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Klima und Wandel

Unaufhaltsam: Ein weiterer Beleg für Grönlands Super-Schmelze

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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Nick ReimerDonnerstag, 10.11.2022

Erneut korrigiert eine Studie die Dramatik auf der größten Insel der Welt nach oben: Im Nordosten Grönlands könnte der Eisverlust bis zum Ende des Jahrhunderts sechsmal größer sein als bisher angenommen. Dies geht aus einer Kombination von GPS- und Satellitendaten hervor, die eine weitreichende Verstärkung des Eisflusses sowie Ausdünnungen im nordöstlichen Bereich des Eisschilds der Insel in jüngster Vergangenheit dokumentieren. Eine Verstärkung, die von den Klimamodellen nicht vorausberechnet wurde.

Klingt trocken, ist aber lebensgefährlich für Menschen in Bremen, Rostock oder Emden: Ist die Studie evident, wird der nordostgrönländische Eisstrom bis zum Jahr 2100 sechsmal so stark zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen wie in früheren Modellen angenommen.

Die Veränderung auf Grönland ist bereits dramatisch, der bis zu 3.300 Meter hohe Gletscher verlor im vergangenen Jahr 110-mal so viel Eis, wie sich Wasser im Bodensee befindet. Das Problem: Dieses Gletschereis schmilzt immer schneller, und weil es in der Spitze 3.100 Meter hoch ist, gilt das als ein Kipppunkt: Von oben schmilzt der Gletscher nach unten in immer wärmere Temperaturschichten, was das Schmelzen beschleunigt und unaufhaltsam macht. Ist der Prozess einmal ausgelöst, steigt der weltweite Meeresspiegel um sieben Meter an. Emden liegt einen Meter hoch.


Für die neue Studie haben die Wissenschaftler von 2016 bis 2019 Daten über GPS-Stationen gesammelt, die bis zu 200 Kilometer weit ins Landesinnere des nordostgrönländischen Eisstroms reichen. Diese Informationen kombinierten sie mit Höhendaten der Satellitenmission CryoSat-2. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für Modellsimulationen, die die Prozesse im Eisschild beleuchten und die weitere Entwicklung projizieren. Co-Autor Mathieu Morlighem vom Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, eine der ältesten Universitäten in den USA:

"Wir waren in der Lage, subtile Geschwindigkeitsänderungen festzustellen, die uns letztlich in Verbindung mit einem Modell des Eisflusses Aufschluss darüber geben, wie der Gletscher auf seinem Bett gleitet."

Offenbar schneller als bislang angenommen. Im Sommer hatte ein Forschungsergebnis für Aufsehen gesorgt. Olaf Eisen, Professor für Glaziologie am Alfred-Wegener-Institut AWI, interpretierte damals: "Das Neue an der Studie: Die Kollegen haben nicht mit Klimamodellen in die Zukunft geschaut, sondern nachgemessen, was sich in den letzten zehn Jahren auf Grönland abgespielt hat." Und daraus eine neue Zukunftsprognose entwickelt: Demnach schmilzt der Eispanzer doppelt so schnell wie bislang angenommen. Arbeiten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hatten davor schon nahegelegt, dass die steigenden Temperaturen die Destabilisierung zentral-westlicher Gebiete des Grönlandeispanzers bereits begonnen habe. Nicht nur das: Selbst wenn die Menschheit sofort aufhöre, Kohle, Öl und Gas zu verbrennen, der grönländische Eisschild würde trotzdem weiter schmelzen und in den kommenden Jahrzehnten 110 Billionen Tonnen Eis verlieren. Allein durch Grönland, berechnet die Studie, wird der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um durchschnittlich mindestens 78 Zentimeter steigen. Der Weltklimarat hatte diesen Beitrag bislang ungefähr für alle schmelzenden Gletscher der Welt angenommen.
Unaufhaltsam: Ein weiterer Beleg für Grönlands Super-Schmelze

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