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Wissenschaft und Forschung

Paul Boes
Doktorand theoretische Physik
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piqer: Paul Boes
Mittwoch, 03.04.2019

Erst kommt das Wachstum, dann die Götter.

Cliodynamik, das ist eine etwas obskure, wissenschaftliche Disziplin, die irgendwo zwischen Geschichtswissenschaft, Makrosoziologie und Ökonometrie sitzt. Ihr Ziel ist es, grob formuliert, Hypothesen zur Dynamik von Zivilisationen zu testen, etwa deren Auf- und Abstieg, ihre Entwicklungsstufen, und so weiter. Und zwar will man das nicht für einzelne Zivilisationen tun, sondern im Fokus stehen genau diejenigen Aspekte, die sie alle gemeinsam haben. 

Manchem wird die Sinnhaftigkeit eines solchen Unterfangens fraglich erscheinen, aus mehreren Gründen: Etwa, weil man meint, dass die wirklich hilfreichen Einsichten immer spezifisch zur einzelnen Zivilisation sind; oder, weil man meint, dass es solche gemeinsamen Aspekte gar nicht gibt; oder, ganz praktisch, weil es einfach nicht genug archäologische Daten für das Formulieren akkurater Aussagen gibt.  

Ein kürzlich erschienener Artikel von Cliodynamikern im renommierten Journal Nature will nun den letzten beiden dieser drei Vorbehalte den Wind aus den Segeln nehmen. In dem Artikel "Complex societies precede moralizing gods throughout world history" steht drin, was drauf steht: Das Team von Forschern aus Instituten in sechs Ländern präsentiert Ergebnisse, denen zufolge in Staaten (meine ungelenke Übersetzung für den Fachbegriff polity) Gottheiten oder übernatürliche Entitäten, die moralisches Fehlverhalten bestrafen, sich historisch immer erst dann etabliert haben, als diese Staaten in ihrer Entwicklung eine gewisse soziale Komplexität überschritten haben (typischerweise bei einer Bevölkerung von etwa einer Million).  Die Forscher möchten damit eine offene Frage beantworten, nämlich ob Staaten erst dann groß und komplex werden können, wenn solche Gottheiten bereits existieren, oder ob sich letztere erst im Zuge dieses Wachstums entwickeln (und dann die Grundlage bilden für kooperatives Verhalten in einer Gesellschaft, in der Familie und ähnlich kleine soziale Zellen diese Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen können). Ihr Ergebnis bringt nun die erste dieser beiden Kausalketten in empirische Bedrängnis und leistet damit einen interessanten und wissenschaftlich relevanten Beitrag, obwohl es natürlich völlig offen lässt, wie genau sich solche Gottheiten von Fall zu Fall entwickelt haben.

Die Daten, auf deren Basis die Forscher diese Frage untersucht haben, sind das Ergebnis von Experten-Befragungen und reichen über einen Zeitraum von 10000 Jahren, 30 verschiedenen Regionen, 414 Staaten und basieren auf 51 Maßen für soziale Komplexität und 4 Maßen für "supernatural enforcement of morality". Neben den interessanten Ergebnissen wirft damit die schiere Größe dieses Datensatzes auch spannende methodologische Fragen auf. 

Während die eigentliche Publikation hinter der akademischen Paywall sitzt, verlinkt der piq auf den Blogeintrag eines der Autoren, der die Inhalte laiengerecht diskutiert und zusammenfasst.

Erst kommt das Wachstum, dann die Götter.
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