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Kopf und Körper

Häusliche Gewalt gegen Pflegebedürftige

Susanne Franzmeyer
Piqer für Radio Features
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Susanne FranzmeyerMontag, 26.07.2021

Das Feature von Günter Beyer "Ich bin doch kein Täter", in dem es um Gewalt pflegender Angehöriger gegen die Pflegebedürftigen geht, hat es in sich.

"Sie phantasiert ganz schön, dass ich als Tochter eben für sie jetzt da bin. Obwohl ich oft gesagt habe, wenn ich wütend war, Mama, ich bin nicht dein Kindermädchen, 24 Stunden, ich muss auch mal rausgehen können. Du kannst mich nicht immer nur rufen, ich hab auch noch ein kleines Eigenleben."

Langjährige Pflegende kommen hier zu Wort, die sich viele Jahre sorgsam aufgeopfert haben und "funktionierten", z. B. Michael K., der jahrelang seine Mutter pflegte, die dement wurde. Er machte alles mit, pendelte von Berlin nach Bremen, blieb dann vor Ort und kümmerte sich, als das Pendeln nicht mehr ging. Er war früher mal Jazzpianist, später Aufnahmeleiter beim Fernsehen, und schließlich auf Hartz IV angewiesen. Vieles nahm er hin, erduldete alles, die Beleidigungen, die Wünsche, denen er nachgehen wollte, um sich später vorwerfen zu lassen, was er "Arschloch" denn da mache.

"Der Kranke hat immer recht", so lehrt man es Pflegenden vorab. Aber bei einer permanenten Belastung brennen immer mal wieder bei pflegenden Angehörigen die Sicherungen durch. Wenn dann noch bestimmte alte Konflikte getriggert werden und wieder hochkommen, können die Pflegenden, die eigentlich Gesunden, ihre Gefühle manchmal nicht kontrollieren. Sie haben mit Wut und Aggressionen zu kämpfen.

'Ich pflege gern', sagt Gabriele Z., aber manchmal steigt eine irre Wut in ihr auf. Dann könnte sie explodieren. (...) 'Und dann habe ich ihr die Decke über den Kopf geworfen und hab gesagt, so, jetzt schlaf endlich! Ich möchte auch schlafen!'

Die Gewalt kommt oft schleichend. Nicht immer ist sie physischer Natur. Das Spektrum reicht von Nichtversorgung bis zu psychischer Gewalt durch Drohungen oder Entwertungen der pflegebedürftigen Person.

Michael K. beschloss eines Morgens nach einer durchzechten Nacht: "Beenden wir das jetzt mal." Und drückte seiner Mutter ein Kissen aufs Gesicht, bis sie erstickte. Es folgte ein missglückter Selbstmordversuch. Doch die Blutungen an den Pulsadern stoppten von selbst. Für seine Tat musste er sieben Jahre ins Gefängnis. Doch er sieht sich nicht als Täter, möchte über die Geschehnisse noch einmal sprechen, die er eher eine "Verzweiflungstat" nennt.

Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen zu Hause gepflegt. 80% der Pflegenden sind Frauen.

"Der Einschnitt ins gewohnte Leben ist radikal. Nicht jeder, der eine Pflege übernimmt, ist sich der Tragweite bewusst. Viele kommen damit nicht klar. (...) Die durchschnittliche Pflegezeit beträgt in Deutschland 10 Jahre. Das heißt, die pflegenden Angehörigen können sich oft gar nicht auf das vorbereiten, was auf sie zukommt. Wir haben in der Beratung Ehefrauen, die pflegen seit 17 Jahren, Töchter, die pflegen 12, 13 Jahre, das heißt, das sind so riesige Zeitfenster, die wirklich manche Herausforderung bereit halten, auf die man sich nicht einstellen kann."

Ab und zu liest man dann Meldungen über Gewalt gegen Pflegebedürftige in der Zeitung. Doch in den wenigsten Fällen dringt sie ans Tageslicht.

Erschreckend. Ehrlich. Informativ. Eine Empfehlung insbesondere für Menschen, die planen, eine ähnliche Herausforderung anzunehmen.

Häusliche Gewalt gegen Pflegebedürftige

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