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Volk und Wirtschaft

Die Herrschaft der Inzidenzen und Evidenzen – falsche Gewissheiten?

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
Zum piqer-Profil
Thomas WahlMittwoch, 01.03.2023

Als Ingenieur bin ich natürlich immer ein Vertreter von Empirie, Zahlen und Statistiken. Weiß aber auch, wie genau man die Messvorschriften und Randbedingungen kennen sollte. Mit der Corona-Pandemie ist mir noch mal eine weitere Dimension stärker zu Bewusstsein gekommen – Statistik und Studien als politisches (Macht)Instrument. Insofern kommt das Buch von Richard Münch „Die Herrschaft der Inzidenzen und Evidenzen. Regieren in den Fallstricken des Szientismus“ und die Rezension in „Soziopolis" dazu gerade zur rechten Zeit.

Der Bezug auf statistische Größen ist sowohl im Regierungsgeschäft als auch in öffentlichen Debatten gängige Praxis. Das „Regieren durch Zahlen“ geht Hand in Hand mit der großen Aufmerksamkeit, die Expert:innen aus den (zumeist experimentellen) Wissenschaften im Prozess der politischen Meinungsbildung und Entscheidungsfindung zuteil wird. Wenn sich politisch-administrative Maßnahmen mit Zahlen und empirischen Studien begründen lassen, gelten sie als rationale Entscheidungen, als Manifestationen einer zumeist positiv bewerteten „faktengestützten“ beziehungsweise „evidenzbasierten“ Politik.

Politische Streitfragen scheinen heute immer stärker epistemischen Charakter anzunehmen. Werden als Wissenskonflikte betrachtet, in denen es um das bessere, das richtige Wissen geht. Hat das zur Versachlichung, Intellektualisierung unseres Lebens geführt? Haben wir eine Dominanz des rechnerischen Kalküls: treten Affekte und Leidenschaften zurück? Mir scheint nicht. Was zu der Frage führt, welche

gesellschaftlichen Kräfte treiben die Dynamik der Quantifizierung sozio-politischer Phänomene an? Mit welchen Konsequenzen und Nebenfolgen ist zu rechnen, wenn Inzidenzen, Rankings, Benchmarks und dergleichen statistische Messwerte als Grundlage für politische Entscheidungen dienen? Was bedeutet die „Epistemisierung“ des Politischen und die zunehmende Macht der wissenschaftlichen Expert:innen für die Struktur der staatlichen Herrschaft, was für die Demokratie?

Das Buch nähert sich diesen Fragen anhand des staatlichen Krisenmanagements während der Corona-Pandemie sowie des PISA-Regimes der vergangenen Jahrzehnte.

Abschnitte über das „Regieren der Bildung“ widmen sich der PISA-Politik, mit der die OECD-Staaten die Leistungsfähigkeit ihrer Schulsysteme vergleichend evaluieren und entsprechende Reformstandards entwickeln. Was der Rezensent als gelungene soziologische Fallstudie zu den vielen nicht erkannten Konsequenzen einer datengetriebenen Metrifizierung der Bildungswelt sieht. Es zeigt sich, dass hinter der 

der vermeintlichen Objektivität bildungsökonomischer PISA-Doktrin internationale und weit verzweigte Expertennetzwerke symbolisches und monetäres Kapital kumulieren, womit sie ihre eigene Machtstellung und die der federführenden NGOs im Bildungssystem zementieren. Das scheinbar völlig unschädliche Sammeln und Auswerten von internationalen Daten zur Performanz von Schüler:innen verwandelt sich so unter der Hand in konkrete wie folgenreiche Definitions- und Steuerungsmacht, von der gewinnträchtigen Kommerzialisierung der internationalen Evaluierungs-, Forschungs- und Beratungsindustrie ganz abgesehen. 

Münch nennt das im Buch einen bildungsindustriellen „Wissen-Macht-Komplex“ im Sinne Foucaults, der den bildungspolitischen Diskurs weitgehend beherrscht. Mit der gewachsenen internationalen Testindustrie und

mit Unterstützung der nationalen Ministerialbürokratien ist dabei ein Wissens- und Diskurskartell entstanden, das im sozialen Feld der Bildung so allgegenwärtig wie mächtig ist.

Dieses wirkt mit seinen Programmen und Empfehlungen, basierend auf einem „Tunnelblick der Zahlen“ , tief in den Schulalltag und in die Praxis der Lehrenden ein. Was oft weit von der schulischen Alltagsrealität und dem konkreten pädagogischen Erfahrungswissen entfernt ist. 

Das schärfste dabei, das ganze PISA-Regime, um das es ziemlich still geworden ist, hat seine selbst gesetzten Ziele – Verbesserung der Schülerperformanz, Verminderung der Bildungsungleichheit, positive Wohlstandseffekte – in der Regel gar nicht erfüllt. 

Im Gegenteil, „die Schule gleicht die soziale Ungleichheit nicht aus, sondern reproduziert sie fortlaufend“ (S. 158), lautet einer dieser Befunde. Die mit hehren Absichten verfolgte Verwissenschaftlichung der Schulreformpolitik entpuppt sich somit als ein alltägliches Desaster für die Lehrer:innen und als ein Angriff auf die liberale Schulpolitik sowie die nationalen kulturellen Bildungstraditionen.

Die Ausführungen zur Coronakrise und zum staatlichen Corona-Management sind naturgemäß komplexer und zielen eher auf eine makrosoziologische Analyse des gesamtgesellschaftlichen Geschehens. Was auch eine weitaus größere tagespolitische Brisanz bedeutet.

Die schwerste Gesundheitskrise seit der Spanischen Grippe hat sowohl den Staat als auch die Wissenschaft auf besondere Weise herausgefordert. Im konsensuellen Zusammenwirken der beiden hat der scheinbare Primat der Wissenschaft eine Politik der Alternativlosigkeit ermöglicht. Hier habe sich ein Wandel der Herrschaft hin zu einem wohlwollenden Paternalismus manifestiert. 

Zwar seien dessen Repräsentanten überwiegend von „guten“ Absichten – Leben retten, Gesundheit schützen, sozialen Zusammenhalt stärken – geleitet. Doch bilde die unverhältnismäßige Härte und Unerbittlichkeit, die die Exekutive beim Versuch, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, an den Tag legte, einen dem paternalistischen Staat inhärenten autoritären und die Demokratie gefährdenden Zug ab. 

Mit der extremen Bedrohungslage durch das Virus und der zeitweisen Ausrufung eines Staatsnotstands verstärkten sich, so Münch, die älteren und langfristigen Tendenzen hin zum autoritären Fürsorgestaat. Insofern ist die Corona-Politik ein geeignetes Fallbeispiel für die problematischen, aber auch für die positiven Effekte (die mir in dem Buch bzw. der Rezension zu kurz kommen). 

Die massiven Freiheitsbeschränkungen im Namen des Gesundheits- und Lebensschutzes und die verschärfte massenmediale Angstkommunikation, aber auch die meist mit sehr wenigen und isolierten Kennziffern (Inzidenzrate, Reproduktionswert, Intensivbettenquote und dergleichen) legitimierte Stillstellung großer Teile des gesellschaftlichen Lebens in den Lockdowns veranschaulichen in seltener Plastizität, welche sozialen Verwerfungen von der Maxime Follow the science ausgehen können.

Für mich ist das auch ein Aufruf, besser zu werden, geeignete Daten zu erheben. Also auch noch mal über unseren oft überbordenden Datenschutz nachzudenken. Der Wissenschaft sollte man nur folgen, wenn man ihr auch die notwendigen Daten und Fakten zugänglich macht. Schutz der Daten ist offensichtlich nicht immer gleich Schutz der Menschen.

 

Die Herrschaft der Inzidenzen und Evidenzen – falsche Gewissheiten?

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Kommentare 6
  1. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 12 Monaten

    Ein interessantes Beispiel:

    "Aber internationale Experten bestätigen den Befund. „Der Leistungsabfall des finnischen Schulsystems ist sehr deutlich. Diesen Trend beobachten wir in den internationalen Vergleichsdaten seit einigen Jahren und er betrifft alle Leistungsbereiche“, sagt Andreas Schleicher. Der Bildungsforscher koordiniert die Pisa-Studie, eine exponierte Stellung, die ihm den Beinamen Mister Pisa eingebracht hat.
    Das finnische Schulsystem ist im internationalen Pisa-Vergleich immer noch gut, aber es ist nicht mehr exzellent. Auch das Leistungsbarometer der OECD für Finnland illustriert, dass die einstigen Vorzeige-Schulen mit Problemen kämpfen. Das durchschnittliche Kompetenzniveau in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften sinkt demnach seit der Jahrtausendwende und der Anteil leistungsstarker Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften nahm in den vergangenen zwanzig Jahren stark ab.

    Der Anteil leistungsschwacher Schüler steigt dagegen kontinuierlich. Finnische Studien sprechen davon, dass finnische Schüler in den vergangenen Jahrzehnten das Leistungsäquivalent von ein bis zwei Schuljahren verloren haben.
    „Die finnischen Pisa-Ergebnisse, die die ganze Welt beeindruckt haben, waren tatsächlich ein Blick in den Rückspiegel und haben von Anfang an ein falsches Bild vom Zustand des Schulsystems gezeichnet“, sagt Bildungsexperte Salo. „Als die tollen Pisa-Ergebnisse damals direkt nach der Jahrtausendwende veröffentlicht wurden, befand sich das finnische Schulsystem bereits im Abstieg.“
    Zur am besten ausgebildeten Altersgruppe zählen laut Studie Finnen, die im Jahr 1978 geboren wurden, Mitte der 1990er-Jahre die Schule abgeschlossen haben und heute 44 oder 45 Jahre alt sind. Nachfolgende Altersgruppen hätten dieses Bildungsniveau nie wieder erreicht, heißt es in der Untersuchung.

    Die Ursachen für die Malaise des finnischen Bildungssystems werden unter Experten schon länger diskutiert. „Migration und die dadurch zunehmende Vielfalt der Schülerschaft ist ganz klar ein Grund für den Leistungsabfall des finnischen Schulsystems“, sagt OECD-Koordinator Schleicher.
    Die nordischen Staaten seien von der Migration nach 2015 noch stärker betroffen gewesen als Deutschland. „Die Flüchtlingsmigration hat das finnische Schulsystem überrascht“, sagt Schleicher. „Es hatte zum einen nicht die nötigen Kapazitäten, zum anderen kamen dazu Sprachprobleme und der andere kulturelle Hintergrund. Das hat Finnland kalt erwischt.“
    Diese Entwicklung müsse auch Deutschland ernst nehmen, sagt der Bildungsforscher. Bei der schulischen Integration von Migrantenkindern gilt Deutschland als schlecht aufgestellt. Deutsche Bildungspolitiker könnten von Kanada, Norwegen und anderen Ländern mit guten Erfahrungen lernen, sagt Schleicher.

    Er warnt allerdings vor überzogenen Erwartungen. „Schweden war früher mal ein Vorbild, aber dort sind die Schulen von Migranten geradezu überrannt worden und das Bildungssystem kommt nicht mehr mit.“ Vor dieser Herausforderung stehe Deutschland auch. „Sobald der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei 40 oder 45 Prozent liegt, wird es schwierig; ich kenne kein Land, das damit besonders gut umgehen kann“, sagt Schleicher. Lediglich Kanada leiste bei der Bildungsintegration fantastische Arbeit."

    https://www.welt.de/wi...

  2. Silke Jäger
    Silke Jäger · vor fast ein Jahr · bearbeitet vor fast ein Jahr

    Danke für diesen piq. Das ist alles sehr bedenkenswert und vielschichtig. Ein paar Gedanken dazu.

    Zum Regieren durch Zahlen gibt es Gegenkonzepte, die – es mag einige verwundern– aus der evidenzbasierten Medizin stammen. Evidenzbasierte Medizin besteht aus 3 gleichberechtigten Größen: Wissen aus gutgemachten (!) Studien (am besten Übersichtsarbeiten), Expertise und Erfahrung der Gesundheitsprofis und Werte und Bedürfnisse der Patient:innen (die Expertinnen für ihr eigenes Lebens sind). Die Schnittmenge aus all diesen Größen ergibt eine informierte Entscheidung. Das Ziel der evidenzbasierten Medizin ist also nicht, blind den Zahlen (und damit den Durchschnittswerten in einem bestimmten Setting bei einer bestimmten Klientel) zu folgen, sondern dieses allgemeingültige Wissen in die Hände zweier gleichberechtigter Akteure zu legen, die daraus gemeinsam den im Anwendungsfall besten (vielversprechendsten) Weg wählen. Es geht dabei nie um absolute Wahrheiten. Die evidenzbasierte Medizin wird in der Öffentlichkeit oft auf Studien reduziert und damit verstümmelt dargestellt.

    Nun ist dieses Konzept auf Einzelsituationen zugeschnitten und nicht eins zu eins aufs Regieren übertragbar. Ich weiß nicht, wie sich das Machtgefälle in Gänze austarieren ließe, aber mir scheint es lohnend, darüber nachzudenken, was sich aus diesem Konzept auf politische Prozesse übertragen ließe. Ein Schlüssel ist wohl die informierte Entscheidung. Der Anspruch, auch bei großen Unsicherheiten richtig entscheiden zu müssen, scheint mir hier der Knackpunkt zu sein. Es braucht Konzepte, wie informierte Entscheidungen bei großer Unsicherheit gelingen können. Auch die gibt es übrigens in der Medizin. Während der Pandemie wurde zB eine neue Form der Wissenssynthese etabliert, sogenannte Living Reviews. Sie sollten die Qualitätskriterien der Übersichtsarbeiten auf ein Umfeld anpassen, das sich höchst dynamisch wandelt.

    Politik hat den Nachteil, dass sie nicht in Einzelfällen entscheiden muss, sondern den Rahmen gestalten soll. Die Frage ist, wie sie die Bürger:innen dabei einbinden kann. Die Güter, die es in der Pandemie gegeneinander abzuwägen galt, brachten es leider mit sich, dass der Diskussionsspielraum sehr eng war. Wer argumentiert schon dafür, eine bestimmte Anzahl von Toten in Kauf zu nehmen? Dabei haben viele Expertinnen schon früh darauf hingewiesen, dass es bei allen Entscheidungen letztlich um Schadensbegrenzung ging. Schulschließungen und Kontakteinschränkungen dienten nur dem Zweck Zeit zu gewinnen, bis ein Impfstoff verfügbar war. Kommuniziert wurde aber was anderes. Auch der Name für die Niedriginzidenzstrategie war unglücklich. "LowCovid" wäre richtiger gewesen.

    Und bei dem Schulthema fällt mir auf: Wenn die Ziele wirklich so formuliert wurden "Verbesserung von ..., Verminderung von ..., positive Ziele ..." können sie gar nicht erreicht werden. Man muss schon ein paar messbare Ziele definieren, sonst braucht man auch keine Daten zu sammeln.

    Mir scheint also, dass die Fundamentalkritik an Wissenschaft und ihrem Einfluss auf Politik und Gesellschaft an einigen Stellen möglicherweise zu pauschal ist. Denn in den Wissenschaften gibt es bereits Gegengifte zu einigen der beschriebenen Fehlentwicklungen. Inklusive des Ringens um ethisch vertretbare Kommunikationskonzepte. Möglicherweise ist die Politik und sind die Medien noch nicht ausreichend geschult und geübt darin, sie mitzudenken und einzubinden.

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor fast ein Jahr

      Ja, evidenzbasiert ist sicher richtig. Nur hat Politik/Gesellschaft in kritischen Situationen ja gar nicht die Zeit für randomisierte, doppelblind Studien. Und auch dann sind Ergebnisse oft noch widersprüchlich. Im Grunde ist dann die Politik und das soziale Verhalten selbst das Experiment.

      Es geht, glaub ich, auch nicht so sehr um Fundamentalkritik der Wissenschaft. Im inneren muß Wissenschaft streiten und tut es auch. Der Kampf der Paradigmen gehört zum Wissenschaftssystem. Auch der Kampf um Geld und Professuren, der nicht immer lecker ist. Das Problem beginnt eher da, wo Wissenschaft ideologisiert zum Instrument politischer Ziele gemacht wird. Oder wenn Wissenschaftler "aktivistisch" Forschen, das politische Ziel die Erkenntnis leitet.Was sich wohl nie ganz verhindern läßt. Man sollte sich der Gefahr aber bewußt sein.

    2. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 12 Monaten · bearbeitet vor 12 Monaten

      @Thomas Wahl Der Begriff Evidenzbasiert sagt erst mal noch gar nichts über die Art der Studien aus. Er verlangt jedoch, dass man die bestmögliche Evidenz heranzieht. Ob das nur Beobachtungsstudien sind oder Erfahrungsberichte ist nicht festgelegt. In der Medizin hat sich zwar der Anspruch nach kontrollierten, randomisierten Doppelblind-Studien etabliert, aber das lässt sich nicht in allen Anwendungsbereichen vertreten. Ernährung ist so ein Bereich. Und Public Health Studien können das in der Regel auch nicht leisten. Deshalb ist der Streit darum, welcher Studientyp was zählt und welcher nicht, eher eine Fachdiskussion und kein allgemeingültiger Anspruch. Da wäre erst mal nur zu fragen: Was haben wir und was können wir daraus ableiten?

      In der Pandemie habe ich auch an einigen Stellen Ideologie wahrgenommen, wo ich sie nicht erwartet hatte. Aber vieles, was nach Ideologie riecht, ist es am Ende vllt gar nicht. Mit vorgefertigtem Ziel zu forschen, wäre ideologisch. Aber gleichzeitig ist es auch ideologisch, den Stand der Wissenschaft nicht in die Praxis zu bringen. Das betrifft dann nicht Forschung sondern Kommunikation über Forschung. Ich denke wirklich, vieles, was als Kritik an der Wissenschaft daherkommt, ist eher eine Kritik daran, wie die Ergebnisse vermittelt werden.

      Follow the Science ist schwer, weil Daten unterschiedlich interpretierbar sind. Das Problem ist in meinen Augen wirklich, dass man Eindeutigkeit aus Dingen herausliest, die gar nicht so eindeutig sind. Eben weil das Bedürfnis nach Sicherheiten so groß ist. Und Menschen das auch von der Politik einfordern: richtige Entscheidungen.

    3. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 12 Monaten

      @Silke Jäger Danke für die Klarstellung. Ich denke der Irrtum beim "Folge der Wissenschaft" ist eher, dass man einzelnen Wissenschaftlern folgt und weniger der Wissenschaft als Prozess und als sozialem System. Der Prozess ist ja offen, das System in Bewegung - beides nie ganz eindeutig. Und so müßte man kommunizieren, dass Entscheidungen eigentlich nur bedingt richtig sein können ….

    4. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 12 Monaten

      @Silke Jäger Die oben beschriebenen Wissensbausteine zeigen die Komplexität der Entscheidungssituation. Die Evidenzen sind dafür ein Hilfsmittel – und dabei werden Statistiken oft unberechtigter Weise kritisiert. Manchmal sind sie widersprüchlich, es gibt Grauzonen. Anders als in den exakten Wissenschaften, wo bspw. physikalische Größen erfasst werden und sich Messfehler gut nachweisen lassen, ist Fachwissen für gesundheits- wie allgemein auch sozialpolitische Entscheidungen ganz besonders gefragt.

      Von Ulrich Rendtel, Emeritus der Freien Universität Berlin (www.wiwiss.fu-berlin.d... ), hörte ich auf der auf der Statistischen Woche 2022 in Münster einen hoch interessanten Vortrag:
      „Die Messung der Corona-Pandemie in Deutschland. Ein Epilog aus statistischer Sicht“.
      Das Video (48 min) steht im Stream und zum Download zur Verfügung: https://box.fu-berlin....

      Rendtel präsentiert Eckdaten zu den einzelnen Phasen der Pandemie, geht auf organisatorische Mängel bei der Datenerhebung ein sowie auf Fehlfinanzierungen bei der Pandemiebekämpfung. Er berichtet über Anstrengungen der Statistiker, die Dunkelziffer durch Nowcasting-Verfahren zu reduzieren.

      Schlussfolgerungen fasst Rendtel ab Folie 32 zusammen. Er benennt die konzeptionell-statistischen Anforderungen. Kritisiert wird die Zusammensetzung der Beratergremien, in denen Statistiker kaum vertreten waren. In der Expertenkommission zur Evaluation von Corona fehlte ein Epidemiologe. Christian Drosten war aus diesem Grunde ausgetreten, dem gebühre Respekt. Der Ausblick gibt Empfehlungen für die bessere Vorbereitung auf eine nächste Pandemie – ob sie erhört werden?

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