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Volk und Wirtschaft

Die Arbeitsproduktivität - in letzter Instanz entscheidend

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
Zum piqer-Profil
Thomas WahlMittwoch, 03.08.2022

Letztendlich entscheidet die Produktivität der Arbeit über den Wohlstand der Massen. Der Sieg des Westens über den Sozialismus war letztendlich ein Sieg der höheren Arbeitsproduktivität. Es bestätigte sich Lenins Prognose von 1919, dass die Arbeitsproduktivität das "in letzter Instanz allerwichtigste, das ausschlaggebende für den Sieg der neuen Gesellschaftsordnung" sei. Das gilt sicher ebenso für die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Autoritarismus nicht nur Chinas. Auch der Kampf um unsere ökologische Zukunft wird regional oder global in einer halbwegs sozialen Form nur mit hoher industriellen Produktivität gelingen. 

Und da sollte man die Warnung von Alexander Horn ernst nehmen - auch wenn die EZB m.E. durchaus nicht schuldlos an unserer wirtschaftlichen Misere ist:

Die aktuellen Kaufkraftverluste sind nicht das Werk der EZB. Verantwortlich sind die Staaten, weil sie eine Politik betreiben, die die Arbeitsproduktivität senkt. In den entwickelten Volkswirtschaften ist der Wohlstand der großen Masse der Erwerbstätigen seit Jahrzehnten kaum noch gestiegen. Nun gewinnt die bisher schleichende Wohlstandserosion, die sich an der Entwicklung der Reallöhne zeigt, an Dynamik.

Es stimmt aber, unser Wohlstand ist nicht nur durch das Risiko des Geldwertverlustes im Euroraum bedroht. Auch die (eher temporäre) Entstehung von Verkäufermärkten durch die Störung globaler Lieferketten erklärt die Inflation wahrscheinlich ungenügend. Langfristig viel problematischer für die Reallohnentwicklung könnte die stagnierende und neuerdings sogar rückläufige Arbeitsproduktivitätsentwicklung werden. Was bedeutet, dass die pro Erwerbstätigenstunde geleistete Wertschöpfung nicht mehr zunimmt. Was bei sich verschlechternden Demographie besonders fatal ist.
Für die 2010er Jahre weist das Statistische Bundesamt eine durchschnittliche Steigerung der Arbeitsproduktivität von nur noch 0,9 Prozent pro Jahr aus. In den Jahren 2018 und 2019, also noch vor den Verwerfungen, die mit der Corona-Pandemie begannen, stieg die Arbeitsproduktivität in Deutschland um 0,0 und 0,4 Prozent. …. Die Folge: Da die Unternehmen technologisch stagnieren, treten sie wettbewerblich auf der Stelle und können kaum höhere Löhne zahlen. Ganz im Gegenteil sind sie sogar auf Kostensenkungen angewiesen, um sich wettbewerblich zu verbessern. Für Reallohnerhöhungen fehlt zudem die ökonomische Basis: Denn wegen der Stagnation der Arbeitsproduktivität nimmt die in der gleichen Arbeitszeit erzeugte Masse der Güter nicht mehr zu.

In diesem Zusammenhang ist ein Vergleich mit den „Ölkrisen“ in den 1970er Jahren und den ähnlich hohen Inflationsraten aufschlußreich. Damals gab es in Deutschland Preissteigerungsraten von 6,6 Prozent 1973 sowie 7,2 und 5,4 Prozent in den darauffolgenden Jahren. Und trotzdem gelangen in dieser Zeit bis zum Ende der 1970er Jahre hohe Reallohnsteigerungen.
Denn die Arbeitnehmer konnten Lohn- und Gehaltsforderungen durchzusetzen, die weit oberhalb dieser Preissteigerungen lagen. Daher erreichten die jährlichen Reallohnsteigerungen zu Beginn der 1970er Jahre noch etwa 7 Prozent jährlich. Bis zum Ende des Jahrzehnts fielen sie auf etwa 3 Prozent zurück.
Diese hohen Lohnsteigerungen waren für die Unternehmen verkraftbar,
weil sie im Laufe des gesamten Jahrzehnts – bei allerdings sinkender Tendenz – vor allem durch technologische Verbesserungen jedes Jahr eine Steigerung der Arbeitsproduktivität von durchschnittlich etwa 4,5 Prozent erreichten.

Nun befürchtet Horn, dass die Art und Weise der deutschen Öko- und Klimapolitik das Produktivitätsproblem weiter verschärfen wird. Die notwendige Reduktion des menschlichen Fußabdruckes in der Natur gegen Null durch Energieeinsparung, Energieeffizienz und die weitgehende Konzentration auf Wind und Sonne senkt die Produktivität weiter:

Dadurch werden sukzessive vormals hochproduktive fossile und atomare Energieerzeugungsverfahren zugunsten der deutlich weniger produktiven und daher wesentlich teureren Energieerzeugungsverfahren ersetzt. Hinzu kommen extrem kostspielige Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs.

All das verteuert die Produktion von Gütern und Dienstleistungen und treibt u.U. die Wirtschaft außer Landes. Aber auch global wirkt, so Horn, der tendenzielle Ausstieg aus den fossilen Energien preistreibend. Das wiederum wird zurückwirken auf die Kosten für die Umstellung auf die extrem materialintensiven Infrastrukturen auf Basis erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne mit ihrem schlechten System-Erntefaktor.

Bei „grünen“ Metallen wie Kupfer, Aluminium, Zinn, Nickel, Lithium, Kobalt und seltenen Erden müssen wegen der Vervielfachung der Bedarfe ebenfalls enorme Investitionen gestemmt werden. Auch dort kämpft man damit, dass mit der Dauer des Betriebs einer Mine der Abbau aufwendiger wird und sinkender Metallgehalt die Kosten in die Höhe treibt. Hinzu kommt, dass die Erschließung neuer Minen Jahrzehnte dauern kann und nicht selten politisch blockiert wird.

Alles in allem noch mal ein Anlass über unsere wirtschaftliche und energetische Zukunft nachzudenken. Und zu überlegen, ob wir wirklich auf die Kernkraft verzichten sollten.

Die Arbeitsproduktivität - in letzter Instanz entscheidend

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Kommentare 3
  1. Kurt Klusch
    Kurt Klusch · vor 5 Tagen

    Ich las den Artikel mit einem faden Nachgeschmack. U. a. argumentiert der Autor, dass hocheffiziente fossile Energien durch weniger effiziente erneuerbare zu Preissteigerungen führen. Zu einem sind meines Wissens Wind- und Sonnenkraft mittlerweile um ein Vielfaches effizienter als jegliche fossile Energien und zum anderen werden bei dem Einsatz fossiler Energien sehr gern die externen Folgekosten für Umwelt und Gesellschaft nicht mit berücksichtigt. Das system wie der Energiemarkt geregelt wird, wird mit keinem Wort erwähnt. Was haben wir denn für eine Alternative? Den Wohlstand weiter auf einem weitgehend überholten fossilen Geschäftsmodell zu bauen?

    Auf mich macht er den Eindruck, als ob er ein Verfechter des Status Quod ist und gerne die Tatsachen ausblendet die es mehr als dringend notwendig machen, nicht nur über Effizienz und Konsistenzstrategien für unsere Gesellschaft nachzudenken, sondern auch über Suffizienz und deren Ausgestaltung im Zusammenhang mit Wohlstand .

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 4 Tagen

      Ich glaube, Sie haben den Autor falsch verstanden. Wobei er Recht hat, dass Energiesysteme auf Basis von Wind- und Solarenergie weniger effizient sind als solche auf Basis von fossilen Energieträgern. Was den notwendigen Ausstieg so schwierig macht. Sie verbrauchen mit ihren Back Up Systemen mehr Rohstoffe, mehr Energie und mehr Fläche um vergleichbare Energiemengen stabil zu liefern. Das sollte man wissen. Deswegen wird eine Energiewende allein mit dieser Technologien nicht gelingen bzw. nur um den Preis einer sehr unproduktiven Gesellschaft. Auch hier gibt es wie immer Folgekosten. Suffizienz ist damit nicht möglich. Die Alternative ist letztendlich die Nutzung der Kernenergie als ein wesentlicher Pfeiler.

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 4 Tagen

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