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Technologie und Gesellschaft

Jonathan Haidt über Instagrams Mental-Health-Problem

René Walter
Grafik-Designer, Blogger, Memetiker | goodinternet.space

Irgendwas mit Medien seit 1996, Typograph, Grafiker, Blogger. Ask me anything.

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René WalterSonntag, 28.11.2021

Jonathan Haidt ist einer der weltweit führenden Sozialpsychologen und beschäftigt sich seit einigen Jahren mit den Auswirkungen von Social Media auf die Psyche von Heranwachsenden. Er war einer der ersten, der die steigenden Zahlen von Mental-Health-Problemen unter Jugendlichen mit Social Media in Zusammenhang brachte und auf ein wissenschaftliches Fundament stellte.

Im Atlantic erneuert er nun seine Vorwürfe an Facebook/Meta/Instagram, nachdem Kritik an seiner Arbeit laut wurde und von Tech-Journalisten auf eine Reihe von Studien aus Oxford hingewiesen wurde, die keinen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Social Media und Mental-Health-Problemen finden wollen.

Ich habe die Studien aus Oxford bereits vor einer Weile gelesen und kann Haidt in seinem Fazit dazu nur unterstützen: Die Arbeiten von Professor Andrew Przybylski beschäftigen sich in außerordentlich umfangreichen Umfragen unter Hunderttausenden Teenagern vor allem mit den Auswirkungen von Screen Time, unter der nicht nur die Nutzung von Social Media subsummiert wurde, sondern auch TV, Gaming oder Streamingdienste.

Das Problem dabei ist, dass diese quantitativen Untersuchungen keine Aussage über die qualitativen Wirkungen machen können.

The most widely cited of these studies, published in 2019, analyzed 355,000 teens across three large data sets from the U.S. and U.K. The authors found only a tiny correlation—no larger than the correlation of bad mental health with self-reports of “eating potatoes.” Facebook cites this research in its defense.

But here’s the problem with these studies: Most lump all screen-based activities together (including those that are harmless, such as watching movies or texting with friends), and most lump boys and girls together. Such studies cannot be used to evaluate the more specific hypothesis that Instagram is harmful to girls. It’s like trying to prove that Saturn has rings when all you have is a dozen blurry photos of the entire night sky.

Ich persönlich halte soziale Medien in diesem Kontext für ein psycho-mediales Konstrukt, das eine ähnliche Wirkung entfaltet, wie psychoaktive Drogen. Soziale Medien manipulieren unsere Dopamin- und Oxytocin-Haushalte durch die Gamifizierung parasozialer Verbindungen und eine Regulation muss diese Wirkungen angemessen berücksichtigen.

Jonathan Haidt über Instagrams Mental-Health-Problem

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Kommentare 7
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 2 Monaten

    soziale Medien müssen nicht so aufgebaut sein (=wie Drogen); das waren sie ja auch früher nicht. und gamefication ist nicht per se schlecht. Die Masse machts und der Kontext.

    1. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      Ich frage mich hin und wieder, ob die Sozialen Medien das Problem sind oder wir Menschen, die sie benutzen.
      Diese Plattformen triggern natürlich sehr vieles in Menschen, je nachdem, wie diese gerade ticken. Und Teenager sind sicherlich besonders empfänglich, wenn es z.B. um den Vergleich mit anderen geht. Die Macher:innen der Plattformen sind ja bekannter Weise diejenigen, die genau diese Mechanismen kennen und ausnutzen - und besonders monetär profitieren.
      Es ist so eine Art Henne/Ei-Problem und so richtig erkenne ich keinen Ausweg. Denn auch vor der Epoche von Facebook und Co. haben wir Menschen schon so getickt, diese Medien machen es halt viel sichtbarer.

    2. René Walter
      René Walter · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      @Gabriele Feile Cornelia meinte ja bereits: "Die Masse machts". Ja klar ticken Teenager so, den Popularitätswettberwerb auf dem Schulhof gab es schon lange vor Facebook.

      Aber die Plattformen haben diesen Contest und die ganzen angeschlossenen Phänomene globalisiert und auf Engagement optimiert.

      Das Problem ist nicht so sehr, dass Soziale Medien das Problem sichtbar machen - dazu muss man sich nur auf einen Schulhof stellen oder selbst jung gewesen sein. Das Problem ist, dass Soziale Medien das Problem skalieren und einer Masse aussetzen, die vor dem Internet so schlicht nicht existierte.

      Das Problem ist soziale Gravitation durch soziale Masse, die erst durch soziale Technologien geschaffen wurde.

      Eine Lösung dafür habe ich nicht. Ich schätze, wir werden schlichtweg ein paar Jahrzehnte brauchen, um uns den neuen sozialen Bedingungen anzupassen und die extremsten Konsequenzen wegzuregulieren.

    3. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 2 Monaten

      @René Walter Vor allem der Suchtfaktor daran ist sehr problematisch, weil die Suchtpatient:innen sehr jung sind im Vergleich zu anderen Süchten. Da eine Voraussetzung für Therapie darin besteht, dass die Patient:innen Therapie wollen, ist die Falle perfekt. Wie soll es denn ganz praktisch gelingen, den suchtauslösenden Trigger zu reduzieren, wenn er gleichzeitig ein Element von sozialen Real-Life-Bindungen geworden ist? Ich sehe im Umfeld meiner Kinder im Prinzip lauter Suchtgemeinschaften, in denen sich die Mitglieder gegenseitig in der Sucht halten. Wie soll Abstinenz gelingen, die ja immer noch ein wesentlicher Faktor bei der Behandlung von Süchten ist? Wir können ja nicht die Teenager systematisch vereinzeln. Das erhöht den Drang nach dem medialen Kontaktversuch immer nur weiter.
      Es sehe mich da als Mutter von 2 Teenagern in einem Dilemma. Ich kann wählen zwischen der für die Eltern-Kind-Bindung ungesunden übermäßigen Kontrolle und einem für die psychische Gesundheit der Jugendlichen ungesunden Mangel an Kontrolle. Klar, der Rat heißt: attraktive Alternativen schaffen. Aber der ist ab einem bestimmten Alter halt weltfremd. Als Eltern kann man dann nur noch zusehen. Oder wie?

    4. René Walter
      René Walter · vor 2 Monaten

      @Silke Jäger Ich denke, solange das Umfeld und die Beziehungen ansonsten funktionieren, sind auch Soziale Medien relativ untoxisch.

      Zwar wirken auch dann Phänomene wie verzerrte Selbstbeobachtung und die Oberflächlichkeit parasozialer Kontakte, aber man sollte Kids in dieser Hinsicht auch vertrauen, dass sie ihre soziale Welt selbst psychologisch regulieren können.

      Viel mehr kann man an dieser Stelle nicht tun, denke ich.

    5. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 2 Monaten

      @René Walter Ich stimme dir zu: viel mehr kann man wohl kaum tun, als den Kids zu vertrauen. Schwierig wird es immer dann, wenn man ungute Entwicklungen sieht und sich fragt, wie man am besten gegensteuert.

    6. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 2 Monaten

      @Silke Jäger ...ich habe ja auch einen doppelten Feldversuch laufen zu Hause und bin selber auch noch nicht so lange "geheilt". Tatsächlich ist es ab dem Moment, wo wir als Eltern das Regulieren aufgegeben haben und uns vor allem selber mit in die Kritik gestellt haben besser geworden. Da waren sie so 16 und 14. Seit dem kann man immerhin mit ihnen reden darüber ab und an, sie sehen das Thema und die Große will sogar ihre Abschlussarbeit dazu schreiben (habe ihr diesen piq schon geschickt). Und ja - wenn man in der glücklichen Lage ist ein sicheres Umfeld und entsprechende Ansprache bieten zu können, dann bleibt der Schaden vermutlich überschaubar.

      Tatsächlich würde ich die Betrachtung etwas weiter fassen, als nur auf "Saturns Ringe" - die totale, mediale Verfügbarkeit auf immer etlichen Frequenzen hat auch abseits social media ein toxisches Potential. Einfach die Masse der Ablenkungen und die Verkürzung der Aufmerksamkeitsspannen. "Social" ist da sicher der Schwerpunkt bei jüngeren Menschen, aber das geht schon darüber hinaus.

      Gut, dass das Thema aber mEn endlich offener und häufiger diskutiert wird und Kritik und Warnung nicht mehr so pauschal niedergeschrien werden von den twitter fanboys.

      Danke für den coolen piq René.

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