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Volk und Wirtschaft

Die Rückkehr der vorkommunistischen Eliten in China

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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Thomas WahlSonntag, 12.06.2022

Immer wieder wird im Westen darüber diskutiert, die privilegierten Eliten zurückzudrängen, um mehr Gleichheit herzustellen. In den kommunistischen Ländern hat man dies sehr rigoros und blutig durchgezogen. Am Beispiel von China zeigt sich nun: die Nachkommen der präkommunistischen Elite erobern wohl überraschend Privilegien zurück. Nach der Revolution hatten sich die neuen Herrscher schnell daran gemacht,

Land von Menschen auf dem Land zu beschlagnahmen, es unter den Landlosen umzuverteilen, private Unternehmen zu enteignen und viele Landlords und Menschen hinzurichten, die für das gestürzte nationalistische Regime gearbeitet hatten. Die Kulturrevolution schien der Nagel im Sarg einer ganzen sozialen Klasse zu sein.

Nun sieht man empirisch, dass dieses brutale "Reengineering" einer Gesellschaft nicht so richtig funktioniert hat. 

Die Enkel der alten Eliten haben den ursprünglichen Status ihrer Familien gut teils zurück erlangt. Sie sind wieder gebildeter und wohlhabender als andere Haushalte, haben andere Werte und Einstellungen als die Familien, die vor 1949  niedrigeren Schichten angehörten. 

Sie sind weniger beunruhigt von Ungleichheit, unternehmerischer, marktfreundlicher und eher geneigt zu Individualismus und dem Glauben an Erfolg durch harte Arbeit.

Das – wie der gepostete Artikel zeigt – obwohl der Gini-Koeffizient der Ungleichheit an Landbesitz durch die Landreform drastisch gesenkt wurde, und zwar von 0,5 auf 0,1. Man erreichte also eine quasi perfekte Gleichheit. In der Gegenwart, so der Artikel, war die Wahrscheinlichkeit bei den Nachkommen der alten Elite, 

die zwischen 1966 und 1990 geboren wurden, dass sie die Highschool abschlossen, um 6 % höher als bei ihren Altersgenossen. Im Jahr 2010 verdienten sie 12 % mehr als andere Chinesen. Sie verdienten sogar 2 % mehr als Parteimitglieder.

Woran liegt das? Der Artikel meint, das es den ehemaligen Eliten oft gelungen ist, ihr soziales Kapital über die Generationen weiterzugeben. Allerdings auch

versteckter Reichtum – gehortet von Verwandten außerhalb des chinesischen Festlands – könnte geholfen haben. Aber wichtiger war die anhaltende Stärke der Familiennetzwerke im Land. Die Erholung des Reichtums unter den Nachkommen der ehemaligen Elite, schreiben die Gelehrten, wurde fast ausschließlich in Dörfern mit einer starken klanbasierten sozialen Struktur gefunden (von denen es in China viele gibt). 

Man versteht, warum es in Revolutionen immer wieder Bestrebungen zur Ausrottung aller Vertreter bestimmter sozialen Schichten gegeben hat. Offensichtlich werden nicht nur Vermögen weitergegeben, sondern auch Fähigkeiten, Werte und Verhaltensweisen. Es wäre sicher interessant zu erforschen, inwie fern auch vererbte Intelligenz eine Rolle spielt – oder auch nicht. Denn wir wissen, dass unser Erbgut erheblichen Einfluss darauf hat, wie intelligent wir sind

Unterschiede in der Intelligenz sind zu mindestens 50 Prozent, vermutlich sogar zu 80 oder 90 Prozent, auf Gene zurückzuführen – darüber ist sich die Wissenschaft heute weitgehend einig.
Die Rückkehr der vorkommunistischen Eliten in China

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Kommentare 4
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 21 Tagen · bearbeitet vor 21 Tagen

    ich finde es weitaus interessanter dass viele der kommunistischen Eliten sich rasch diesen alten Formen von Reichtum und Netzwerken angeglichen haben, was meist als Korruption verstanden wird etc.

    bedenkenswert wäre ob das bei einer sagenwirmal demokratischen Umverteilung auch passiert.
    Denn der Gerechtigkeitsgedanke - also Vermögensunterschiede einzuebnen und Chancengleichheit herzustellen - bleibt ja bestehen.
    Auch in unserer Gesellschaft!

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 20 Tagen

      Der Gerechtigkeitsgedanke klingt gut und schön. Hat aber in der Vergangenheit nur bedingt funktioniert. Denn Gleichheit ist i.d.R. nicht Gerechtigkeit! Das Einebnen von Vermögensunterschieden endete meist in Diktaturen. Die beinhalteten dann meist blutige Machtunterschiede. Und Chancengleichheit wird meistens als Ergebnisgleichheit missinterpretiert. Was meist auch nicht gut geht.

  2. Hartmut Bischoff
    Hartmut Bischoff · vor 23 Tagen

    Das Thema ist sicherlich interessant. Die These, dass Intelligenz vererbt wird, ist natürlich steil.
    Vererbt wird die Fähigkeit, intelligent zu werden, da gehe ich mit. Was dann im Leben daraus wird, ist von den Rahmenumständen abhängig.
    Hieraus speist sich der Machterhalt der Eliten.
    China zeigt einmal mehr, das dies eine robuste strukturelle Eigenschaft einer Gesellschaft ist.
    Man muss dies nicht ideologisch überhöhen!

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 23 Tagen · bearbeitet vor 23 Tagen

      Natürlich wird genau genommen das Potential zum intelligent Sein vererbt, bzw. die Unterschiede im IQ.. Das Potential ist aber nicht gleich verteilt und die Rahmenbedingungen können nicht aus jedem individuellen Potential alles machen. Auch ist sicher nicht alle "Intelligenz" in den Eliten zu finden. In Gesellschaften finden ja ständig Verschiebungen statt. Gerade alte Eliten können auch verblöden/degenerieren. In China und auch in anderen sozialistischen Staaten waren die alten Eliten im Grunde auf null Macht und Einfluß zurückgedrängt. Was China m.E. beweist ist, das familiäre Netze in der Lage sind Eigenschaften wie Intelligenz, kulturelle Techniken etc. über Generationen weiterzugeben. Und das sich in den Enkelgenerationen dann wieder Einfluß durch solche Fähigkeiten ansammelt. Also weniger Machterhalt alter Eliten und eher robuste Fähigkeitstransfers über Generationen. Das konnte man auch in der DDR beobachten. Der erste Elitenwechsel nach 1945 hatt problematische Folgen. Das Kinder der Intelligenz es später schwer hatten zu studieren hat dann aber nicht dazu geführt, dass diese nicht doch aufstiegen. Eine Gesellschaft kann auch schlecht auf die Begabungen im rechten Teil der Gauss-Kurve von Intelligenzpotentialen verzichten.

      Das hat doch mit ideologischer Überhöhung wenig zu tun.

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