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Kopf und Körper

Wer hätte gedacht, dass Jucken so interessant ist?

Theresa Bäuerlein
Journalistin. Autorin. Seit (gefühlt) schon immer.
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Theresa BäuerleinMontag, 23.05.2022

Über diesen Text bin ich bei einer Recherche gestolpert. Er ist aus dem Jahr 2008, aber das Thema ist zeitlos und der Artikel faszinierend: Es geht ums Jucken. Und zwar anhand der irren Geschichte von M., einer Frau Ende 30, die aus Gründen, die ihr Arzt nicht finden kann, ein intensives Juck-Gefühl an einer Stelle ihres Kopfs spürt. Wer denkt, das sei ja nicht so schlimm, liegt falsch. 

Eines Morgens, nachdem sie von ihrem Wecker geweckt worden war, setzte sie sich auf. Auf einmal, erinnert sie sich, "lief diese grünliche Flüssigkeit über mein Gesicht". Sie drückte ein Stück Mull auf ihren Kopf und ging erneut zu ihrer Ärztin. M. zeigte der Ärztin die Flüssigkeit auf dem Verband. Die Ärztin sah sich die Wunde genau an. Sie leuchtete mit einer Lampe darauf und in M.s Augen. Dann verließ sie den Raum und rief einen Krankenwagen. Erst in der Notaufnahme des Massachusetts General Hospital, während die Ärzte in Scharen kamen und einer ihr sagte, sie müsse sofort operiert werden, erfuhr M., was passiert war. Sie hatte sich in der Nacht durch den Schädel gekratzt – und zwar bis in ihr Gehirn.

Wissenschaftler:innen glauben, dass sich Juckreiz und der damit einhergehende Kratzreflex entwickelt haben, um uns vor Insekten und klebenden Pflanzengiften zu schützen. Der Reiz und die Reaktion sind unglaublich fein abgestimmt. Deshalb kann man kann den ganzen Tag einen Hemdkragen am Hals spüren, ohne, dass es stört. Doch ein einziger verirrter Faden, der herausragt, oder auch die dünnen Beine eines Insekts, bringen uns sofort zum Kratzen. 

Wie genau Juckreiz funktioniert, war lange ein Rätsel. 1997 dann gaben Forscher:innen bekannt, dass sie eine Art von Nerv entdeckt hatten, der spezifisch für Juckreiz zuständig war. 

Nun wurden verschiedene Phänomene deutlich. Es stellte sich heraus, dass der Juckreiz tatsächlich untrennbar mit dem Wunsch, sich zu kratzen, verbunden ist. Er kann chemisch (z. B. durch den Speichel, der beim Stich einer Mücke injiziert wird) oder mechanisch (durch die Beine der Mücke, noch bevor sie sticht) ausgelöst werden. Der Juckreiz-Kratz-Reflex aktiviert höhere Ebenen des Gehirns als der Reflex auf Rückenmarksebene, der uns dazu bringt, die Hand von einer Flamme wegzuziehen.

Einige grundlegende Eigenschaften des Juckreizes blieben jedoch unerklärt. Einerseits ist unser Körper mit Rezeptoren für Juckreiz ausgestattet, genau wie mit Rezeptoren für Berührungen, Schmerz und andere Empfindungen. Das alles ist ein ein Alarmsystem, das uns Gefahr warnt.  

 Aber warum juckt eine Feder, die über die Haut gestrichen wird, manchmal und kitzelt ein anderes Mal? (Kitzeln hat eine soziale Komponente: Man kann sich selbst kitzeln, aber nur eine andere Person kann einen kitzeln). Und, was noch rätselhafter ist: Wie kommt es, dass man sich selbst kitzeln kann, nur weil man daran denkt?
Wenn man darüber nachdenkt, wie es ist, den Finger in eine Flamme zu halten, tut der Finger nicht weh. Aber allein der Gedanke an eine Zecke, die einem in den Nacken krabbelt, reicht aus, um mir ein Jucken im Nacken zu verursachen. 

Die Patientin M. übrigens wurde lange mit einer Zwangsstörung fehldiagnostiziert, bis eine engagierte Neurologin eine alternative Erklärung fand: Das ständige Jucken war eine Folge einer Gürtelrose-Infektion, der Juckreiz ließ sich durch Betäubung der Nerven ausschalten. Leider war auch das keine Dauerlösung. M. verbrachte zwei Jahre in einer geschlossenen Abteilung und musste ihre Hände nachts ans Bett fesseln lassen, weil sie im Schlaf das Jucken nicht kontrollieren konnte. Wie es ihr heute geht, ist unklar. 

Wer hätte gedacht, dass Jucken so interessant ist?

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