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Volk und Wirtschaft

Schulden

Schulden gibt es mindestens schon seitdem es Geld gibt. Wahrscheinlich schon viel länger. Trotzdem hat jeder zu viel und noch nie so viel momentan - vor allem die Staaten.

Weitere Informationen zum Thema Schulden

Schulden sind per Definition die Verpflichtung, eine Leistung finanzieller, materieller oder auch immaterieller Art an eine Person oder Organisation erbringen zu müssen. Diese Verbindlichkeit ergibt sich durch eine vorherige Leistung dieser dritten Person, die abgegolten werden muss. Zivil-, handels- und steuerrechtlich existieren diverse Definitionen des Schuldenbegriffs, doch an dieser Stelle werden finanzielle Verbindlichkeiten diskutiert, die bei einer Person oder in einem Unternehmen bestehen.

Eine finanzielle Verbindlichkeit besteht aufgrund einer Lieferung oder Leistung, die noch zur Bezahlung aussteht, oder in einem Darlehen, welches zurückgezahlt werden muss. Finanzielle Verbindlichkeiten werden dabei entweder zu einem fixen Zeitpunkt in voller Höhe (rück-)zahlungspflichtig oder werden in definierten Raten bezahlt. Oftmals ist dies verbunden mit einer Verzinsung, durch welche sich zum einen der Geldwertverlust für den Darlehensgeber ausgleicht und zum anderen für diesen ein Verdienst entsteht.

Beinahe jeder Bürger hat Schulden jedweder Art. Mietverträge, Mobilfunk-, Festnetznetz- und Internetverträge, Finanzierungen für Kraftfahrzeuge oder Immobilien, Hypotheken - diese und ähnliche Verträge stellen Schulden dar, die die oben genannte Definition erfüllen. Sie können zwar zum Teil gekündigt werden und durch das Wegfallen der Leistung entfällt die Schuldpflicht, doch beispielsweise ein Darlehen kann nicht gekündigt werden, die Verbindlichkeit muss in voller Höhe zurückgezahlt werden.

Diverse Finanzierungsformen, beispielsweise die 0-Prozent-Finanzierung, versprechen Erleichterungen für den Käufer. Eine hohe Einmalzahlung wird ersetzt durch eine geringere Belastung pro Monat, doch diese und andere Angebote bergen Gefahren für Privatpersonen. Die sogenannte Schuldenfalle ist nichts anderes als die Überlastung durch fixe Schuldbeträge, die durch das regelmäßige Einkommen nicht mehr gedeckt werden können (Überschuldung). Selbst wenn Sie gedeckt werden können, fehlt nach den ersten Abrechnungen freies Einkommen, um die Kosten des alltäglichen Lebens decken zu können. Zu viele Schulden können die Lebensqualität an anderen Stellen verringern. Die Herausforderung für jeden einzelnen ist daher, den eigenen Haushalt nicht zu überlasten, sondern ein gesundes Verhältnis zwischen Einkommen, Fixkosten und frei verfügbarem Einkommen zu schaffen.

Schulden per se waren in älteren Zeiten verpöhnt. Als finanziell stabil galt, wer schuldenfrei war. Im heutigen Credo gilt als stabil, wer alle Schulden decken kann und dabei trotzdem ein hohes Maß an Liquidität und Lebensqualiät vorweisen kann. Während zu Beginn des letzten Jahrhundert bis auf Mietverträge wenige fixe Schuldverträge existierten, haben sich die Möglichkeiten für Privatleute im 21. Jahrhundert deutlich erhöht. Mobilfunkverträge, Finanzierungsangebote im Einzelhandel, die Ausweitung von Leasingkonzepten auf Privatleute, diese Möglichkeiten steigern den Schuldenstand der privaten Bevölkerung.

Auch Unternehmen sind schneller überschuldet als zu früheren Zeiten. Lieferantenkredite und Kundenkredite sind populärer geworden, viele Unternehmen sind vielfach Darlehensnehmer und Darlehensgeber zugleich. Die Schuldenfalle ist beispielsweise dann besonders real, wenn eigene Verbindlichkeiten kürzere Zahlungsziele vorsehen als die Forderungen an die Darlehensnehmer. Wie im privaten Bereich besteht die Herausforderung darin, stets liquide zu bleiben, um die eigenen Verbindlichkeiten jederzeit decken zu können. Insolvenzen resultieren viel häufiger aus Illiquidität als aus fehlenden Gewinnaussichten.

Schulden sind längst nicht mehr ein Phänomen im Gewerbe oder vermeintlich armen Leuten, sondern sind in allen Gesellschaftsklassen äußerst präsent. Die eigene Schuldensituation sowie die Haltung zu Schulden sollte daher von jedem einzelnen genau abgewogen werden.