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Der Markt für ausländische Pflegefachkräfte ist brutal

Silke Jäger
Freie Journalistin und Texterin für Gesundheitsinfos

Ich lebe in Marburg und schreibe über Gesundheit, eHealth, Gesundheitspolitik und den Brexit. Für: Krautreporter, Gute Pillen – Schlechte Pillen und RiffReporter. Non-Profit-Projekt: Podcast http://evidenzgeschichten.podigee.io/

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Silke JägerDonnerstag, 26.11.2020

Nicht nur Deutschland sucht händeringend nach mehr Pflegepersonal – auf der ganzen Welt fehlen medizinische Fachkräfte. Einige Vermittlungsagenturen für ausländische Pflegefachkräfte nutzen diese Notlage aus, die Politik lässt sie weitgehend gewähren. correctiv erzählt die Geschichte von zwei Frauen, die den Versprechungen von Agenturen Glauben schenkten und in Deutschland auf sich allein gestellt waren. Die Vermittlungsagenturen versuchten, das Risiko auf sie abzuwälzen. Vor allem das finanzielle Risiko.

Aber auch Krankenhäuser selbst und die von Bundesgesundheitsminister Spahn ins Leben gerufene Deutsche Fachkräfteagentur DeFa machen keine gute Figur. Zu wenig, zu zaghaft sei die Unterstützung für die Fachkräfte durch die DeFa und zu hoch die bürokratischen Hürden. Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen hatten sich eine bessere Organisation gewünscht.

Das trägt dazu bei, dass Vermittlungsagenturen gut zu tun haben. Waren es vor 2012 noch 500 Anträge auf Anerkennung einer ausländischen Pflegeausbildung, sind es heute mehr als 12.000. Der Text stellt fest: Der Anerkennungsprozess dauert sehr lange und der Markt für Vermittlungen ist kaum reguliert.

So berichten Pflegefachkräfte von Knebelverträgen, in denen sie sich verpflichten sollen, die Kosten der Anwerbung zurückzuzahlen, wenn sie nicht fünf Jahre im Unternehmen bleiben.

Christiane Brors, Professorin für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht an der Universität Oldenburg sieht diese Klausel als unwirksam. Und sie geht noch weiter: „Das ist moderne Schuldknechtschaft. Wie soll ein Arbeitnehmer, der vielleicht etwas mehr als Mindestlohn verdient, solche Summen zurückzahlen?“

Der Text endet mit einer Ursachenanalyse und konstruktiven Vorschlägen.

„Alle, die herkommen wollen, um hier in der Pflege zu arbeiten sind herzlich willkommen, aber die gezielte Abwerbung ist falsch. Im Grundsatz muss Deutschland in der Lage sein, die Fachkräfte, die es benötigt, aus der eigenen Bevölkerung zu gewinnen, auszubilden und im Beruf zu halten“, sagt Pia Zimmermann, Bundestagsabgeordnete der Linken und Mitglied im Gesundheitsausschuss des Parlaments. „Die Gründe, warum das bislang nicht gelingt, sind hausgemacht und seit mehr als zehn Jahren hinlänglich bekannt.“

Der Markt für ausländische Pflegefachkräfte ist brutal

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Kommentare 6
  1. Gabriele Feile
    Gabriele Feile · vor 11 Monaten

    Danke für diesen piq. Ich hatte Schmerzen beim Lesen. Nicht nur, dass die Methoden der Vermittlungs-Agenturen an die von Schleppern erinnern, auch die Tatsache, dass weltweit offensichtlich nicht genügend Fokus auf diesen lebenswichtigen Bereich unserer Gesellschaft gelegt wird, macht mich wütend und irgendwie hilflos. Es kann keine Lösung sein, Menschen wie Ware über den Globus zu verschicken und damit möglichst viel Geld zu verdienen. Das ist für alle Branchen unethisch. Doch für die Gesundheitsbranche und alle Berufe, die für uns Menschen lebensnotwendig sind, ist es ein Skandal.

    Warum sind wir bereit, für Maschinen- oder Computerarbeit so viel mehr Geld auszugeben als für Menschenarbeit? Weshalb gelten Care-Berufe als "minderwertig", obwohl sie für jeden von uns "hochwertig" werden, wenn wir in eine Situation kommen, in der wir selbst hilflos sind? Was stimmt nicht mit uns Menschen, dass wir uns selbst anscheinend für so "wertlos" halten, dass Arbeit mit und für uns persönlich nicht attraktiv und "wertvoll" ist?

  2. Jürgen Klute
    Jürgen Klute · vor 11 Monaten · bearbeitet vor 11 Monaten

    Gut, Silke, dass du den Artikel hier empfiehlst. Zum einen könnte die BRD sich im Umgang mit Krankenhaus- und Pflegepersonal viel Gutes in Belgien abschauen. Die Situation in der BRD ist politisch verursacht. In Belgien wurden aufgrund der Corona-Krise Gehälter erhöht, aber auch zusätzlich Stellen eingerichtet, um das Personal von dem bestehenden hohen Arbeitsdruck zu entlasten. Geklatscht wurde in Belgien während des ersten Lookdown auch. Aber es wurde eben nicht nur geklatscht, sondern dem folgten auch andere Maßnahmen zugungsten der Pflegekräfte. Und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte kommt selbstverständlich auch den zu Pflegenden zugute.

    Zum anderen haben sich die Banken im Fall der kolumbianischen Pflegerin, die in diesem Jahr in Hamburg ein Jobangebot angenommen hatte, skandalös. Seit 2016 gilt die EU-Zahlungskontenrichtlinie (für die ich als Berichterstatter im EP verantwortlich war). Sie garantiert jedem legal in der EU lebenden Menschen einen Rechtsanspruch auf ein Bankkonto. Die Verweigerung der Hamburger Banken, der kolumbianischen Pflegerin ein Gehaltskonto einzurichten, ist ein eindeutiger Rechtsbruchs seitens der Banken. Das ist einfach ein Skandal. Deshalb merke ich das hier ausdrücklich an.

    1. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 11 Monaten

      Danke für deine sehr interessanten und wichtigen Ergänzungen. Man stellt sich das so einfach vor mit den Konten. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es schon als EU-Bürgerin in einem einem anderen EU-Staat sein kann, ein Konto zu eröffnen. Die Banken sind da in einer Machtposition, die sich auch daraus ergibt, das vermutlich kaum jemand von dieser Richtlinie weiß ... Wenn man mithilfe einer Vermittlungsagentur ins Ausland geht, sollte doch zumindest die darüber aufklären ...

    2. Jürgen Klute
      Jürgen Klute · vor 11 Monaten

      @Silke Jäger Dabei haben wir ganz bewusst in die Zahlungskontenrichtlinie hinein geschrieben, dass die Banken und auch die EU-Mitgliedsländer breit über das Recht auf ein (Basis-)Konto informieren müssen. Sie tun es aber nur ungern oder meist gar nicht.

    3. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 11 Monaten

      @Jürgen Klute Warum ist das so? Hast du dafür eine Erklärung?

    4. Jürgen Klute
      Jürgen Klute · vor 11 Monaten

      @Silke Jäger Na ja, die deutschen Geldinstitute haben lieber freiwillige Regelungen (die gab es vor der Zahlungskontenrichtlinie und wurden nie umgesetzt). Zumindest die Bundesregierung setzt auch lieber auf Freiwilligkeit (dann spart man sich die Kontrolle der Umsetzung von Regeln). Und zumindest in der Bundesrepublik hat die Politik wenig Interesse an Bürger*inneninteressen. Vorrangiges Ziel der Bundesregierung ist stets, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Und das heißt eben vor allem, die Produktionskosten möglichst niedrig zu halten, um den Export zu fördern. Angeblich kosten Basiskonten mehr Geld als man mit ihnen verdienen kann. Das haben mir viele Bankenvertreterinnen während der Verhandlung der Richtlinie immer wieder vorgejammert. Im EP konnten die Banken damals nicht so gut landen mit ihrem Gejammere. Aber Berlin ist das viel empathischer gegenüber Lobbyisten. Deshalb kontrolliert die BaFin ja auch nicht sonderlich streng (wie ja im Fall WireCard offensichtlich wurde). Das wäre meine Einschätzung zu der Frage, weshalb das so ist.

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