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Technologie und Gesellschaft

Die psychologischen Folgen von Facebooks Content-Moderation

René Walter
Grafik-Designer, Blogger, Memetiker | goodinternet.space

Irgendwas mit Medien seit 1996, Typograph, Grafiker, Blogger. Ask me anything.

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René WalterDienstag, 17.09.2019

Nachdem The Verge bereits Anfang des Jahres über die katastrophalen Folgen der Content-Moderation für Facebooks Mitarbeiter berichtete, hat nun der Guardian mit Moderatoren aus dem Berliner Team gesprochen. Die tägliche Konfrontation mit Hunderten Gewaltdarstellungen, sexuellem Missbrauch und hasserfüllter Sprache macht die Mitarbeiter auch hier paranoid und hat Auswirkung auf ihre politische Haltung.

Ich frage mich derzeit immer häufiger, ob das Internet als solches verloren ist und ab welchem Punkt man das „größte soziale Experiment der Menschheit“ als gescheitert und als Gefährdung der Öffentlichkeit abbrechen muss. Mich interessiert, wie viel der Bösartigkeit durch das Medium selbst ausgelöst wird. „People are bastards“, schon klar. Aber welche Rolle spielt der Wettbewerb um Aufmerksamkeit dabei? Wie sehr steigert Sichtbarkeit die ausgestellte Bösartigkeit? Und welche Arten der menschlichen Bösartigkeit genau?

FB muss massiv mehr Moderatoren einstellen, es handelt sich dabei um den derzeit wichtigsten Job der Welt und diese Arbeit wird völlig falsch bewertet, da das Prinzip der Arbeitsteilung nicht korrekt eingeschätzt wird. Es handelt sich nicht um „Content“-Moderatoren, sondern um „Violent-Shit“-Moderatoren. Es sind Sicherheitskräfte, die nur im gemeldeten „Notfall“ eingreifen. Die überprüfen nicht „Inhalte“, sondern lediglich „gemeldete Inhalte“, der Anteil der Gewalt ist also ungleich höher. Ergo die psychologischen Folgen. Deshalb sind Content-Moderatoren viel eher das Äquivalent zu Gefängnis-Wärtern oder Wärtern in Psychiatrien. Diese Arbeit braucht entsprechende arbeitsrechtliche Regulation, entsprechende Ausbildungs-Vorraussetzungen sowie eine angemessene Bezahlung und die Arbeiter müssen durch massive Mehreinstellungen psychologisch entlastet werden. Pronto.

Die psychologischen Folgen von Facebooks Content-Moderation

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Kommentare 5
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor mehr als 2 Jahre

    Ich wundere mich auch sehr darüber, warum immer noch jede/r ausgelacht wird der/die das Verbot von Facebook fordert. Wenn man gesellschaftlichen Nutzen neben gesellschaftlichen Schaden stellt, kann man zumindest in diesem einen Fall eigentlich zu keinem anderen Urteil kommen. Das ganze Internet abzuschalten ist dann aber selbst mir etwas zu radikal:)

    1. René Walter
      René Walter · vor mehr als 2 Jahre · bearbeitet vor mehr als 2 Jahre

      Ich fürchte, ein Verbot Facebooks bringt nüscht. Tribalisierung und Konformismus sind Phänomene massenhafter Vernetzung, egal ob auf Facebook oder im offenen Internet. Daneben wird oft übersehen, dass FB ja eben nicht ein Walled Garden ist, sondern sich geschickt in dieses offene Netz eingefräst hat, eben über Like-Buttons und so weiter. Das ist kein Phänomen einzelner Plattformen.

      Ob die freiwillige Balkanisierung durch „Black Forrest“-Internet und „Dark Social“-Räume etwas bringt ist ebenfalls zweifelhaft, ideologisch zeigen diese Vernetzungsformen anscheinend starke Zeichen der Radikalisierung, wie man in den geschlossenen rechten Gruppen, aber auch in den Micro-Commuities einer extrem radikalen, extrem jungen Linken auf Instragram sieht.

      Wir erleben schlichtweg nach 20 Jahren die Schattenseiten der elektronischen Vernetzung und die linksliberale Mehrheit ist dem bislang nicht gewachsen, auch weil sie die Augen vor ihrer eigenen Gefangenheit in genau denselben Mechanismen verschließt.

      Der digitale Traum ist ausgeträumt.

    2. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor mehr als 2 Jahre

      @René Walter Hm, leider gute Punkte. Bah! Und jetzt?

    3. René Walter
      René Walter · vor mehr als 2 Jahre

      @Frederik Fischer Radikale Transparenz in diesen Dingen, grade bei und von Aktivisten, die sind doch ganz vorne dabei, die wissen doch selber, dass da was faul ist. Viel mehr Publizität für die Forschung in diesem Bereich, nicht mehr nur wenns in die eigene Agenda passt. Mehr Selbstkritik. Und so weiter.

    4. René Walter
      René Walter · vor mehr als 2 Jahre

      @René Walter Viel mehr Druck auf Plattformen für mehr und besser bezahlte Content-Moderation, spezielles psychologisches Training für Mitarbeiter, Aktualisierung des Arbeitsrechts für „Telemedienmitarbeiter“ oder so. Moderation nicht weiter externalisieren. In diesem Sinne auch Gewerkschaftsarbeit fördern und auch die auf den neuesten Stand bringen, die haben von PTSD für Content Moderatoren auch noch nie gehört.

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