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Volk und Wirtschaft

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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piqer: Thomas Wahl
Donnerstag, 01.10.2020

Sich auf Generationsstereoptype zu berufen, ist denkfaul

Was natürlich nicht nur für diese Stereotype gilt. Aber Generationsdynamiken sind wesentliche Faktoren in Gesellschaften und ihren Volkswirtschaften. Vorstellungen über Generationsbeziehungen und Generationsverträge gibt es viele. Die Alten verprassen die Zukunft der Jungen, so die einen. Nein, umgedreht, die Alten schaffen die Grundlagen der Zukunft für die Jugend. Die Jugend sorgt dann für den glücklichen Lebensabend ihrer Vorfahren. Oder auch, in einer dynamischen Wissensgesellschaft hat die Generation der Eltern oder gar der Großeltern sowieso kein Know-how mehr, um mitzureden:

Wer hat das Sagen? Wer kriegt die besten Jobs? Wer kriegt die sichersten Posten? In Zeiten der heftigen Transformation und sich abzeichnender Krisen wird das immer wichtiger. Hinter dem Pathos der Jakobiner von der neuen, gerechteren Welt steckt natürlich auch Selbstgerechtigkeit – und die Gier auf das, was andere haben. Das gilt nicht nur für Sachen und Ressourcen, sondern auch für ihre Voraussetzungen. Wissen und Können sind die Grundlagen des persönlichen wie gesellschaftlichen Wohlstands. Sie machen den Unterschied.

Jeder will natürlich jung sein. Und wir sind ja auch lange gesund und handlungsfähig. Die Illusion von Jugend lässt sich lange pflegen "und der Wohlstand und die gute Versorgungslage helfen dabei, diese Illusion zu nähren, bis das Essen auf Rädern kommt." Letztendlich sind Konflikte vorgezeichnet und müssen auch ausgetragen werden. Es stimmt schon, 

Jugendwahn und Altersstarrsinn sind sich recht ähnlich. Die einen wissen noch nichts, die anderen nichts mehr vom wirklichen Leben, aber die Ursachen dafür haben weniger mit dem Alter zu tun als mit der Art und Weise, wie wir mit Jungen und Alten umgehen. Der Kern des Generationenkonfliktes ist, dass beide Seiten sich nicht ernst nehmen, weil sie nicht ernst genommen werden.

Das Problem: Die Einteilung in Generationen macht Individuen pauschal zu Gruppenmitgliedern mit ähnlichen Eigenschaften. Die "Kohorte" der Digital Natives etwa sieht sich selbst als "Sieger" des Digitalzeitalters. Ist sie doch mit Computern groß geworden – und die anderen glauben das.

Sich auf Generationsstereoptype zu berufen ist denkfaul und überheblich. Man definiert sich so seine Privilegien gegenüber den Vor- und Nachgeborenen, bis die nächste Kohorte nachrückt. Die Feindbilder werden weitergelebt. Und so wird aus Jugendwahn der Altersstarrsinn, ...

Die Logik in der Geschichte war daher, die Jungen reiferen Alters entmachteten die Alten, und wenn die Alten konnten, verheizten sie ihre Nachkommen. Die Revolutionen der Neuzeit scheinen dies noch zu radikalisieren. Doch das Phänomen, dass die Revolution oft ihre Kinder frisst

wird vom Nachwuchs gern unterschätzt. Extremismus führt zu extremen Reaktionen, und wer seinen Generationenkonflikt nach Art des Wohlstandsausschusses einrichtet, wird nicht alt. So geht es allen Jakobinern, denn wer Wind sät, wird auch dann Sturm ernten, wenn er noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist.

Der Artikel kommt zum Schluss – Junge, lernt Geschichte, lernt Ökonomie und rechnen. Es gilt, die Welt realistischer einzuschätzen, den eigenen Platz genauer zu bestimmen. Mit Schuldzuschreibungen kommt man da nicht weit. Auch wenn alles noch viel besser werden kann und muss – man sollte das Gewordene in seinen positiven Aspekten auch wertschätzen. Etwa das wirtschaftliche und materielle Fundament,

das heute zumindest hierzulande besteht – und, ja, an dem die Alten durchaus ihre Verdienste haben: Das BIP lag in Deutschland im Jahr nach der Wiedervereinigung bei 1586 Milliarden Euro, im Jahr 2019 hat es sich auf 3436 Milliarden Euro erhöht. Das ist ein gewaltiger materieller Sprung, aus dem etwas zu machen wäre.

Nicht nur, dass daraus etwas zu machen wäre, nein,  es ist unabdingbar für die Lösung unserer Zukunftsaufgaben. So auch unser Bildungssystem, über das es viel Negatives zu berichten gibt. Aber immerhin beginnen heute 56 % eines Jahrgangs ein Studium. 2002 waren es lediglich 37 %. Eigentlich können alle Generationen gemeinsam optimistisch sein. Leider zeigen Umfragen eher Pessimismus – nur knapp 34 % glauben, dass es künftigen Generationen besser gehen wird, verglichen mit der Situation heute.

Aber vielleicht und hoffentlich ist ja der Konflikt der Generationen vor allem ein "Selbstgespräch der Eliten" und hat mit der Wirklichkeit wenig bis nichts zu tun?

Sich auf Generationsstereoptype zu berufen, ist denkfaul

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Kommentare 3
  1. Hansi Trab
    Hansi Trab · vor 24 Tagen

    "Der Artikel kommt zum Schluß - Junge, lernt Geschichte, lernt Ökonomie und rechnen. Es gilt die Welt realistischer einzuschätzen, den eigenen Platz genauer zu bestimmen."

    Ist das nicht das, was die Jugend schon immer tut? Sie lernt, wird älter, weiser, irgendwann halsstarrig und belehrt die nächste Jugend, die schon in dem Startlöchern steht, alt zu werden... Nur die äußeren Rahmenbedingungen ändern sich. Anlass zur Hoffnung gibt, dass das, was wir den Jungen zum Lernen hinterlassen immer mehr, immer konkreter wird. Ob das zukünftig davor bewahrt, dass die Revolution ihre Kinder frisst? Möglich. Vielleicht aber auch nur intellektuelles Geplänkel.

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 24 Tagen · bearbeitet vor 24 Tagen

      Ja, natürlich lernen zumindest große Teile der Jugend - früher oder später. Ich habe aber den Eindruck, zunehmend glauben viele schon von Anfang an zu wissen, was richtig ist - nämlich das, was sie glauben. War grundsätzlich früher auch nicht anders. Man hatte ein paar Bücher gelesen und ein paar Ideen gehört und los ging es mit der Besserwisserei. Nur wurde man schnell von der realen Welt eingefangen. Es war nur ein kleiner Teil der überhaupt studierte. Heute ist es die Hälfte eines Jahrgangs. Einerseits begrüßenswert, andererseits verschiebt sich der Kontakt mit der Wirklichkeit zeitlich nach hinten. Und in die sozialen Medien.

      Und ist es wirklich so, dass wir immer konkreteres hinterlassen? In den MINT-Fächern mag das sein. Aber da wird es immer unübersichtlicher, breiter. Und die Sozialwissenschaften kommen mir zunehmend vor wie ein wildes Wuchern von Meinungen und Streiten um Dominanz ...... Gut, wir sind eine sehr reiche Gesellschaft. Eine Zeitlang geht das. Aber in Zeiten der Krisen scheint mir wächst die autoritäre Versuchung und der (jakobinische ?) Glaube an die eigene "Allmacht" und die an die Dummheit der alten Säcke.

    2. Hansi Trab
      Hansi Trab · vor 23 Tagen · bearbeitet vor 23 Tagen

      @Thomas Wahl Ach, ich würde schon sagen, dass auch in den Sozialwissenschaften insgesamt ein Lernpfad zu erkennen ist. Er geht sich nur härter, weil halt, bildlich gesprochen, die doxa ständig der episteme zwischen die Beine grätscht. Alle Sozialwissenschaft wird normativ bewertet und dadurch ist dieses Problem tendenziell unlösbar. Aber dass uns ein wesentlich feinmaschigeres Netz an Grundlagenwissen und Analysetools zur Verfügung steht als früher, ist glaube ich unbestreitbar. Dass die Praktiker es nicht (bzw. unzureichend) nutzen und sich lieber streiten (wer die "bessere", "menschlichere", "nützlichere" Interpretation abliefert) steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

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