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Volk und Wirtschaft

Kapitalismus

Kapitalismus - die Kraft, die uns über die Malthusianische Armutsfalle katapultiert hat oder das Joch, das wir für ein gelungenes Leben erst abschütteln müssen? Nur eines ist sicher: seine laufende Veränderung.

Weitere Informationen zum Thema Kapitalismus

Nicht erst seit der vergangenen Finanzkrise ist der Kapitalismus Gegenstand zahlreicher Untersuchungen und Auseinandersetzungen. Er beeinflusst das tägliche Leben unzähliger Menschen auf vielfältige Weise: Sie alle sind Marktteilnehmer, Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Konsumenten. Ihre Entscheidungen beeinflussen das wirtschaftliche Geschehen oft stärker, als ihnen bewusst ist. Ein tieferes Verständnis des Kapitalismus kann helfen, diesen Einfluss deutlicher wahrzunehmen und bewusster einzusetzen.

Kapitalismus wird unter zwei Gesichtspunkten betrachtet. Zum einen wird er verstanden als eine Wirtschaftsordnung, in deren Mittelpunkt die Entfaltung unternehmerischer Freiheit steht, durch die Wohlstand für einen selbst und die Gesellschaft generiert wird. Die Unternehmer besitzen dabei meist das Eigentum an den zur Herstellung von Gütern erforderlichen Produktionsmitteln und haben damit den rechtlich abgesicherten Anspruch auf den Ertrag bzw. Gewinn, der aus dem Verkauf der Güter resultiert.

Unternehmerisches Handeln erfordert oft Investitionskapital, um Produktionsprozesse und Vermarktung zu finanzieren, bis sich Zahlungsströme in Form von Einnahmen einstellen. Zu diesem Zweck können bei Banken Kredite aufgenommen oder durch Ausgabe von Aktien auf dem Aktienmarkt finanzielle Mittel akquiriert werden. Bei beiden Formen wird eine Gewinnbeteiligung der Geldgeber in Gestalt von Zinsen und Dividenden fällig. Kapitalismus bietet mithin die Gelegenheit, neben der unternehmerischen Betätigung auch durch Investitionen zu Wohlstand zu gelangen.

Drittes wesentliches Merkmal kapitalistischer Wirtschaftsordnungen ist die Marktwirtschaft. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass Preise für Waren und Dienstleistungen nicht durch staatliche Stellen vorgegeben werden, sondern sich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ergeben. An diesen Impulsen wiederum können Unternehmer ablesen, was „der Markt“, also die Summe aller Konsumenten, begehrt und diese Produkte herstellen, soweit sie über das erforderliche Know-How und die notwendigen Produktionsmittel verfügen.

Zum anderen wird Kapitalismus verstanden als eine Wirtschaftsepoche, die mit dem Ende des europäischen Feudalismus und dem Beginn des Industriezeitalters einsetzte. Frühformen des Kapitalismus existierten beispielsweise in Form italienischer Handels- und Schifffahrtsgesellschaften im Hochmittelalter. Die heutige Form der Globalisierung wird als einer der Höhepunkte der kapitalistischen Wirtschaftsepoche betrachtet. Der Kapitalismus ist demnach die Wirtschaftsform, der sich mittlerweile die meisten Länder der Erde verschrieben haben und die bis heute die größte Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit bewiesen hat.

Der heutige Kapitalismus steht vor anderen Herausforderungen als derjenige des Industriezeitalters. Zu ihnen zählen die zunehmende Digitalisierung sowie die globale Vernetzung und Beschleunigung marktwirtschaftlicher Prozesse. Diese Veränderungen stellen auch neue Anforderungen an Ausbildung und Arbeit: Handwerkliche und technische Arbeiten werden mechanisiert, während ein ständiger Bedarf an intellektuellen und kreativen Tätigkeiten besteht, in denen neue Konzepte entwickelt, vorhandenes Wissen neu vernetzt und so ein fortlaufender Fortschritt ermöglicht wird.

Auf Grund seiner Allgegenwärtigkeit wird der Kapitalismus als nahezu unvermeidlich und alternativlos angesehen. Dennoch gibt es Bemühungen, sich theoretisch und praktisch mit anderen Wirtschaftsformen auseinanderzusetzen, damit sich die oft zitierte Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter öffnet, sondern mehr Menschen an den „Früchten“ des Kapitalismus partizipieren können. Die Ideen reichen von einer sukzessiven Anpassung der kapitalistischen Wirtschaftsform bis zu seiner vollständigen Ablösung durch ein neues System. Das deutsche Modell der „sozialen Marktwirtschaft“ kombiniert kapitalistische Verteilungsmechanismen mit staatlichen Maßnahmen, welche die unkontrollierten Folgen des Marktgeschehens wie übermäßige Arbeitslosigkeit und Verteilungsungerechtigkeit abfedern sollen.