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Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Donnerstag, 29.03.2018

Das Gute an Jens Spahns Hartz-IV-Verharmlosung: Betroffene kommen nun zu Wort

Ich will nicht viele Worte über Jens Spahns Nebelkerzen zum Thema »Hartz IV« verlieren. Er bedient eine etablierte, politische Tradition der Verharmlosung von relativer Armut und befindet sich in bester Gesellschaft unter anderem mit Franz Müntefering (»Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen«), Guido Westerwelle (»spätrömische Dekadenz«) und Thilo Sarrazin (»Warmduscher sind nie weit gekommen«). Plumper, menschenfeindlicher Populismus, der sich schnell widerlegen lässt. Weder leben Empfänger von Arbeitslosengeld 2 (ALG2) im dekadenten Luxus, noch lohnt sich Arbeitslosigkeit mehr als Arbeit. Der Sozialwissenschaftler Stefan Sell spricht von einem »Krieg der Worte gegen ›die da unten‹«.

Eine gute Sache – neben der Tatsache, dass wieder mehr oder weniger glaubwürdig über Alternativen zu »Hartz IV« diskutiert wird – hat die angestoßene Debatte jedoch: Statt lediglich über ALG2-Empfangende zu schreiben, haben sich diverse Zeitungsredaktionen in den letzten Wochen aufgemacht, um den direkten Erfahrungen der Betroffenen zuzuhören. Auf Zeit Online lässt sich nun eine der ausführlichsten Sammlungen finden. Rund 204 ALG2-Empfangende (ausgewählt aus 900 Einreichungen) berichten aus ihrem Alltag und ob sie mit der staatlichen Transferleistung auskommen oder nicht. Die Erfahrungsberichte lassen sich in mehreren Kategorien filtern (»männlich/weiblich«, »kommt zurecht/kommt nicht zurecht« etc.).

Die Antworten zeigen: Von Hartz IV zu leben, ist für viele ein Kraftakt. Einige haben Strategien gefunden, damit umzugehen, prüfen jede noch so kleine Ausgabe, kaufen nur Sonderangebote. […] Was viele belastet, ist jedoch nicht nur die Armut. Sondern das Gefühl, nicht selbst über die eigene Situation bestimmen zu können. Sie lebe ständig in Angst, weil sie nicht wisse, wie es weitergeht, schreibt eine Frau. »Es ist weniger die finanzielle Situation als vielmehr der würdelose Umgang des Jobcenters mit mir als Antragsteller«, schreibt ein Leser.
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