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Technologie und Gesellschaft

Sven Prange
Journalist & mehr
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piqer: Sven Prange
Montag, 10.06.2019

Kann das Elektroauto die Umwelt retten?

Die Versuche, das Auto nachhaltiger zu machen, gingen bisher nach hinten los: Mit dem Diesel wollte die Autoindustrie den Verbrennungsmotor sparsamer machen, verschmutzte aber die Luft noch mehr. Dann sollte Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen Autofahren umweltfreundlicher machen, schuf aber die Konkurrenz von Tank und Teller. Nun soll das E-Auto die individuelle Mobilität retten, indem es Autofahren sauberer macht. Aber tut es das wirklich? Für eine Antwort zeichnen die Autoren die Lieferkette für das Herzstück des Elektrofahrzeugs nach, die Batterie: Man lernt, dass für die Herstellung des Lithiums für eine Batterie 80.000 Liter Wasser in Wüstenregionen benötigt wird, dubiose Händler aktiviert und indigene Völker beraubt werden.

„Ich habe den Eindruck, die Industrie reagiert auf die Frage, woher kommen Ihre Rohstoffe mit: Die werden uns geliefert. Wir wollen nichts davon hören, welche Umweltschäden wir anrichten“, 

fasst der Physiker Harald Lesch das Dilemma zusammen. Der Film erklärt, warum dennoch gerade Politik und Wirtschaft voll auf das E-Auto setzen: Weil es Autofahrern leichter zu verkaufen ist, als Rad- oder Bahnfahren. Weil es Industriestrukturen fast unangetastet lässt. Weil es das Nachdenken über eine Mobilitätsrevolution erspart. Das freilich tut der Film auch und endet, bevor  Alternativen diskutiert werden.

Die wären spannend in Zeiten, in denen ein grüner Ministerpräsident wie Winfried Kretschmann mit seinen SPD- und CSU-Kollegen Stephan Weil und Markus Söder ein Bündnis zur Rettung des (E-)Autos schmiedet und sagt:

„In der Mobilitätswende wird das Auto erst mal noch eine große Rolle spielen.“

Dennoch ist der Film sehenswert. Nicht nur, weil Co-Autor Valentin Thurn, der Doyen der Öko-Filmszene, ein Meister darin ist, seine ZuschauerInnen für oberflächliches Nachhaltigkeitsstreben ein schlechtes Gewissen zu machen, ohne dabei schlechte Laune zu verbreiten. Sondern weil der Film durch starke Figuren das technische Thema emotional präsentiert.

Kann das Elektroauto die Umwelt retten?
7,3
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Kommentare 5
  1. Jörg Haas
    Jörg Haas · Erstellt vor 2 Monaten ·

    Lieber Herr Prange, hier finden Sie eine detaillierte kritische Auseinandersetzung mit dem Beitrag. Er weist ihm zahlreiche gravierende journalistische Fehler nach.
    https://graslutscher.d...
    Ich finde es schade, dass Sie so eine fehlerhafte Dokumentation jetzt auch noch weiter empfehlen.

    1. Sven Prange
      Sven Prange · Erstellt vor 2 Monaten ·

      Lieber Herr Haas, Danke für den Hinweis. Ich finde weniger, dass der Autor des verlinkten Textes den Film auf der Fakten-Ebene in einem Maße vorführt, das den Film unansehbar macht, als eher auf der argumentativen Ebene. Der Autor des Textes hat halt eine andere Perspektive und eine andere Meinung, weil er bestimmte Aspekte anders gesichtet. Was aber schon ein Punkt ist: Ich habe meinen Piq glaub ich nicht differenziert genug angerissen. Ich finde selber ja auch, dass das E-Auto auf jeden Fall ein Fortschritt im Vergleich zum Verbrennungsmotor ist. Mein Punkt ist nur, und deswegen fand ich den Film dann doch hilfreich, dass sich gerade in Deutschland fast alle darauf zu einigen scheinen, dass das E-Auto die Lösung für die Mobilitätsproblemen wäre. Und das ist es nicht. Wenn dafür nun viele öffentliche Förder-Milliarden ausgegeben werden, muss man ja schon fragen dürfen, ob die angesichts des ökologischen Fortschritts, den das E-Auto bringen kann, sinnvoll angelegt sind. Und für diese Debatte finde ich, gibt der Film von Schneider und Thurn einen guten Anstoß. Nicht mehr (was ich hätte deutlicher machen können) und nicht weniger (was ich vielleicht etwas zu deutlich gemacht habe.

    2. Maximilian Rosch
      Maximilian Rosch · Erstellt vor 2 Monaten ·

      Der von Ihnen empfohlene Text wurde gestern auch im Wissenschaft&Forschung-Kanal empfohlen: https://www.piqd.de/wi...

  2. Jörg Haas
    Jörg Haas · Erstellt vor 2 Monaten ·

    ... und das Kretschmann-Zitat findet sich auch nicht in dem von ihnen verlinkten Stück. Woher Sie das jetzt geholt haben bleibt offen.

    1. Maximilian Rosch
      Maximilian Rosch · Erstellt vor 2 Monaten ·

      Wenn es vorher nicht verlinkt war, so ist es das jetzt.

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