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Volk und Wirtschaft

Fortschritt

Der Fortschritt treibt die Wirtschaft an. Steigende Lebensqualität und materiellen Reichtum haben wir der technologischen Entwicklung zu verdanken. Wobei - ist "verdanken" das richtige Wort? Geht es uns wirklich immer besser?

Weitere Informationen zum Thema Fortschritt

Der Fortschritt, im Gegensatz zum Rückschritt oder zum Stillstand, bezeichnet eine meistens positive Veränderung eines Zustandes. Der Fortschritt eines Individuums entsteht durch Lernprozesse die aus Veränderungen von Situationen entstehen und denen sich das Individuum anpasst. So eignet es sich Kompetenzen an, um neue Situationen immer besser bewältigen zu können. Aus Lernprozessen entsteht der Wachstumsprozess.

Der Begriff des Fortschritts ist vieldeutig und wird auch oft auf Geschichte und Kultur angewandt. Ganz besonders wichtig ist der Fortschritt für das Weltbild der Moderne. Zahlreiche Denker und Philosophen beschäftigte der Begriff, der schließlich auch in der Politik und in der Philosophie Einzug hielt.

Seit der Neuzeit befinden wir uns in Europa und in Nordamerika im so genannten Fortschrittsdenken. Während des Zeitalters der Aufklärung, beschäftigte man sich besonders intensiv mit dem Fortschrittsgedanken, der durch die Evolutionstheorie verstärkt wurde. Für die meisten Menschen heutzutage ist der Fortschritt so selbstverständlich, dass sie schon vergessen haben, dass es auch andere Weltanschauungen gibt.

Das Fortschrittsdenken stützt sich auf folgende Annahmen:
- Die Entwicklung der Geschichte verläuft linear
- Der Allgemeinzustand ist einer ständigen Verbesserungen unterworfen (Kulturoptimismus)
- Der Zustand der Natur wird immer schlechter (Naturrealismus)
- Veränderungen steuern auf ein Ziel zu
- Die Geschichte entwickelt sich nach einem Plan

Als fortschrittlich, z.B. in der Politik, gilt, wer auf einem geradlinigen Weg vorangeht. Der technische Fortschritt stützt sich auf die Vorstellung, dass mit weniger Aufwand und weniger Mitteln konstant mehr erschaffen werden kann. Es findet eine ständige Verbesserung des Input-Output-Verhältnisses statt. Der technische Fortschritt wirkt sich auch auf Kultur und Sozialwesen aus und führt zu einem Strukturwandel. Der Naturrealismus sieht den Fortschritt als eine Entfernung des Menschen von der Natur. In modernen Zivilisationen besteht der Glaube der Mensch sei der Natur überlegen und habe sie zu beherrschen. Als Gegenpol existieren naturangepasste Gemeinschaften, die den Fortschritt vermeiden und Traditionen bewahren.

Viele wichtige Aufklärer haben sich mit dem Fortschrittsgedanken beschäftigt. Voltaire wendet sich gegen die christliche Glaubenslehre und gründet den Weg der Menschheit rein auf der Vernunft. August Camus sieht neben dem technischen einen ethischen Fortschritt. Hegel beschreibt den Fortschritt als ein konstantes Wachstum an Vernunft. Im Kulturoptimismus bedeutet Veränderung immer Verbesserung. Alles was neu ist wird positiv bewertet. Deshalb sehen wir unserer heutigen Zivilisation als besser an, als frühere. Angenommen wird, dass zukünftige Zivilisationen besser sein werden als die heutige. Dem gegenüber steht der Kulturpessimismus, der den Weg der Menschheit als eine konstante Entfernung von paradiesischen Zuständen, also als einen Abstieg wertet. Ebenso besteht die Annahme, dass die Entwicklung der Geschichte festgelegt sei. Der Mensch könne die Geschichte nicht verändern, nur bremsen oder beschleunigen, Entscheidungen sind nach diesem Ansatz nur zu treffen damit die festgelegte Entwicklung planmäßig verläuft.

Denker wie zum Beispiel Niccolò Machiavelli waren der Auffassung, dass die Verhältnisse immer gleich bleiben. Das würde bedeuten, dass aus der Geschichte allgemeine Gesetze zu formulieren sind, die für alle Zeit gelten. Francis Fukuyama sah Ende des 20. Jahrhunderts die liberalen Demokratien als Ende der Geschichte an. Manche Sozialwissenschaftler gehen davon aus, dass bestimmte Teile der Geschichte konstant bleiben, andere veränderbar sind.