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Volk und Wirtschaft

China altert – so schnell wie Deutschland

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
Zum piqer-Profil
Thomas WahlMontag, 17.05.2021
China altert so schnell wie Deutschland. Das hat die jüngst veröffentlichte und alle zehn Jahre erhobene Volkszählung ergeben. Danach 
ist die Einwohnerzahl des bislang bevölkerungsreichsten Landes der Welt im vergangenen Jahrzehnt um 5,4 Prozent auf 1,41 Milliarden gestiegen; jährliche Zahlen hat das Statistikamt nicht veröffentlicht. Das ist die langsamste Steigerung seit den Fünfzigerjahren. Grund dafür ist die weiter sinkende Geburtenrate. Statistisch bekommt eine Frau 1,3 Kinder. 

Damit liegt China auf dem Niveau der weltweit am schnellsten alternden Nationen Japan, Italien und Deutschland. Und die Geburtenrate sinkt wohl weiter. So könnte die Bevölkerungszahl in der Volksrepublik schon Mitte dieses Jahrzehnts ihren Höchststand erreichen haben. Dazu kommt, China hat eben nicht das Wohlstandsniveau dieser Länder erreicht, das dort zumindest in den nächsten Jahren für ausreichend hohe Renten sorgen kann. China altert, bevor die durchschnittlichen privaten Haushalte genügend Vermögen für die Altersvorsorge aufgebaut haben. China wird also alt, bevor es reich ist. Die Folgen werden wohl dramatisch sein. Auch der Aufstieg zur Weltmacht wird sich wahrscheinlich verlangsamen. Führt doch die abrupte Einführung der rigiden Bevölkerungspolitik der Vergangenheit nun dazu, dass auf einen Schlag ein hoher Anteil der Bevölkerung in Rente geht. Während der Anteil der Menschen im erwerbstätigen Alter schrumpft. Was solche Verzerrungen der Bevölkerungspyramide in Richtung Pilzform für Unternehmen auf dem chinesischen Markt zur Folge haben wird, ist relativ klar:
Für eine ganze Weile wird die Gruppe der mittelalten Konsumentinnen und Konsumenten am schnellsten wachsen, deren Kinder bereits aus dem Haus sind ("Working Age Empty Nesters"). Sie gönnen sich gerne etwas – vom kleinen Luxus bis zur großen Reise. Auch die Urbanisierung läuft weiter und erzeugt neue Konsumenten, die in die Mittelklasse vorstoßen. Diese Familien kaufen sich oft ihr erstes besseres Auto und andere Konsumgüter. Der Markt für hochwertige Güter wächst also auf absehbare Zeit weiter. Aber eben nicht unbegrenzt. Die aktuell arbeitende Generation spart zugleich weiter viel Geld. Sie weiß, dass ein Rentenproblem auf die Gesellschaft zukommt. Sie kennt aber nur eine sichere Geldanlage: die eigene Wohnung oder andere Immobilien. Die Blase am Häusermarkt wird sich daher vermutlich weiter ausdehnen. Der potenziell lukrative Markt für Rentenversicherungen wird derweil wohl weiter verschlossen bleiben – außer das Investitionsabkommen zwischen der EU und China (CAI) wirkt hier noch Wunder.
Langfristig wird der Anteil von Menschen im arbeitsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung von drei Vierteln im Jahr 2011 auf gut die Hälfte im Jahr 2050 absinken. Was zum Sinken der volkswirtschaftlichen Produktivität führen wird, die hohen Wachstumsraten des BIP werden nicht zu halten sein. Was auch Auswirkungen im geopolitischen Wettstreit mit den USA (und Europa) haben wird.
Denn während Chinas Bevölkerung schrumpft, werden die USA UN-Angaben zufolge bis 2050 um 15 Prozent wachsen. Ein langsameres Wachstum in der Volksrepublik würde es schwieriger machen, die Vereinigten Staaten wirtschaftlich einzuholen, ....

Und Chinas Zentralbank kommt zu der Einschätzung: "Bildung und technologischer Fortschritt können den Rückgang der Bevölkerung nicht kompensieren." Es bleibt also spannend. Das China, wie wir es heute kennen, das scheinbar vor Kraft kaum noch laufen kann, wird ein anderes sein. Die Frage ist nur, wie seine Politik, seine führende Nomenklatura auf diese offenbar unterschätzte Herausforderung regieren wird. Erwartet werden beispielsweise Diskussionen über die unpopuläre Anhebung des Rentenalters
China hat weltweit eine der niedrigsten Altersgrenzen: Frauen können je nach Beruf mit 50 oder 55 Jahren in Rente gehen - Männer mit 60. Die Regelung stammt noch aus den Anfängen der Volksrepublik, als die Lebenserwartung niedrig war.

Wenn die Vermutung mancher Experten stimmt, dass selbst die neuen Daten das Dilemma noch schön zeichnen, bedeutet dies, Chinas Strategien für Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung und Verteidigung basieren auf falschen Bevölkerungsdaten. Wir werden sehen, ob und wie die Autokratie dies meistert.

China altert – so schnell wie Deutschland

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