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Medien und Gesellschaft

Als Medien in Kiel aus einem Gerücht einen Amoklauf machten

Simon Hurtz
Journalist, Dozent, SZ, Social Media Watchblog

Mag es, gute Geschichten zu erzählen.
Mag es, gute Geschichten zu lesen.
Mag es, gute Geschichten zu teilen. Das tut er hier.
Mag es gar nicht, in der dritten Person über sich zu schreiben.

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Simon HurtzSamstag, 22.05.2021

Am Mittwoch sind in Kiel und in der nahegelegenen Gemeinde Dänischenhagen drei Menschen gestorben. Sie wurden offenbar getötet, es soll sich um eine "Beziehungstat" handeln. Der mutmaßliche Täter war zunächst flüchtig und stellte sich am Mittwochabend der Polizei.

Für einige Stunden war die Lage sehr unübersichtlich. Anwohner hatten Schüsse gehört, niemand wusste, wo sich der Täter aufhielt. Gerüchte von einem Amoklauf machten die Runde, in sozialen Medien wurde wild spekuliert. Die klassischen Medien dagegen kamen ihrer Verantwortung nach: Sie erinnerten sich an ihre Rolle als Gatekeeper, überprüften Informationen und taten alles, um keine Panik entstehen zu lassen ...

Leider nein:

Hier aber lief einiges schief. Insbesondere die Kieler Nachrichten (KN), die einzige Tageszeitung am Ort, werden – teilweise heftig – für ihre Berichterstattung kritisiert. Dabei geht es nicht nur um Gerüchte, die verbreitet wurden und sich später als falsch erwiesen, sondern auch um die Frage, ob Beiträge zu so einem Fall online hinter einer Paywall stehen sollten.

Boris Rosenkranz hat für Übermedien rekonstruiert, wie KN, andere Medien und auch die Stadt Kiel auf unrühmliche Art dazu beigetragen haben, dass die Gerüchte noch mehr Menschen erreichten und aus Spekulationen vermeintlich bestätigte Fakten wurden.

Das Minutenprotokoll ist auch ohne Übermedien-Abo lesbar, deshalb will ich es nicht nacherzählen. Insbesondere die letzten Absätze sind spannend. Die KN haben ihren Live-Blog, den sie nach der Tat starteten, hinter eine Paywall gestellt. Das widerspricht dem Versprechen, das die Zeitung selbst gab, als sie das Abomodell KN+ vorstellte:

Auch bei Ereignissen und Vorkommnissen, die die Bevölkerung gefährden könnten (Bombenräumung, Straftäter auf der Flucht, Terroranschlag), werden die Texte frei verfügbar bleiben.

Dieses Vorgehen wurde von Leserïnnen unter anderem auf Facebook heftig kritisiert. Die KN reagierten – aber nicht, indem sie den Live-Blog für alle freigaben, sondern "die wichtigsten Informationen kostenlos" in einem zusätzlichen Artikel veröffentlichten. Boris fragt sich zu Recht:

Fraglich ist ohnehin, wie wertvoll dieser "Live-Blog" ist, in dem Meldungen verbreitet werden, die erst für weitere Unruhe sorgen und sich dann als falsch erweisen, wo Polizei-Tweets einfach eingebunden werden und Einträge auftauchen wie: "Anwohnerin ist schockiert" oder "Noch immer kreisen Polizeihubschrauber über Dänischenhagen". Lohnt sich dafür ein Abo?

Es ist leider nicht das erste Mal, dass Medien bei einer unübersichtlichen Lage genau das Gegenteil von dem machen, was man von ihnen erwarten darf. Statt den Spekulationen in sozialen Medien mit Ruhe und Recherche zu begegnen, beteiligen sie sich am Raunen und geben weiter, was irgendwo irgendjemand zu sehen oder hören geglaubt hat.

"Get it first" ist schön und gut – "but get it fucking right!"

Als Medien in Kiel aus einem Gerücht einen Amoklauf machten

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