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Volk und Wirtschaft

Bullshit-Jobs und Shit-Jobs - Ideen zur Post-Pandemie

Michael Hirsch
Philosoph und Politikwissenschaftler, freier Autor und Dozent
Zum piqer-Profil
Michael HirschMittwoch, 30.06.2021

Bei Recherchen zur Frage, wie Volkswirtschaften aus der aktuellen Rezession herauskommen können, stieß ich auf dieses Interview aus der Zeit vor der Pandemie. Darin erläutert der berühmte Anthropologe David Graeber die Grundidee seines Buches "Bullshit-Jobs".

Is your job pointless? Do you feel that your job could be eliminated and everything would continue on just fine? Maybe, you think, society would even be a little better off if your job never existed? If your answer to these questions is “yes,” then take solace. You are not alone. As much as half the work that the working population engages in every day could be considered pointless.

Die Pointe dieser Überlegung liegt darin, die fundamentale Annahme aller aktuellen wirtschaftspolitischen Ideen von Wachstum und Beschäftigung in Frage zu stellen. Die These ist, dass die in der postindustriellen Gesellschaft weggefallenen Arbeitsplätze fast nur im Bereich eines unterbezahlten, aber systemrelevanten industriellen Dienstleistungsproletariats zum einen - einer eher überbezahlten, aber tendenziell überflüssigen Dienstleistungsmittelschicht zum anderen neu entstehen.

According to Graeber, the same free-market policies that have made life and work more difficult for so many people over the past few decades have simultaneously produced more highly paid managers, telemarketers, insurance company bureaucrats, lawyers, and lobbyists who do nothing useful all day.

Dadurch ist ein mehrfaches Strukturproblem entstanden: Nicht nur eine wachsende Ungleichheit in Bezug auf Einkommen und soziale Anerkennung - sondern eben auch ein wachsender Zynismus in Bezug auf das gleichzeitige Durchschauen und Vedrängen des Missverhältnisses von gesellschaftlich notwendigen und tendenziell überflüssigen Arbeiten. Es ist dieses Missverhältnis, das die soziale Spaltung der Gesellschaft und den unübersehbaren lähmenden politischen Stillstand speist (aktuell wieder in den Wahlprogrammen der Parteien zu beobachten).

Die Spaltungslinie zwischen Bullshit-Workern und Shit-Workern verläuft mitten durch die Gesellschaft hindurch. Sie erzeugt die politisch destruktive und hoch gefährliche Mischung von Schuldgefühl der einen und Wut der anderen:

Well it’s fairly straightforward: shit jobs are just bad jobs. Ones you’d never want to have. Back-breaking, underpaid, unappreciated, people who are treated without dignity and respect. . . . The thing is for the most part, shit jobs aren’t bullshit, in the sense of being pointless or nonsensical, because actually they usually involve doing something that genuinely needs to be done: driving people around, building things, taking care of people, cleaning up after them. . . . Bullshit jobs are most often paid quite well, involve nice benefit packages, you’re treated like you’re important and actually are doing something that needs to be done—but in fact, you know you’re not. So in that way they’re typically opposites.

Hinter der Inflationierung von überbezahlten Bullshit-Jobs der Mittelschichten steckt die wirtschafts- und demokratiepolitisch vielleicht brisanteste Frage der Gegenwart: ihre eigentliche Klassenspaltung und ihre Bewertungshierarchien. Würde das Eingeständnis dieses Sachverhalts doch tendenziell die Biografien und Lebensleistungen vieler derer in Frage stellen, die üblicherweise als "Leistungsträger" dargestellt werden, und hierarchisch denen gegenübergestellt, die "nur" zur sogenannten Arbeiterklasse gehören. Denn falls es sich wirklich so verhält, wie Graeber behauptet, würde dies den überwältigenden strukturellen Konservatismus großer Teile der akademischen Mittelschichten erklären: Sie ahnen insgeheim, wie fadenscheinig ihre Arbeit ist, sehen aber keine Alternative. Vielleicht ist der aktuelle Boom des Bewusstseins der umweltschädlichen Potenz bestimmter Produktions- und Konsumweisen also nur die eine Seite einer neuen Aufklärungsära.

The point wasn’t so much about productivity, in the economic sense, as social benefit. If someone is cleaning, or nursing, or cooking or driving a bus, you know exactly what they’re doing and why it’s important. This is not at all so clear for a brand manager or financial consultant. There was always something of an inverse relation between the usefulness of a given form of labor, and compensation. There are a few well-known exceptions like doctors or pilots but generally it holds true.


Bullshit-Jobs und Shit-Jobs - Ideen zur Post-Pandemie

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