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Wissenschaft und Forschung

Soziologie - folgen wir der Wissenschaft?

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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Thomas WahlMontag, 24.05.2021

In einer bedenkenswerten Rezension zu „Meilensteine der Soziologie“ charakterisieren die Rezensenten die Soziologe und ihre Geschichte "als einen gespaltenen Charakter mit geschöntem Lebenslauf". Was es, so glaube ich, oft sehr gut trifft. Das Problem der Soziologie, sie beschäftigt sich mit so ziemlich allem, was das menschliche Zusammenleben ausmacht. Ihre vielen Teilgebiete sind unübersichtlich, mannigfaltig und nutzen nicht kompatible Paradigmen. Es scheint, „als wate man in einem recht unwegsamen „Sumpf“, ohne festen Grund - so der Rezensent. Nicht ohne Grund wurde die Soziologie in der Vergangenheit immer mal als halb tot bezeichnet - um dann überraschend neu aufzuerstehen..

Diese multiparadigmatische Beschaffenheit der Soziologie zeigt sich unter anderem darin, 

dass Fach- und Schlüsselbegriffe kontextgebunden sind: Sie haben für gewöhnlich keinen objektiven Status, auf den sich alle, die sich als Soziolog’innen begreifen, verständigen können. Was „Macht“, „Interaktion“ oder „System“ konkret bezeichnen sollen, hängt von dem theoretischen Entwurf ab, auf den sich die Sprechenden jeweils beziehen oder an dem sie selbst gerade arbeiten. 

Was auch zu der oft geäußerten Kritik führt, 

dass es sozialen Vorgängen an einer quasinaturwissenschaftlichen Berechenbarkeit fehlt. Viele Sozialforschende arbeiten daher nicht mit definitiven Konzepten und Formeln, die ja bereits eine bestimmte Gestalt des sozialen Phänomens voraussetzen würden, sondern mit sensibilisierenden Heuristiken, die diese Gestalt erst zu erschließen helfen

In dieser Gemengelage ist natürlich jeder vernünftige Versuch einen Zugang und Überblick zum Gebiet der Soziologe zu geben wichtig. Das besprochene Buch geht dabei recht unkonventionell vor:

Herausgeber und Autor’innen rekonstruieren die „Entwicklung der Soziologie“ (S. 9) zwischen den 1830er- und den 1990er-Jahren, allerdings nicht – wie sonst üblich – entlang bestimmter Paradigmen oder einflussreicher Köpfe. Sie verbinden stattdessen eine disziplingeschichtliche Perspektive mit einführenden Vignetten und folgen dafür soziologischen Erfindungen: In 63 kurzen Texten, die jeweils etwa acht bis neun Seiten lang sind und bis auf eine Ausnahme extra für den Band verfasst wurden, stellen sie zentrale Innovationen vor, die sie der Soziologie als Disziplin zurechnen. 

Das scheint mir ein interessantes Verfahren zum Einstige in das Abenteuer der soziologischen Forschung. Die chronologisch angeordneten Stationen erinnern den Rezensenten an einen tabellarischen Lebenslauf. 

Er beginnt mit August Comtes Bezeichnung der Soziologie als „Soziologie“. Comte suchte dabei vornehmlich nach einer wissenschaftlichen Grundlage für Sozialreformen und meinte, sie in einem Drei-Stadien-Gesetz gesellschaftlicher Wissensproduktion zu finden: von „theologisch“ über „metaphysisch“ hin zu „wissenschaftlich“.

Kritisch wird angemerkt:

Wie alle tabellarischen Lebensläufe ist auch der hier vorgelegte eine verzerrte Gesamtdarstellung. Denn Curricula Vitae listen für gewöhnlich Erfolge und Errungenschaften auf und verschweigen das, was misslungen ist. Der Band von Fleck und Dayé präsentiert daher wenig überraschend eher die ‚helle Seite‘ des Fachs, auch wenn sie mitunter fleckig ist. 

So bleibt die Entwicklung der institutionalisierten Soziologie in Deutschland (aber nicht nur da) zu einer eugenischen „Bevölkerungssoziologie“, die dann den nationalsozialistischen Exklusions-, Expansions- und Vernichtungsdrang einen „wissenschaftlichen“ Rahmen gab, verborgen. Wobei man sicher streiten kann, ob dies als ein Meilenstein zu verstehen ist. 

Angesichts der häufigen Forderung der Wissenschaft zu folgen, ist es sicher wichtig, den historischen Gang gerade der Soziologie und ihrer Folgen selbst zu kennen. Wissenschaftliche Erkenntnis ist nie ganz vollendet, stets vorläufig und ohne letztendliche Gewissheit. Irgendwie menschlich .....

Soziologie - folgen wir der Wissenschaft?

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