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Volk und Wirtschaft

Risikokapital – Milliarden für die Dekarbonisierung

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
Zum piqer-Profil
Thomas WahlDonnerstag, 19.08.2021

Ist Kapitalismus die Ursache oder die Lösung für das Klimaproblem? Oder beides? Klar ist, dass die moderne Art der Massenproduktion massiv zum Ausstoß von CO2 beigetragen hat. Bekanntlich hat aber das kapitalistische Wirtschaftssystem auch schon mehrfach die Infrastrukturen sowie die Güterstruktur der Industriestaaten technologisch revolutionär umgestaltet. Etwas, was jetzt wieder notwendiger ist als je zuvor. Auch geht das nur über kapitalintensive und effiziente Güterproduktion. Ein weiteres Merkmal, eine Stärke "des Kapitalismus". Insofern ist der Ausspruch von Vinod Khosla, einem "Venture Capitalist", getätigt 2010, interessant: 

“NERDS WILL invent the future”

Ihm ging es dabei nicht um neue Informationstechnologien, sondern um Technologien gegen die Klimaerwärmung.

… his speech, delivered at the California Institute of Technology (Caltech), was intended to inspire brilliant engineers and scientists to pursue climate-related innovation. The “clean tech” investment bubble had recently popped, so it then seemed an unsexy career option. But if top talent took on the hard engineering challenges involved, he argued, early commercial successes and rising public awareness would produce a “Netscape-like” moment, referring to the web browser which ushered in the consumer internet in the mid-1990s. “Ten years from now,” he predicted, “the level of invention will explode.”

Und so scheint es nun zu kommen, das Kapital beginnt, sich auf die Umgestaltung unserer energetischen Infrastrukturen zu konzentrieren. Das Geld folgt einem neuen Innovationspfad und das auf verschiedenen Wegen, sei es als Venture Capital, durch Vermögensverwalter, über NGOs oder Investmentfirmen. Auch staatliche Gelder fließen, so der Artikel, als Investment in diese Branchen. 

Bloomberg NEF, a research firm, reckons that last year investors poured more than $500bn into the “energy transition” (shorthand for decarbonising everything from energy and transport to industry and farming), twice as much as in 2010 (see chart 1). A slug of that has come in the form of risk-tolerant venture capital (VC) flooding into a range of fields (see chart 2). PwC, a consultancy, estimates that between 2013 and 2020 VC investments in climate tech grew at five times the rate of global startup funding overall. In 2021 these investments may near $60bn in America alone (see chart 3), up from $36bn last year. 

Das trifft sich mit Ergebnissen aus FuE. So schätzt die internationale Energieagentur, dass neue Patente in Bezug auf Kerntechnologien wie Batterien, Wasserstoff, intelligente Netze und CO2-Abscheidung andere Technologien, einschließlich fossiler Brennstoffe, zahlenmäßig weit übertreffen.

Die Frage ist jetzt, endet dieser Boom ähnlich schnell wie der vor 10 Jahren oder entsteht eine neue Blockbuster-Branche, ein anhaltender Wachstumstrend?

The short answer is: quite possibly. The modern climate-tech business looks fitter and more financially sustainable than a decade ago, when VC firms lost over half of the $25bn invested in clean-tech startups between 2006 and 2011. 

Der Druck des Klimawandels wird das Seinige tun. Zunehmend schwenken auch große Konzerne, inklusive Öl-/Gas- und Energieversorger, um. Jenseits ihrer oft plakativen Umweltversprechen, wie z. B. „Netto-Null“-CO2, investieren sie direkt in Klimatechnologien. Laut Energy Monitor, ein Webportal für Clean Tech, überstiegen solche Corporate-Venture-Investitionen zwischen 2017 und 2020 insgesamt die 58-Mrd.-Dollar-Marke. Allein Microsoft hat einen Klimafonds in Höhe von 1 Mrd. US-Dollar aufgelegt.

Its fellow Seattle tech titan, Amazon, has launched one worth $2bn, financed entirely from the company’s balance-sheet. As such, says Matt Peterson of Amazon, its investments need not meet any internal rates of return. “The focus is on decarbonisation, which is a strategic need for Amazon,” he explains. The fund will measure success by seeing how much its investments reduce the company’s carbon footprint. It has backed startups such as CarbonCure, a low-carbon cement company, Redwood Materials, a battery-recycling firm started by J.B. Straubel, formerly Tesla’s chief technology officer, and Zero Avia, a hydrogen fuel-cell aviation firm.

Man hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Man konzentriert sich nicht nur auf die Startgelder, sondern finanziert auch die Wachstumsphasen. Man kooperiert miteinander und bleibt technologieoffener. Das Ziel ist eine technologische Zukunft für die Menschheit, ohne den Wohlstand zu opfern.

Risikokapital – Milliarden für die Dekarbonisierung

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Kommentare 3
  1. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 2 Monaten

    Eine Zusatzinformation:
    "China liegt bei den Investitionen in die Energiewende im weltweiten Vergleich vorne. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis von Daten von BloombergNEF. Deutschland liegt an dritter Stelle des Rankings, hinter den USA. Auf das jeweilige nationale Bruttoinlandsprodukt bezogen liegen allerdings die Niederlande vorne. In den Daten enthalten sind Investitionen in erneuerbare Energien, elektrifizierte Wärme und Verkehr, Energiespeicher, CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) und Wasserstofftechnologien. Die weltweiten Investitionen in die kohlenstoffarme Energiewende belaufen sich auf 501 Milliarden US-Dollar. 2019 lagen sie noch bei 459 Milliarden US-Dollar, 2010 lediglich bei 235 Milliarden US-Dollar. In die Daten eingeflossen sind dabei R&A-Investitionen von Unternehmen und Regierungen, Venture Capital, Private Equity, öffentliche Märkte und Anlagenfinanzierungen. Letztere stellen weltweit den größten Teil der Investitionen dar."

    https://de.statista.co...

  2. Silvio Andrae
    Silvio Andrae · vor 2 Monaten

    Danke für den Economist-Hinweis. Ich bin allerdings skeptisch, was den Schwenk des Risikokapitals anbetrifft. Um die Dekarbonisierung zu bewältigen, mangelt es nicht an Geld. Hiervon gibt es genug. In Zeiten des Finanzkapitalismus geht es um adäquate Verwertungsmöglichkeiten für das Risikokapital. Angesichts des seit Jahrzehnten abflauenden Wirtschaftswachstums wird die Herausforderung für sie immer größer. Der Exit-Horizont des Risikokapitals wird immer kürzer; im Schnitt sind es nur noch zwei Jahre. Die Absicht, auch Wachstumsphasen zu finanzieren, entspricht einfach nicht der Logik des Risikokapitals. Exits über Börsengänge finden überhaupt nicht mehr statt. Die aus den Profitkalkülen der Kapitalgeber resultierende Risiken werden durch den Markt nicht mehr absorbiert. Vielmehr verursacht das Risikokapital Spekulationsdynamiken und eine neue Risikodistribution, die in ökonomischen und sozialen Krisen enden können.

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      Wenn Kalküle nicht mehr funktionieren müssen sie ja geändert werden. Auch in der Vergangenheit hat sich Wirtschaftswachstum in Wellen bewegt (Long Waves). Phasen langsamen Wachstums wurden abgelöst durch solche mit steigendem Wachstum. Getriggert durch grundlegenden technologischen, strukturellen, sozialen Wandel und umgekehrt. Die notwendige Transformation unserer Wirtschaftsweise durch den Klimawandel bedingt/ermöglicht einen solchen Wachstumspfad. Und Kapital war schon immer eine "Lernmaschine" - in der Lage Logiken zu verändern um Geld auf Probleme/Chancen zu bündeln - um zu überleben.

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