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Medien und Gesellschaft

Simon Hurtz
SZ-Journalist, Bildblogger, Vielleser

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piqer: Simon Hurtz
Montag, 10.06.2019

Die NYT behauptet, Google verdiene Milliarden mit der Arbeit von Verlagen. Die Studie ist Unfug

Sobald es um ihre eigenen Interessen geht, vergessen manche Verlage, dass Journalismus auf Fakten beruhen sollte. Stattdessen verbreiten sie Propaganda. Die Lobbykampagne für das Leistungsschutzrecht hat eindrücklich gezeigt, wie schamlos sie dabei lügen (mehr dazu in diesem piq).

Das gilt nicht nur für deutsche Verleger – selbst die New York Times (NYT) missachtet journalistische Grundprinzipien. Die renommierteste Zeitung der Welt verbreitet eine Studie, aus der angeblich hervorgeht, dass Google im vergangenen Jahr 4,7 Milliarden Dollar mit Inhalten von Online-Medien verdient habe.

Diese Studie ist hanebüchen. Sie beruht auf einer mehr als zehn Jahre alten, höchst fragwürdig hochgerechneten Zahl. Die Methodik ist grober Unfug. Dahinter steckt die News Media Alliance, also ein Verlegerband, der die Interessen von etwa 2000 US-Medien vertritt.

Die NYT verbreitet ausschließlich die PR der eigenen Branche. Offenbar hat sie nicht mal bei Google angefragt, wie Jeff Jarvis herausgefunden hat:

I contacted Google PR, who said The Times did not reach out to the person who normally speaks on these matters or anyone in the company’s Washington office.

Jarvis dekonstruiert die Studie und die einseitige, unjournalistische Berichterstattung der NYT. Die Digitalisierung bedroht das Geschäftsmodell vieler Verlage, aber es ist zu einfach, Tech-Konzerne dafür verantwortlich zu machen. Im Gegensatz zur Medienbranche haben Google und Facebook verstanden, wie sich im Netz Geld verdienen lässt. Deshalb sind sie aber nicht für die Probleme der Verlage verantwortlich:

The real problem here is news publishers’ dogged refusal to understand how the internet has changed their world, throwing the paradigm they understood into the grinder. In the US and Europe, they still contend that Google is taking their "content", as if quoting and linking to their sites is like a camera stealing their soul.

Ich würde den Text gern übersetzen, ausdrucken und zur Pflichtlektüre für deutsche Verleger machen.

Die NYT behauptet, Google verdiene Milliarden mit der Arbeit von Verlagen. Die Studie ist Unfug
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Kommentare 1
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · Erstellt vor etwa einem Monat · Bearbeitet vor etwa einem Monat

    Der NYT-Text ist nichts weniger als ein Skandal. Man kann nicht seriöserweise Trump für seine Lügen schelten und selbst - ausgerechnet bei einem Text der das eigene Geschäft betrifft - so massiv schlampen, bzw. im schlimmsten Fall bewusst Meinungen manipulieren.
    So sehr ich einzelne JournalistInnen schätze, die Verlagsseite der Häuser ist auf einem gefährlichen Kurs. Viel zu oft, kann man beim besten Willen nicht mehr verteidigen, welche perfiden Machtspiele hier unter dem Deckmantel der "vierten Gewalt" ausgefochten werden.
    Eine Kritik allerdings auch Richtung Jeff Jarvis: Er hat eine kindlich-naive Vorstellung vom Markt. Die Macht der Plattformen beruht nicht schlicht darauf, dass sie die besseren Produkte bauen, sondern am "unlevel playing field". Sie unterlagen weder nennenswerter kartellrechtlicher Kontrolle, noch mussten sie sich an strenge medienrechtliche Vorgaben halten. Sie hatten daher schlicht ganz massive Wettbewerbsvorteile und haben sie immer noch.
    Was mich in meinem Rant-Dreischritt zum letzten Punkt bringt: Aufgabe der Politik wäre es gewesen, einerseits die hanebüchenen Gesetzesvorhaben der Verlage abzuwehren und andererseits die Plattformen im Sinne der NutzerInnen, im Sinne einer funktionierenden Demokratie und im Sinne eines fairen Wettbewerbs mit Wumms zu regulieren.

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