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Volk und Wirtschaft

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Montag, 24.07.2017

Armut ist ein Mangel an Geld, nicht an Charakter

Der dänische Historiker Rutger Bregman ist Autor des Buches Utopia for Realists, ein mehr oder weniger gelungener Versuch einer praktikablen, linksliberalen Vision, die gegen regressive, rechtskonservative Utopien anstinken möchte. Sein hier gepiqter TED-Talk leidet (wie viele TED-Talks) an ganz ähnlichen Schwächen wie das Buch: unterkomplex, rhetorisch argumentierend und selbstgenügsam. Aber auch wenn etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen kritischer und differenzierter betrachtet werden sollte, ist der Grundgedanke von Bregmans Vortrag doch relevanter denn je: Armut ist nicht, wie Margaret Thatcher einst behauptete, eine Persönlichkeitsstörung, sondern schlicht ein Mangel an Geld. Ist genug Geld da, verringern sich die vermeintlichen Charakterdefizite (z.B. Risikoverhalten, kurzfristige Bedürfnisbefriedigung etc.) von alleine.

This story starts in Dauphin, Canada. In 1974, everybody in this small town was guaranteed a basic income, ensuring that no one fell below the poverty line. […] The school performance of kids improved substantially. The hospitalization rate decreased by as much as 8.5 percent. Domestic violence incidents were down, as were mental health complaints. And people didn't quit their jobs. The only ones who worked a little less were new mothers and students -- who stayed in school longer. Similar results have since been found in countless other experiments around the globe, from the US to India.

Eine Erklärung für dieses Phänomen ist die Linderung der so genannten »scarcity mentality«:

It turns out that people behave differently when they perceive a thing to be scarce. […] They're not making dumb decisions because they are dumb, but because they're living in a context in which anyone would make dumb decisions.

Vor diesem Hintergrund ist Bregmans Fazit … nun … utopisch, aber nachvollziehbar: Eigentlich können sich Gesellschaften so ein fahrlässiges Fortbestehen unnötiger und kostspieliger Armut gar nicht mehr leisten wollen.

Armut ist ein Mangel an Geld, nicht an Charakter
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