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Medien und Gesellschaft

Wie und warum deutsche Medien gendern – oder auch nicht

Simon Hurtz
Journalist, Dozent, SZ, Social Media Watchblog

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Simon HurtzFreitag, 09.07.2021

Mein letzter piq begann so: "Wenige Themen werden hier auf piqd so kontrovers diskutiert wie das Gendersternchen." 20 Kommentare zeigen, dass diese These nicht ganz abwegig war.

Da sich piqd auch als Debattenplattform versteht und das Thema nicht nur hier, sondern in fast allen Medien und sozialen Netzwerken starke Reaktionen auslöst, greife ich es erneut auf. Jenni Zylka und Steffen Grimberg haben deutschen Medien die moderne Version der Gretchenfrage gestellt: "Nun sag', wie hast du's mit der Genderform?"

Die Bandbreite der Antworten ist so groß wie das politische Spektrum. Die linke taz gendert bereits seit Mitte der 80er-Jahre, die Pressestelle der FAZ teilt dagegen mit, dass sich "das aus der Sprachgeschichte entwickelte Muster, die männliche Form zu nennen, immer zugleich auf alle Geschlechter" beziehe. Deshalb gendere man "weder akustisch (mit kurzen Pausen) noch schriftlich (also nicht 'Lkw-Fahrende' oder durch Formen wie Genderstern, Doppelpunkt etc.)".

Ausgesprochen salomonisch handhabt es die ZEIT. Dort ist "eine kreative Form der gendergerechten Sprache erwünscht und erlaubt, aber nicht verpflichtend", heißt es in der Leitlinie aus dem vergangenen April. Den Autorïnnen stehe es frei, "kreative Lösungen zu finden, die die gewohnte Schönheit und Lesbarkeit unserer Texte nicht beeinträchtigen. Es muss auch gar nicht oder nicht an jeder denkbaren Stelle gegendert werden. Dies wird zu einer gewissen Uneinheitlichkeit der Texte führen, die wir akzeptieren."

Beim Spiegel gelten bereits seit anderthalb Jahren ähnliche Regeln: "Das generische Maskulinum soll nicht mehr Standard sein. Alle streben an, in ihren Texten beide Geschlechter abzubilden. (…) Oft lassen sich Sätze so formulieren, dass gar keine Wörter vorkommen, die eindeutig Männer oder Frauen bezeichnen." Derzeit arbeitet der Spiegel an einer neuen Richtlinie für gendergerechte Sprache.

Der Text geht über Print- und Online-Medien hinaus, unter anderem tauchen auch die dpa, ARD und ZDF sowie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband auf. Denn inklusive Sprache soll zwar alle einschließen, schließt aber manche aus:

Für eine potentiell als gendergerecht empfundene Schriftsprache sollte jedoch – neben Geschmacksvorlieben – auch Barrierefreiheit eine Rolle spielen. So ist der Doppelpunkt eine Methode, die zumindest von einigen Screenreadern oder Computersystemen für Blinde und Sehbehinderte mit jenem "Glottisschlag" vorgelesen werden kann, der in der gesprochenen Sprache eh genutzt wird. Andere Satzzeichen werden oft einfach ausgesprochen. Und so radebrecht die monotone Computerstimme der Barrierefreiheit dann unschön "LehrerSternchenInnen".
Wie und warum deutsche Medien gendern – oder auch nicht

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Kommentare 2
  1. Joel Meyer
    Joel Meyer · vor 2 Monaten

    Ein interessanter Überblick, der zeigt, wie unterschiedlich das Gendern im Medienalltag gehandhabt wird und wie schwer sich sprachliche Phänomene "durchregeln" lassen. Kurz vor Ende des Textes ein Appell an die Befürworter und Kritiker des Genderns, den jeweils anderen mehr Raum zu geben und "Großmut" zu zeigen. Ein schöner Gedanke. Und unglaublich, was dann folgt: zwei Schlussgedanken nämlich, die das soeben Angemahnte ad absurdum führen. Plötzlich werden die Gendersprachkritiker als "Nöler" diffamiert, der Genderstern bekommt das Attribut "hübsch" umgehängt, und als wäre das nicht genug, schließt sich juppheidi noch eine moralische Erpressung an. So also geht Großmut. Mich widert solche Doppelzüngigkeit an; jede Bereitschaft, dem Gendern etwas abzugewinnen, wird mir durch solche Manöver ausgetrieben.

    1. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 2 Monaten

      ja, die letzten 2 Sätze könnte man so verstehen wie Sie. Allerdings hatte ich gottseidank den Text gelesen bevor ich Ihren Kommentar las und kann somit meinen ersten Eindruck unbeeinflusst mitteilen :- ). bei mir waren die 2 Sätze nach dem allgemeinen Fazit die nachgeschobene Meinung der Autorin - was sie also wählen würde...

      und Ihre Bereitschaft zum Gendern sollte sich wirklich nicht von der für Sie beleidigend rüber gekommenen Position eines anderen einschränken lassen.
      Seien Sie doch "großmütig" - gerade falls die Autorin das nicht verkörperte.

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