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Barbara Kreuzer
Der piqer hat bisher keine Tätigkeit eingetragen.

Neugierig, linkshändig. Ging für den Journalistik-Master nach Leipzig und kam bis heute nicht zurück. Volontierte beim MDR und ist da ganz einfach hängen geblieben. Arbeitet für Hörfunk und Fernsehen. Aufgewachsen bei Köln. Ländlich allerdings. Mit Kälbern und so.

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piqer: Barbara Kreuzer
Samstag, 23.09.2017

Von Regie in Regimen

Das Eine gleich vorweg: Es gab eine Lücke im System des nordkoreanischen Regimes. Eine Lücke, die diesen Film erst möglich machte.

Die Dreharbeiten für Vitali Manskis Film waren genau geplant. Das System sah Szenen und sogar Skripte vor. Was zunächst wenig überraschend klingt, lässt sich zu Beginn des Films noch gar nicht vollständig verstehen.

Da ist die 8-jährige Zin-mi, mit ihren Eltern, in ihrem Alltag. Und die Informationen aus dem Off: Es habe „Aufpasser“ gegeben.

Dann dieser namenlose Mann, der plötzlich die Szene „stört“. Er muss ein solcher Aufpasser sein. Er souffliert. Und er will gar nicht mehr verschwinden. Ein unangenehmer Umstand, der sich zur Beklemmung auswächst. Am Bildschirm. Er wird nicht müde, Dialoge auszubessern, Akteure zu mehr Begeisterung anzuhalten. Eine Szene wird dreimal wiederholt. Ohne Schnitt, alles in Echtzeit. Ich hatte noch nie das so dringende Bedürfnis, aus einem Dokumentarfilm auszusteigen. Ich finde diesen Mann und das Regime, das er vertritt, schließlich so bedrückend, als würden sie mich wirklich betreffen und in die Ecke meines eigenen Sofas drängen.

Das System sah das Gegenteil von Dokumentation vor: es inszenierte.

Doch der Regisseur, ganz nebenbei ein mehrfach ausgezeichneter, heißt Manski. Sein Metier nicht Spielfilm, sondern Dokumentation. Doch hier dokumentiert er eben das: ein Schauspiel.

„Ich wollte einen Film über das echte Leben in Nordkorea drehen. Aber es gibt dort kein echtes Leben, wie wir es kennen. Es gibt lediglich eine bestimmte Vorstellung vom ‚richtigen‘ Leben. Unser Film zeigt in Wirklichkeit eine große Täuschung.“

Vitali Manski

Der Aufwand der Inszenierung ist immens. Sie scheint kein Ende zu nehmen. Er hört nicht auf: der Aufpasser nicht, Manski nicht und der Film auch nicht. Stattdessen etwas, das man nach anderthalb Stunden nicht mehr erwartet: Ein wahrhafter Moment mit einem 8-jährigen Mädchen. Ohne Skript, ohne Aufpasser und ohne Illusionen.

Von Regie in Regimen
8,9
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Kommentare 2
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor 3 Monaten

    Geniale Idee, so mit den Umständen umzugehen.

  2. Marcus Ertle
    Marcus Ertle · vor 3 Monaten

    Super Doku!