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"Ein Prachtexemplar des alten weißen Mannes"

Leopold Ploner
Lebt am Ammersee, hat also von vornherein einen recht entspannten Blick auf die Welt.

Elektronikingenieur, Marketing, Werbetexter, Verleger, Blogger.

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Leopold PlonerMittwoch, 10.03.2021

Ein alter weißer Mann wie ich stört sich an dem Begriff "alter weißer Mann". Ich sehe schon das spöttische Lächeln, aber lasst mich erst einmal erklären, was mich daran stört. Ausgangspunkt ist der Piq "Holger fragt Niggemeier, was Ulf Poschardt an Don Alphonso liebt" von Jan Freitag. Darin bezeichnet er den "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt als "ein Prachtexemplar des alten weißen Mannes mit Trump-Habitus und rotem Porsche."

Den Begriff "Prachtexemplar" würden wir in anderem Zusammenhang wohl kaum verwenden. Wollen wir es mal probieren?

Ein Prachtexemplar eines athletischen jungen Farbigen

Ein Prachtexemplar eines türkischen Kopftuchmädchens

Ein Prachtexemplar eines geschäftstüchtigen jüdischen Bankiers

Ein Prachtexemplar einer rassigen Zigeunerin

Ich merke, wie sich meine Finger sträuben, selbst wenn ich diese Sätze nur probeweise in die Tastatur tippe. Warum sträubt sich etwas in mir? Ich glaube, das hat zwei verschiedene Gründe.

Erstens will ich niemand unbeabsichtigt beleidigen oder herabsetzen. Der Begriff vom athletischen Farbigen mag ja gut gemeint sein, aber Betroffene sehen es vielleicht als demütigende Reduzierung auf ein Klischee. Dieser Aspekt spielt in dem Piq von Jan Freitag keine Rolle. Von unbeabsichtigt kann hier keine Rede sein. Der Begriff wird ja in klarer Absicht abwertend verwendet, was ich völlig in Ordnung finde.

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum ich das "Prachtexemplar" vermeide. Wie viele andere auch, habe ich in der Debatte um Stereotype gelernt, dass das Denken in solchen Kategorien meine eigene Wahrnehmung einengt. Wenn ich das Klischee vom jüdischen Bankier oder von der rassigen Zigeunerin im Kopf habe, dann verstellt mir das den Blick auf das Individuum. Ich sehe nicht mehr den Menschen mit seinen ganz spezifischen Eigenheiten, seinen Stärken und Fehlern, sondern einen schablonenhaften Prototyp. Dieser reduzierte Blick macht mein Weltbild enger und ärmer.

Das gilt auch für den "alten weißen Mann". Ich kann Ulf Poschardt von Herzen unsympathisch finden, aber eben als Ulf Poschardt und nicht als Exemplar einer Gattung.

"Ein Prachtexemplar des alten weißen Mannes"

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Kommentare 17
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 9 Monaten

    ok Prachtexemplar in diesen Zusammenhang ist beleidigend. aber: dass Sie bei 'alter weißer Mann' ausgerechnet als erstes rassistische Assoziationen haben, passt halt in die Argumentationskette von Don Alphonso* und Konsorten - von wegen wir armen alten weißen Männer werden diskriminiert...
    1. kann die mächtigere Gruppe nicht diskriminiert werden (=es gibt keinen Rassismus gegen Weiße und keinen Sexismus gegen Männer).
    2. sollte man immer in sich kritisch hineinhorchen wenn man meint man müsste jemanden wie Porchardt verteidigen.

    *Der Name ist wohl auch schon Programm? Ein Herr ein Don - südländisch. Klischee des weißen alten Mafioso. .. und sich dann beleidigt fühlen ?

    1. Leopold Ploner
      Leopold Ploner · vor 9 Monaten

      Ja, stimmt: Wenn Menschen nach Geschlecht, Alter und Hautfarbe kategorisiert werden, dann löst das bei mir eine Assoziation zu Rassismus aus.
      Ich verstehe jetzt nicht, wo in meinem Piq die Stelle sein soll, wo ich Porchardt verteidige. Es ging mir darum, was dieses reden und denken in Stereotypen mit uns selbst macht: "Ich sehe nicht mehr den Menschen mit seinen ganz spezifischen Eigenheiten, seinen Stärken und Fehlern, sondern einen schablonenhaften Prototyp. Dieser reduzierte Blick macht mein Weltbild enger und ärmer."

    2. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 9 Monaten

      @Leopold Ploner nein. selbstverständlich haben Sie Porchardt nicht verteidigt. mir fiel nur Ihre Assoziationskette auf.

    3. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 9 Monaten

      Ich wußte gar nicht, dass alle weißen Männer eine Gruppe bilden? Früher waren ja die Linken der Meinung, auch weiße Männer würden ausgebeutet und unterdrückt. Und ich glaube nicht, dass ein rumänischer Gastarbeiter in Deutschlands Fleischfabriken sich als privilegierter Weißer versteht.

      Ihr habt euch da ein sehr geschlossenes Weltbild zusammengebastelt. Alle weißen Männer bilden eine mächtige Menge, einzelne können deswegen gar nicht falsch beschuldigt/behandelt werden. Auf auf zum fröhlichen Jagen ....

    4. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 9 Monaten

      @Thomas Wahl Der rumänische Gastarbeiter ist ja gerade nicht "ein weißer alter Mann" - als people of Colour etc. Zumindest in dieser Kategorisierung... und es geht eben nicht um alle "weißen alten Männer" - sondern um die Position. und diese Privilegierten beuten aus - u.a. auch andere weiße Männer (die allerdings durch ihr Mann- und Weiß-Sein ein paar Privilegien mit ihnen gemein haben). Aber danke für das Beispiel. für einige bzw. Je nach kontext ist ein Rumäne eben weiß oder poc. Für den Attentäter von Halle war die Rumänin anscheinend 'farbig' genug :-( .
      Anschließend: ich verstehe dass viele 'alte weiße Männer' sich angegriffen fühlen, gerade wenn sie sich in ihrem Leben gerade nicht sonderlich privilegiert fühlen; niemand gesteht sich gern ein dass ggfs. man ohne Verdienst bevorzugt wird.
      und ja, viele 'Vertreter°innen der tatsächlich eher linken antirassistischen und feministischen Position*' neigen dazu, bei dieser ersten aufklärerischen und provokanten Attitüde stehen zu bleiben. Allerdings verständlich - entweder kommt man vor lauter entgegenschlagenden Empörung gar nicht dazu oder man selbst sieht nur noch die einem selbst verwehrten Vorrechte :-) und hat kein Verständnis für das (scheinbare oder echte) Mimmimi der Bevorzugten.
      nochmal konkret: alle alten weißen Männer besitzen einen Satz an Privilegien (die ihnen oft nicht bewusst sind). Einige alte weißen Männer setzen diese Privilegien bewusst ein, zusammen mit weiteren Privilegien. Alle weißen Frauen besitzen auch zumindest ein Privileg: das 'Weißsein' (je nach Kultur und Gesellschaft übrigens).
      Alle Männer ob 'weiß' oder poc besitzen ein Privileg - das 'Mannsein' (auch nach kontext).
      Diese verschiedenen Privilegien (und Diskriminierungsformen) muss man dich erstmal bewusst machen, damit leben und ändern was es wert ist.
      Habe ich deutlich machen können, dass nicht alle weißen alten Männer der "Feind" sind? Ich hoffe es.

      *fand keine einheitliche Gruppenbezeichnung

    5. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 9 Monaten · bearbeitet vor 9 Monaten

      @Cornelia Gliem Wer entscheidet denn nun, wer ein wirklich privilegierter "alter weißer Mann" ist, der ohne Verdienst bevorzugt wurde und wer nicht? Das ist doch alles sehr unscharf, konstruiert und spekulativ. Wenn ein Ausbeuter gemeint ist, dann kann man doch auch Kapitalist sagen. Da versteht man sofort was gemeint ist und die Hautfarbe spielt auch keine Rolle. Die meisten Ausbeuter und viele "Bevorzugte" in dieser Welt sind wahrscheinlich gar nicht weiß. Und so kann man nicht je nach Kontext jeden zum "alten weißen. Mann" machen. Schließlich sind die arabischen Scheichs viel bevorzugter als wir europäischen alten Säcke.

    6. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 9 Monaten

      @Thomas Wahl arabische Scheichs sind je nach Kontext sicher "weiß", wenn sie ohne Geld zu uns kommen sind sie schnell 'farbige' Flüchtlinge.
      Sie selbst sehen sich übrigens auf jeden Fall als weiß an. Auch waren ihre Vorfahren u.a. auch Sklavenhalter.
      Ob nun Reichtum das eigentliche Kriterium ist?
      hm. Klassismus spielt sicher eine große Rolle.
      Allerdings auch der Gedanke wer "was verdient", wer überhaupt die Chancen dazu bekommt.
      Hier verschränten sich Privilegien- und Diskriminierungsformen. und ein griffiges Bild u.a. ist eben der weiße alte Mann....

    7. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 9 Monaten · bearbeitet vor 9 Monaten

      @Cornelia Gliem Ich weiß nicht. Der Strom der Geschichte der Menschheit ist ja voll von solchen Gruppenkonstruktionen Gut/Böse, schuldig/weniger schuldig, richtig/falsch, mächtig/ohnmächtig usw. usw.. Die Juden, die Gläubigen/Ungläubigen, die Barbaren/die Kulturvölker, die Wissenden/Unwissenden, die mit dem richtigen Erbgut/die Degenerierten usw. usw.

      All diese unterkomplexen Weltbetrachtungen haben nichts Gutes bewirkt. Und nun kommt mit dem "alten weißen Mann" ein "neues" Denkraster, eine zusätzliche Arabeske hinzu. Ein griffiges (Feind)Bild mehr. Je nach gewählten Kontext .....

      Das mit den Chancen ist natürlich schwierig. Sie werden nicht global "vergeben". Sie müssen letztendlich erarbeitet und ergriffen werden. Ob in den arabischen oder in den afrikanischen Staaten, ob in Korea oder in Asien überhaupt.

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 9 Monaten · bearbeitet vor 9 Monaten

    ich weiß nicht, aber übersiehst du da nicht was? Nämlich dass der "alte weiße Mann" ja nicht einen an Jahren älteren, hellhäutigen, männlichen Menschen meint, sondern einen Vertreter einer auf mehreren relevanten Achsen privilegierten Gruppe, der es nicht schafft oder nicht will, sich diese Privilegien einzugestehen und anderen Raum zu geben, sondern anstatt dessen beharrt und machtvoll, offensiv und unempathisch auftritt. Das ist sozusagen ein Stereotyp als Stilmittel und Jan sagt, dass P. diesem Stereotyp besonders eindrücklich entspricht.
    So verstehe ich das jedenfalls.

    1. Leopold Ploner
      Leopold Ploner · vor 9 Monaten

      Hm, gib es da ein Beispiel, wo alter weißer Mann "nicht einen an Jahren älteren, hellhäutigen, männlichen Menschen" bezeichnet?

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 9 Monaten

      @Leopold Ploner ist ja nicht derPunkt würde ich sagen...sondern, dass es eben nicht um Alter und Hautfarbe geht, sondern um eine Geisteshaltung.

    3. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 9 Monaten

      @Leopold Ploner Amthor (nicht alt). Bolsonaro oder Xi Jinping, auch Salman Al Saud (aus europäischer Sicht nicht weiß).
      ein beispiel für diese Denke mit einer Frau könnte man zwar finden (weil Diskriminierungsformen oft internalisiert wird), aber so sehr Weißsein kontextabhängig sein kann, Frausein zumindest in den meisten 'modernen' Gesellschaften nicht.

    4. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 9 Monaten

      Der Don sieht sich ja durchaus als privilegiert und spielt damit, alle Pawlowschen Reflexe seiner Gegner zu aktivieren. Die auch prompt immer wieder darauf anspringen. Als ob es nicht wichtigeres gäbe ...

    5. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 9 Monaten

      @Thomas Wahl bei mir seit Jahren gesperrt und blockiert auf twitter...

    6. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 9 Monaten

      @Marcus von Jordan Ich blockiere Twitter insgesamt .... ;-)

    7. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 9 Monaten

      @Thomas Wahl okay - ja er spielt damit und ja, man sollte nicht darauf eingehen - wie bei einem trotzigen Kind das provozieren will - allerdings wäre das 1. herablassend ihn als Kind zu bezeichnen und 2. man kann nicht alle Provokation stehen lassen, weil viele ihn ernst nehmen und iCh zudem das Gefühl habe dass er längst angefangen hat sich selbst zu glauben. .. und: wichtigeres? Wenn es doch ach so unwichtig ist: wieso reden wir hier so intensiv darüber? :-)

    8. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 9 Monaten

      @Cornelia Gliem Ich glaube nicht, das er wie ein trotziges Kind agiert. Dazu ist er m.E. zu intelligent. Er beherrscht sein Handwerk. Es ist ja auch nicht verkehrt zu schreiben, woran man glaubt. Ich nehme mal an, dass seine politischen Gegner das auch tun? Anders kann doch Demokratie nicht funktionieren. Aber auf seine Reflexe sollte man selbst achten. Fällt mir allerdings oft ebenfalls schwer ....

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