in Brüssel, seit 2010 wieder freiberuflich, u.a. für "taz" und "Cicero". Zudem betreibe ich den EU-Watchblog "Lost in EUrope".

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piqer: Eric Bonse
Freitag, 30.11.2018

Italiens Schulden revisited

Alle reden über Italien und seine Schulden. Die EU-Kommission in Brüssel hat sogar ein Defizitverfahren auf den Weg gebracht, weil sowohl das italienische Budgetdefizit als auch die staatliche Gesamtverschuldung zu hoch sind - gemessen an den Stabilitätskriterien der EU. Dieses Verfahren könnte mit Milliardenstrafen enden, die die Schuldenkrise noch verschärfen würden.

Doch dies ist nicht das einzige Paradox des EU-Verfahrens. Brüssel ignoriert auch einige andere, wichtige ökonomische Kennzahlen. So erzielt Italien auch unter der neuen populistischen Regierung in Rom weiter einen Primärüberschuss. Zieht man den Schuldendienst ab, so ist das Staatsbudget also im grünen Bereich. Auch die Leistungsbilanz Italiens kann sich durchaus sehen lassen.

Von einer akuten Krise kann also keine Rede sein, Italien ist nicht Griechenland. Dennoch kann ein Vergleich aufschlussreich sein - vor allem, wenn man auch noch die privaten Schulden der Unternehmen und Haushalte einbezieht. Dann steht Italien nämlich plötzlich gar nicht mehr so schlecht da, wie der hier empfohlene Beitrag aus dem Online-Magazin "Social Europe" zeigt.

Das Land spielt dann erstaunlicherweise in einer Klasse mit den USA und China. Die höchsten Gesamtschulden weist dagegen Luxemburg auf - und damit ausgerechnet das Land, aus dem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kommt. Auch Irland und Portugal sind, wenn man die privaten Schulden in die Rechnung mit einbezieht, bis über beide Ohren verschuldet. 

Offenbar haben sie die Euro-Rettungsprogramme nicht ganz unbeschadet überstanden, ähnlich wie Griechenland. Auch Spanien, UK und Frankreich müssen sich nach diesem Vergleich Sorgen machen. Insgesamt war die Welt noch nie so hoch verschuldet wie heute. Die Gefahr kommt dabei vor allem aus der Privatwirtschaft - und nicht von den Staaten, wie man in Brüssel annimmt.

Italiens Schulden revisited
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