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Vier Frauen in Litauen: ansprechend erzähltes, persönliches Feature

Susanne Franzmeyer
Piqer für Radio Features
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Susanne FranzmeyerMittwoch, 16.03.2022

In ihrem Feature "Das Land, in dem es immer regnet – zurück nach Litauen" nimmt die Autorin und Radioproduzentin Jurate Braginaite die Hörerschaft mit in ihre alte Heimat Litauen. Dort spricht sie mit vier Frauen, die sie dort besucht – darunter eine bekannte TV-Komikerin, die nach wie vor in dem Dorf lebt, in dem auch die Autorin aufgewachsen ist. Sie ist nur eine von vier charismatischen Frauen, die hier zu Wort kommen und einen Einblick in ihr Leben, ihre Gedanken und Gefühle geben.

"Meine Oma hat früher gesagt, das Leben zu durchleben, ist mehr, als ein Feld zu überqueren. Ich hab ihr das nicht geglaubt, aber es ist wirklich so. Schau: Ein winziger Erdkrümel rollt hinab, und schon rollst du hinterher – und wie du dir dabei auch noch weh tust!"

Ich selbst hatte nicht viele Bezüge zu den Ländern des Baltikums. Von Litauen wusste ich nicht viel, außer, dass es auch eine sowjetische Vergangenheit hatte. Allerdings hat es mich vor etwa zehn Jahren – noch ehe Litauen zur Eurozone kam, mal für ein paar Tage zu einem Tanzfestival nach Vilnius gezogen. (Bei mir fliegt immer noch ein alter 50-Litas-Geldschein von damals herum, den ich später versäumt hatte, gegen Euro zu tauschen.) Damals war ich schwer beeindruckt, wie nobel und hübsch die Innenstadt von Vilnius aussah, wie nett die Menschen dort waren und vor allem was für irre Profi-Swing-Dance-Nerds es aus aller Welt zu diesem großartigen Festival dort hinzog. Ich wollte unbedingt mal wieder hinfahren.

Da ich mir vorstellen kann, dass es einigen ähnlich geht wie mir, und mir das Feature von Jurate Braginaite in seiner ganzen Umsetzung ausgesprochen gut gefallen hat, möchte ich hiermit herzlich dazu einladen, dem Land hiermit einen kleinen akustischen Besuch abzustatten und – zumindest einige der Bewohnerinnen – persönlich kennenzulernen und ihre Geschichten anzuhören.

"'Ich erinnere mich, wie wir heimlich Weihnachten gefeiert haben, weil es ein verbotenes religiöses Fest war. Offiziell gab es nur Silvester. Meine Mutter hat am 16. Februar Geburtstag und das ist der Tag der litauischen Unabhängigkeit. Sie konnte während der sowjetischen Zeit nie ihren Geburtstag feiern.' – Die Feier hätte als eine verdeckte Unabhängigkeitsfeier gedeutet werden können. Und ihre Mutter dementsprechend als eine politische Aktivistin gegen das sowjetische Regime."

Es ist spannend, den Frauen zuzuhören, und auch die Sprache und akustische Erzählweise der Autorin, die auch selbst Regie geführt hat, ist sehr sympathisch und ansprechend. Der Originalton steht meistens länger frei und wird nicht sofort von einer Voice-Over-Stimme überdeckt. Das rückt die hier Porträtierten noch näher an die Hörerschaft heran.

"Es gibt große Unterschiede zwischen den Generationen. Meine Mutter sagt zum Beispiel heute noch: Freu dich nicht zu früh - denn du weißt nicht, was morgen kommt. Aus der Zeit kommt das Misstrauen anderen Menschen gegenüber, und auch die Sparsamkeit: Wir werfen nichts weg, wir heben alles für später auf. - Warum sollen wir nicht aus dem schönen Geschirr essen, hier und jetzt - wir leben doch nur einmal? Warum sollen wir uns nicht freuen? - Nein, du musst vorsichtig sein, denn du weißt nicht, was morgen kommt! Ja, es gab die Verbannung und die Spionage, den Verrat. All das gab es. Und diese Ungewissheit und Angst lebt in der alten Generation fort."

Litauen grenzt neben Polen an Lettland, Belarus und die Oblast Kaliningrad der Russischen Föderation. Es ist Mitglied der Eurozone und der NATO. Ich denke, es ist gut und wichtig, die Länder und Menschen in der EU näher kennenzulernen. Und es ist schade, dass erst der Krieg in der Ukraine scheinbar ein wirklich enges Zusammenrücken in Europa flächendeckend und auch wirklich für alle Europäer spürbar gemacht hat. Es gibt jedenfalls noch sehr viel Spannendes zu entdecken – so wie hier in diesem Feature.

"Ich möchte einen Text über Hände schreiben. Das sind die Glieder, mit denen du die Welt begreifen kannst. Sie bewegen sich durch die Welt. Und wie vielen Händen begegnet man im Leben? Die Hände meiner Großmutter: Misshandelte, entstellte Finger. Ich hab als Kind gedacht, dass meine Oma in Wirklichkeit eine Hexe ist. Ich wusste nicht, dass die sowjetische Miliz ihr die Finger ausgerenkt hatte. Sie wollte nicht zeigen, wo ihr 18-jähriger Sohn sich im Wald versteckte, weil er nicht in die Sowjetarmee wollte."

Also – einfach mal Reinhören in die Welt dieser litauischen Frauen. Vielleicht geht ja die nächste Reise mal dorthin.

Vier Frauen in Litauen: ansprechend erzähltes, persönliches Feature

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