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Montag, 21.12.2020

Zehn Jahre danach: Was bleibt von der tunesischen Revolution?

Am 17. Dezember 2010 übergoss sich Mohamed Bouazizi in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid vor der Regionalverwaltung, mit Benzin und zündete sich an. Der 26-Jährige hatte dort regelmäßig von einem Karren aus Gemüse und Obst verkauft. Bereits in der Vergangenheit war er verwarnt worden, weil er keine Erlaubnis besaß. Am 17. Dezember hatte eine Polizistin ihm nicht nur seine Ware und die Waage konfisziert, sondern ihn offenbar auch geohrfeigt. Aus Wut und Verzweiflung zündete er sich an.

Diese verzweifelte Tat gilt vielen als der Beginn der tunesischen Revolution. Zehn Jahre später blickt Sarah Mersch zurück und fragt, was von der Revolution geblieben ist. Sie beleuchtet im Text unter anderem die Fragen, was die Vorgeschichte zu der dramatischen Selbstverbrennung war, welche Rolle Facebook bei der Revolution spielte, was der Präsidentenclan heute macht und warum die Begriffe „Jasminrevolution“ und „Arabischer Frühling“ problematisch sind.

Beide Begriffe wurden unmittelbar nach den Umbrüchen von westlichen Medien geprägt. Mit „Jasminrevolution“ wird in der Regel der Umbruch in Tunesien bezeichnet, mit „arabischer Frühling“ die Reihe von Protestbewegungen, die in Tunesien ihren Ursprung nahmen und nach und nach andere Länder der WANA-Region umfasste. Nicht nur in Tunesien sehen viele Akteure diese Ausdrücke kritisch.

Der Begriff „Jasminrevolution“ wurde ursprünglich von Ex-Machthaber Zine El Abidine Ben Ali benutzt, um den Putsch des 7. Novembers 1987 zu bezeichnen. Er konnte sich zwar nie durchsetzen, ist aber durch seinen Ursprung als Bezeichnung für den Übergang von einer Autokratie zu einer anderen negativ besetzt.

„Arabischer Frühling“ umfasst nicht nur eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Entwicklungen in Staaten mit verschiedenen Ausgangsbedingungen. Daher wird er oft als zu vereinheitlichend empfunden, auch wenn die Proteste in ihrer Auflehnung gegen autoritäre Herrschaftsstrukturen Gemeinsamkeiten aufweisen. Darüber hinaus impliziert er eine Zyklushaftigkeit der Entwicklung, so als sei die negative Entwicklung (Herbst / Winter) schon vorgeschrieben. Darüber hinaus wird gerade in ethnisch diverseren Ländern wie Marokko und Algerien, in denen viele Amazigh leben, die Betonung des arabischen als negativ empfunden.Schließlich wird an diesen Begriffen, genauso wie auch zum Beispiel bei dem im Deutschen genutzten „Arabellion“, kritisiert, dass es sich um eine westliche Zuschreibung und nicht um eine Eigenbezeichnung handelt.

Was hat sich für die Tunesier geändert?

Viele, gerade junge Menschen finden: Nicht viel. Der Frust ist entsprechend hoch. Mersch zieht dennoch ein leicht positives Fazit: Die Pressefreiheit in den vergangenen zehn Jahren habe sich massiv verbessert, die verschiedenen Wahlen sind seit 2011 relativ transparent und fair abgelaufen. 

„Die Situation ist weniger stabil als früher. Man weiß nicht, was morgen oder in einer Woche passiert“, so die 28-jährige Englischlehrerin Khaoula Zaghdoudi aus der Provinzstadt Jendouba, die inzwischen in Tunis lebt. „Aber was sich verbessert hat, ist die politische Landschaft: sie ist offener im Vergleich zu früher, als es nur eine Partei, eine Farbe, eine Meinung gab. Jetzt gibt es Pluralität und jeder kann sich die Position aussuchen, die seinen Ideen und der ideologischen Ausrichtung am ehesten entspricht. Jeder kann seine Meinung sagen, ohne Angst vor der politischen Polizei, nicht wie früher als die Wände noch Ohren hatten.“
Andere junge Leute sehen die Entwicklung weniger positiv, so wie der 32-jährige Issam, der sich nach dem alten Regime sehnt. „Hier hat sich zehn Jahre nach der Revolution nichts verbessert, im Gegenteil, das Leben ist teurer geworden.

Die Afrika-Reporter sind Teil des immer größer werdenden Korrespondenten-Netzwerks von RiffReporter. Sie können den Text per Einzelkauf erwerben oder über die RiffReporter-Flatrate lesen.

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