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"Der Dschihadist" – Jolani im Interview mit einem US-Journalisten

Lars Hauch
Researcher. Schwerpunkte: Mittlerer Osten, insbesondere Syrien.
Zum piqer-Profil
Lars HauchDonnerstag, 17.06.2021

Erstmalig hat Abu Mohammad al-Jolani einen amerikanischen Journalisten empfangen und ihm ein Interview gegeben. Lange Zeit hielt Jolani seine Identität geheim, sein Gesicht war nie zu sehen.

Jolani ist der Anführer von Hayat Tahrir al-Sham (HTS), einer dschihadistischen Bewegung, die den Krieg in Syrien maßgeblich prägt. Jolani war einst eine hochrangige Figur des Islamischen Staates (IS) im Irak, zu Zeiten, als der IS noch ein Teil al-Kaidas war. Zu Beginn des Krieges in Syrien wurde Jolani, selbst Syrer, dann in sein Heimatland geschickt, um einen IS-Ableger zu etablieren. Das tat er erfolgreich. Doch dem IS wollte er sich nicht unterordnen. Es kam zum Zerwürfnis. HTS und der IS kämpften erbittert gegeneinander, der IS löste sich von al-Kaida. 

HTS blieb mit al-Kaida verbündet. Bis zum Sommer 2016. Da löste sich auch Jolanis HTS von der Mutterorganisation. Ein Jahr später eskortierten Kämpfer von HTS die türkische Armee in den Nordwesten Syriens, wo die Türkei eine sogenannte Deeskalationszone absteckte und fortan verteidigen sollte.

Dschihadisten, die türkischen Soldaten die Hand schütteln? Unvorstellbar für Hardliner. Aber Jolani zeigte sich stets pragmatisch, wenn es um Macht ging. Er sah die Zukunft von HTS in Syriens Nordwesten. Dort ging er Bündnisse mit lokalen Rebellengruppen ein. Wer sich widersetzte, wurde angegriffen. 

Heute, 2021, kontrolliert HTS die Region Idlib. HTS hat eine zivile Regierung eingesetzt und tut viel, um den Anschein von so etwas wie guter Regierungsführung zu erwecken. Teilweise tut sie das erfolgreich. Wenn man mit Menschen in Idlib spricht, sagen sie oft: "Wir hassen HTS, aber sie sorgen zumindest für Sicherheit". 

HTS steht dennoch weiterhin auf der Terrorliste der UN. Und das gefällt Jolani gar nicht. Zuletzt sprach er mit ForscherInnen mit Reichweite in westlichen Kreisen, westliche Regierungen lehnen Dialog nach wie vor ab. Doch genau den will Jolani offenbar. Seine Botschaft: Der Westen hat nichts von uns zu befürchten.

Nun hat Jolani den amerikanischen Journalisten Martin Smith nach Idlib eingeladen. Jolani, ein intelligenter Stratege, inszeniert sich staatsmännisch und gleichzeitig bescheiden. 

Auf die Frage, wie er zu 9/11 steht, antwortet Jolani: Er habe sich über die Nachricht gefreut, weil die muslimische Welt unter der Tyrannei der USA gelitten habe. Er unterstütze solche Aktionen dennoch nicht. Und es sei falsch, dass unschuldige Zivilisten getötet wurden.

Jolani betont, dass die christlichen Dörfer in Idlib unter dem Schutz seiner Bewegung stünden. Das islamische Recht sehe vor, dass Christen ihrem Glauben nachgehen dürfen, wie sie möchten. 

Folter in HTS-Gefängnissen? Solche Vorwürfe seien frei erfunden. 

Nach Veröffentlichung des Interviews veröffentlichte der US Journalist Bilal Abdul Kareem ein Video, in dem er erklärte, tagtäglich Folter gehört zu haben. Bilal hat HTS seit Jahren als Journalist begleitet, bis er jüngst selbst in das Visier der Bewegung geriet. Mehrere Monate befand er sich in Haft. Er selbst sei nicht gefoltert worden, aber er habe die Folter in den Zellen um ihn herum gehört. Nachdem Bilal sich mit scharfer Kritik an Jolani an die Öffentlichkeit gewandt hat, ist er aus Idlib geflohen.

Das Interview ist lesenswert, weil es zeigt, welches Image Jolani von sich selbst und HTS im Westen etablieren will. Die Zukunft Idlibs und seiner über drei Millionen BewohnerInnen ist unmittelbar mit der Zukunft von HTS verknüpft. 

Und nicht nur die Zukunft Idlibs: HTS ist eine extremistische Bewegung, die systematisch liberale KritikerInnen vertrieben und ermordet hat. HTS' Dominanz ist ein entscheidendes Argument seitens des Assad-Regimes und Russlands für die Behauptung, dass die syrische Opposition aus Terroristen bestehe. 

Die Opposition muss eine Antwort auf HTS finden. Dazu wird sie westliche Hilfe benötigen. Ein Grund mehr, die Charme-Offensive von HTS kritisch im Auge zu behalten.

"Der Dschihadist" – Jolani im Interview mit einem US-Journalisten

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