Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Volk und Wirtschaft

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
Zum piqer-Profil
piqer: Christian Huberts
Montag, 12.02.2018

»Das Leben ist eigentlich gelaufen.« – Ein Interviewprojekt über Altersarmut

Manche heizten nur noch ein Zimmer in der Wohnung, kündigten das Zeitungsabo oder den Sportverein, fuhren nicht mehr mit dem öffentlichen Verkehr, suchten den ganzen Tag nach billigen Lebensmitteln, kochten Kohlrabiblätter aus, die im Supermarkt weggeworfen wurden, oder ließen ihre Zahnschmerzen nicht mehr behandeln.

Die Geschichten, die die Ethnologin Irene Götz in ihrem DFG-geförderten Interviewprojekt zu hören bekommt, könnten ebenso aus der Nachkriegszeit stammen. Sie sind geprägt von Mangel, Entbehrungen und Kompromissen. Erzählt werden sie jedoch von Kriegs- und Nachkriegskindern, die in der Gegenwart – ganz unabhängig davon, ob sie aus dem aus Arbeitermilieu oder einer bürgerlichen Familien stammen – in die Altersarmut gefallen sind. Insbesondere Frauen sind davon betroffen, weil ihnen die gesellschaftlich erwartete Kindererziehung sowie oft auch die Pflege der Eltern nicht auf ihre Rente angerechnet wurde.

Die Armut bei Menschen ab 65 Jahren hat im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen in Deutschland im Zeitraum von 2005 bis 2016 am stärksten zugenommen. Das zeigt eine Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. […] Die Durchschnittsrente für langjährig versicherte Frauen in den alten Bundesländern lag bei rund 700 Euro. In den neuen Bundesländern war sie etwa 100 Euro höher, weil die Frauen in der DDR-Gesellschaft keine Erwerbslücken wegen Kindererziehung hatten. Frauen, die für die Familie ihren Beruf aufgegeben oder jahrzehntelang pausiert haben, bekommen im Alter noch weniger Geld.

Aber Irene Götz beschränkt sich in ihrem Gastbeitrag bei ZEIT Arbeit nicht auf eine bloße Zustandsbeschreibung, sondern nennt ebenso politische Handlungsfelder: von verbesserten Wohnkonzepten, über arbeits- und rentenpolitische Maßnahmen, bis hin zu einer unbürokratischen sowie armutsfesten Grundsicherung gibt es viel Verbesserungspotential. Die geplanten Änderungen einer großen Koalition – auch das stellt Götz fest – fallen angesichts der Situation jedoch eher »mickrig« aus.

»Das Leben ist eigentlich gelaufen.« – Ein Interviewprojekt über Altersarmut
9,2
10 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied für unter 4€ pro Monat!