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Volk und Wirtschaft

Georg Wallwitz
Autor und Verwalter, selbständig
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piqer: Georg Wallwitz
Mittwoch, 02.08.2017

Das Kreuz mit der Gerechtigkeit

Ein erfrischendes Interview mit einem Praktiker aus den Wohlfahrtsverbänden. Es geht los mit dem Hinweis, dass die gängigen Stereotypen, die in den Medien am liebsten transportiert werden, wenig hilfreich sind (Reichtum ist stets unverdient, Armut ebenfalls; die Reichen werden immer Reicher und die Mittelschicht blutet aus; die Reichen zahlen keine Steuern, weil die Finanzämter versagen, und in unserem System ist sowieso der Ehrliche der Dumme). Und es endet mit dem Hinweis, warum die Hartz-IV-Sätze zwar angehoben werden sollten, voraussichtlich aber auf dem gegenwärtigen Niveau verharren werden. Dazwischen kommen selbsterklärende Aussagen über die stets negativen Berichte in der Presse wie „Es gibt große soziale Probleme, wir müssen politisch handeln. ... Warum muss der falsche Eindruck erweckt werden, alles gehe stetig den Bach herunter?“ Es geht uns – auch den sozial schwachen – nicht andauernd schlechter.

Vor allem aber weist er darauf hin, dass die meisten Kommentator_Innen sich nicht die Mühe machen zu definieren, was Gerechtigkeit ist. Das ist ein schwieriges Thema, und indem man sich klaren Definitionen entzieht, kann man sich in die Lage versetzen, dumpf alles zu fordern. Der Begriff der Gerechtigkeit wird so grauenvoll misshandelt, dass jedem, der ihn im Munde führt, grundsätzlich zu misstrauen ist. Auch hierzu ein Zitat aus dem Interview: „Es gibt nicht eine einzige, sondern verschiedene Gerechtigkeiten: Bei Bürgerrechten wie dem Wahlrecht gilt strikt das Prinzip der Gleichheit. In einer Marktwirtschaft wollen wir Tauschgerechtigkeit, in der Bildung Chancengerechtigkeit. Bei der Entlohnung akzeptieren wir Leistungsgerechtigkeit, zu große Diskrepanzen dämmen wir mit Umverteilung ein, um Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen – hier kann es zu Konflikten kommen, die der Abwägung bedürfen. Würde stärker betont, auf welches Konzept man sich jeweils beruft, würde die Debatte konstruktiver und politischer.“ So ein Text sollte vor jedem Debattenbeitrag stehen.

Das Kreuz mit der Gerechtigkeit
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Kommentare 1
  1. Christian Huberts
    Christian Huberts · vor 5 Monaten

    Das ebenfalls empfehlenswerte Buch »Armut in Deutschland« von Georg Cremer gibt es Dank der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung aktuell auch für sehr erschwingliche 4,50 EUR zu kaufen: www.bpb.de/shop/buec.... Da ist man also schon mit rund vier ALG2-Monatssätzen für Bildung dabei. ;-)