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Volk und Wirtschaft

Die Inflation - zehn Ökonomen, elf Meinungen

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
Zum piqer-Profil
Thomas WahlDienstag, 14.06.2022

Wie man tägliche beim Einkaufen und in den Medien sieht, wir haben Inflation. Ein bekanntes und altes Phänomen ist wieder da. Man sollte meinen, das die Ökonomen das auch schlüssig und halbwegs einvernehmlich erklären und/oder modellieren können - um der Wissenschaft dann zu folgen. Dem scheint nicht wirklich so:

Einer der berühmtesten Ökonomenwitze handelt von den zehn Ökonomen mit elf Meinungen, von denen mindestens zwei von John Maynard Keynes vertreten werden. Die Meinungsvielfalt der Ökonomen zeigt sich auch, wenn es um den Inflationsschub geht, der in diesen Monaten viele Länder nicht nur im Westen erfasst hat. In einer aktuellen Umfrage unter 111 Fachleuten der Makroökonomik nennen die Befragten nicht weniger als 14 Gründe für das steigende Preisniveau in den Vereinigten Staaten.

Darunter sind vor allem die Probleme der Lieferketten, die Staatsausgaben, die Corona-Pandemie und die Geldpolitik. Grob unterscheidet man dabei zwischen angebots- oder nachfrageseitigem Preisdruck. Aus dieser Unterscheidung und Einordnung folgt dann auch, ob und wie man die Inflation bekämpfen kann.

Die Verknappungen von Gütern wegen gedehnter oder gerissener Lieferketten sind ein Problem des mangelnden Angebots, das Preise nach oben treibt. Steigende Staatsausgaben und expansive Geldpolitik führen dagegen zu einer höheren Nachfrage, die den Preisdruck erhöht.

Zentralbanken können zwar mit hohen Zinsen versuchen die Nachfrage zu dämpfen. Aber mit Geldpolitik läßt sich kaum für mehr nachgefragte Produkte oder Dienstleistungen sorgen. Gegen solche Preissteigerungen ist man erst mal machtlos. Allerdings können (und haben) die Zentralbanken solche Entwicklung durchaus monetär alimentiert, indem sie Geldmengen entsprechend erweitert haben.

Das die Ökonomen in der Umfrage sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Ursachen für die aktuelle Inflation angeben widerspiegelt sicher die Komplexität unserer Gesellschaften, macht es aber schwierig, diese vielen Faktoren zu "steuern", Inflationstendenzen zu bekämpfen. 

In der Umfrage wurden auch die Bürger befragt, wie sie die Inflation erklären. Da zeigt sich:

  • Bürger denken einfacher als Experten, ihre Argumentationsketten sind im Schnitt einseitiger, kürzer und gröber
  • Bürger vermuten die Gründe für die Inflation überwiegend auf der Angebotsseite
  • Die Narrative der privaten Haushalte zur Inflation enthalten starke  Schuldzuweisungen an die Politik - politische Misswirtschaft, Staatsausgaben, Schwierigkeiten in den Lieferketten oder die Energiekrise.
  • Es werden Inflationsursachen vermutet, denen keiner der Fachleute Relevanz zumisst. Etwa dem Preiswucher.

Diese Komplexität - sowohl der Prozesse selbst, als auch der Erklärungen - machen es sicher schwierig für die Politik. Und so stimmt sicher, was in einem anderen aktuellen Beitrag des FAZ-Wirtschaftsbloks formuliert wird - die Makroökonomik befindet sich derzeit in einem gewaltigen natürlichen Experiment mit offenem Ausgang. Dazu auch:

Unbestreitbar haben die Ereignisse der vergangenen Jahre Zweifel an der Überzeugung geweckt, die Geldpolitik verfüge über krisensicheres theoretisches Fundament. Von dieser Erkenntnis bis zur Anwendung einer plausiblen Alternative ist es jedoch ein weiter Weg. Braucht die Makroökonomik einen neuen Star vom Kaliber eines Robert Lucas? Wer weiß …..


Die Inflation - zehn Ökonomen, elf Meinungen

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Kommentare 1
  1. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 22 Tagen · bearbeitet vor 22 Tagen

    Dazu der "Economist":

    "Wie sollten die Zentralbanken energisch auf den Inflationsschub reagieren? Die Antwort hängt davon ab, wie viel Schaden die Inflation verursacht. Und das hängt davon ab, wen Sie fragen.

    Die Inflation wird als kostspielig angesehen, weil sie die Ersparnisse der Menschen untergräbt und Preissignale verzerrt. Und es gibt zweifellos Fälle, in denen sie eine Wirtschaft in die Knie gezwungen hat. Während der Zeit der Hyperinflation in Weimar in den 1920er Jahren verdampften die Ersparnisse der Menschen, beseitigten die Mittelschicht und ebneten den Weg für den Aufstieg des Faschismus. Die Inflation geriet auch in Simbabwe unter Robert Mugabe außer Kontrolle. Als die Preissignale zusammenbrachen, blieben Millionen ohne Nahrung.

    Aber in moderateren Inflationsepisoden, wie der aktuellen, sind die Beweise für wirtschaftliches Gemetzel schwächer. Eine häufige Sorge ist, dass die Preiserhöhungen den Lohnanstieg übersteigen, was zu einem Rückgang der Realeinkommen der Menschen führt. Dies ist in den letzten Monaten mit ziemlicher Sicherheit in reichen Ländern geschehen. Der amerikanische reale Stundengewinn ging im Jahr bis März um fast 3 % zurück.

    Insgesamt sehen Ökonomen jedoch einen schwachen Zusammenhang zwischen Inflation und dem tatsächlichen Lebensstandard der Arbeitnehmer. Manchmal steigen die Preise schneller als die Löhne; manchmal nicht." ….-

    "Die Menschen glauben, dass Inflation sie ärmer macht. Sie befürchten, dass es schwieriger wird, zu planen. Und sie glauben, dass die Inflation ein Zeichen dafür ist, dass skrupellose Unternehmen sie ausnutzen (zwei Drittel der Amerikaner führen den jüngsten Anstieg der Inflation auf die Gier der Unternehmen zurück). Ökonomen hingegen sind in ihren Antworten zweideutiger. Mehr als die Hälfte der Amerikaner stimmte "vollständig zu", dass die Verhinderung einer hohen Inflation genauso wichtig ist wie die Beendigung des Drogenmissbrauchs oder die Aufrechterhaltung von Bildungsstandards, verglichen mit nur 18% der Ökonomen. In derselben Umfrage stellte Herr Shiller fest, dass 46 % der Menschen wollten, dass die Regierung das Preisniveau nach einem Inflationsanstieg senkt (d.h. Deflation zu entwickeln), was nur wenige Ökonomen empfehlen würden."

    https://www.economist....

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