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Volk und Wirtschaft

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Donnerstag, 18.10.2018

Cum-Ex und kein Ende: »Der größte Steuerraub in der Geschichte Europas«

Im Jahr 2017 deckte ein Team aus Journalist*innen von Panorama, Zeit und Zeit Online einen geradezu unglaublichen Betrug auf. Wobei »Betrug« hier wohl der falsche Begriff ist. Regeln wurden nicht gebrochen, sondern ein rentabler »Exploit« – wie es im Gaming heißt – innerhalb der Regeln gefunden: Börsenhändler, Steuerberater, Banker und Anleger tätigten rund um den Dividendenstichtag windige, aber legale Aktiengeschäfte, die ihnen jedoch doppelte Steuererstattungen durch den deutschen Staat einbrachten. Die Steuerkassen wurden so um geschätzt 31,8 Milliarden Euro erleichtert. »Cum-Ex« und »Cum-Cum« heißen die Exploits. Ruth Fend erklärt sie für Correctiv noch einmal etwas schief aber anschaulich:

Man kann es sich vorstellen, wie einen Betrug rund um das Kindergeld. Bei Cum-Cum-Geschäften lassen sich Deutsche, die gar keine Kinder haben, welche aus London schicken, melden sie in Deutschland an und schicken sie ein paar Tage später wieder nach London. Das Kindergeld teilen sie mit den Vermittlungsagenturen. Bei Cum-Ex-Geschäften und deren Varianten werden die Kinder gleich auf mehrere Familien angemeldet. Pro Kind gibt es also mehrfach Kindergeld.

Die Gesetzeslücken, die diese Plünderungen ermöglichten, sind mittlerweile weitgehend geschlossen. Zumindest in Deutschland. Denn das Geschäft mit den »Cum-Ex«- und »Cum-Cum«-Deals floriert auch im Rest von Europa. Das Recherche-Team zu den #CumExFiles ist mittlerweile um Journalist*innen aus Spanien, Frankreich, Großbritannien und einigen anderen Ländern gewachsen. Ihr Ergebnis:

Neben Deutschland sind nachweislich mindestens zehn weitere europäische Länder betroffen. […] Konservativ errechnet beläuft [sich der Schaden] nach Recherchen der Journalisten auf 55,2 Milliarden Euro. Mindestens.

Die Geschichte zu dieser Recherche liest sich wie ein Spionageroman, voll mit Decknamen, Maskierungen und geheimen Informanten. Und wie das Treffen mit einem der Köpfe hinter dem Steuerraub vermuten lässt, wird es sicher eine Fortsetzung geben.

Cum-Ex und kein Ende: »Der größte Steuerraub in der Geschichte Europas«
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Kommentare 10
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor etwa 2 Monaten

    Was für eine wichtige Geschichte. Größten Respekt für die Kolleginnen und Kollegen. Schade ist nur, dass Correctiv-Texte dazu neigen, wie schlechte hard boiled Krimis zu klingen. Ich hoffe, das hilft dabei, ein größeres Publikum anzusprechen.

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor etwa 2 Monaten

      "Undercover sind Schröm und Salewski ins Innere dieser Maschinerie vorgedrungen. In die Köpfe ihrer Ingenieure.

      Um ihnen auf die Schliche zu kommen, müssen sie lernen, zu fühlen und zu denken wie sie. Sie werden sich eine neue Identität zulegen, sich von Kennern der Szene coachen lassen, sich verkleiden. Ein Hauptakteur der Cum-Ex-Szene wird sie in seine Welt mitnehmen. Auch ihn müssen sie maskieren."

    2. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor etwa 2 Monaten

      @Frederik Fischer Hihi. Ich hatte beim Lesen immer die Offstimme aus "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" im Kopf.

    3. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor etwa 2 Monaten
    4. Christian Huberts
      Christian Huberts · vor etwa 2 Monaten

      @Frederik Fischer Stimmt, es liest sich schon sehr cheesy. Naja, vielleicht kann HBO aus dem Stoff demnächst mal etwas Gescheites machen… ;-)

    5. Florian Schairer
      Florian Schairer · vor 27 Tagen

      jaja, bissl cheesy. Aber superwichtig.

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor etwa 2 Monaten

    ...krasse Politikverdrossenheitsmaschine....hab mich lang nicht so geärgert. Danke auch!
    Hier ja eigentlich gut erklärt, aber warum schreiben die so scheisse??

  3. Christian Huberts
    Christian Huberts · vor etwa 2 Monaten

    Offenbar ist die Krimi-Inszenierung nicht nur ein wenig albern, sondern ebenso gefährlich für die Informanten der Journalisten: uebermedien.de/32307/ein.... Sehr spannende Informationen zu IT-Forensik und Netzfrequenzschwankungen.

    »Politische Magazinbeiträge wollen Ursachen aufzeigen und Verantwortliche benennen. Selfie-journalistische Beiträge wollen die Bedeutung der eigenen Arbeit hervorheben. Dann folgt solch ein Selfie-Beitrag der Dramaturgie von Vorabendkrimis. Es ist Fernsehunterhaltung.«

    1. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor etwa 2 Monaten

      Das ist superinteressant. Wäre eigentlich einen Piq wert.

  4. Florian Schairer
    Florian Schairer · vor 27 Tagen

    Christian Salewski (Correctiv, Panorama/NDR) kommt zum piqd-Salon am 21.11 in der Münchner Favorit Bar. Er hat sich als Milliardär ausgegeben, auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten, um zu belegen: Der Steuerraubzug geht weiter. Über 38 Milliarden waren es bisher. Beim piqd-Salon wird Christian Salewski von dieser aufwendigen Recherche berichten, an der Reporter aus 12 Ländern mitgearbeitet haben.