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Volk und Wirtschaft

Rico Grimm
Der piqer hat bisher keine Tätigkeit eingetragen.

Rico Grimm schreibt über wirtschaftliche und politische Zusammenhänge für Medien wie Krautreporter, Capital, Business Punk und Zeit Online. Wenn er dafür den Schreibtisch verlässt, nimmt er immer die Kamera mit. Seine Lieblingsfrage ist: Warum?

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piqer: Rico Grimm
Montag, 20.06.2016

Das Märchen vom Märchen von der wachsenden Ungleichheit

Die deutsche Gesellschaft wird immer ungleicher — das weiß inzwischen jeder. Deswegen war die Studie, die das Münchner Ifo-Institut jüngst veröffentlichte, umso überraschender: So groß ist die Ungleichheit in Deutschland gar nicht.

Jens Berger hat sich die Studie angeschaut und zerlegt sie sehr gekonnt in ihre Einzelteile:

1. Die Studie konzentriert sich nur auf Einkommen. Wichtig ist also nicht, wie viel Geld jemand hat, sondern wie viel jemand verdient. Das widerspricht völlig der Intuition.

2. Nicht alle Einkommen berücksichtigen die Ifo-Forscher, sondern nur jene, die aus sozialversicherungspflichtiger Arbeit in Vollzeit ausgeführt werden. Das heißt, dass alle Teilzeit-Arbeitnehmer rausfallen. Alle Beamten, Freiberufler, Selbständige. Es heißt aber auch, dass Einkünfte aus Kapitalanlagen außen vor bleiben. In der Summe bleiben da nicht mehr viele Leute übrig. 

3. Auch die obersten 15 Prozent der Einkommen fliegen aus dem Datensatz heraus. 

4. Dafür werden die Arbeitseinkünfte von Erwerbslosen miteinbezogen. 

Die Aussagekraft der Studie ist - durch diese vielen Eingriffe in den Datensatz - sehr niedrig. Die Studie wirkt wie ihre eigene Karikatur. 

Das Märchen vom Märchen von der wachsenden Ungleichheit
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Kommentare 3
  1. Christian Fahrenbach
    Christian Fahrenbach · vor mehr als einem Jahr

    Das sind zwar legitime Kritikgründe an der Erhebung an sich - trotzdem ist es möglich, eine Aussage zu treffen, ob Deutschland ungleicher wird oder nicht. Auch, wenn der Datensatz so murksig ist, kann man über Zeitvergleiche Schlüsse ziehen. Das ist dann zwar der Vergleich relativ schlechter Daten mit anderen relativ schlechten Daten, aber es geht.

    Wie es dann aussieht, schreibt Berger leider nicht - denn auch das Ausmerzen seiner Kritikpunkte würde nur zu einer Momentaufnahme führen.

    Der Welt-Artikel, den er versucht, auseinanderzunehmen räumt auch einige absolute Ungerechtigkeiten ein: www.welt.de/wirtschaf...
    Aus ihm wird nicht erkenntlich, ob die Methodik sich geändert hat.

    Ist Ungleichheit ein Problem? Ja.
    Ist es ein wachsendes Problem? Eher nein.

    1. Christoph (Krauti)
      Christoph (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

      [quote]
      Das sind zwar legitime Kritikgründe an der Erhebung an sich - trotzdem ist es möglich, eine Aussage zu treffen, ob Deutschland ungleicher wird oder nicht. Auch, wenn der Datensatz so murksig ist, kann man über Zeitvergleiche Schlüsse ziehen. Das ist dann zwar der Vergleich relativ schlechter Daten mit anderen relativ schlechten Daten, aber es geht.
      [/quote]
      Wenn man die Datengrundlage so einschränkt, dann kann im Zeitvergleich doch durchaus ein falsches Bild entstehen. Gut möglich, dass der Wohlstand der mittleren sozialversicherungspflichtigen Lohnempfänger sich annähert, während die Extreme zwische Geringverdienern und Kapitaleignern größer werden.

      Krautreporter hat mich kürzlich auf den Oxfam-Bus Aufmerksam gemacht. Den werde ich mir jetzt jedes Jahr anschauen.

  2. Gurdi (Krauti)
    Gurdi (Krauti) · vor mehr als einem Jahr

    Hehe, Auftraggeber war sicher die NGO "Neue Soziale Marktwirtschaft" :)