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Medien und Gesellschaft

Über das Aushalten und das Zusammenhalten

Karla Paul
Kulturjournalistin
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Karla PaulSonntag, 25.04.2021

Schon seit über einem Jahr stellen wir uns den Herausforderungen der Pandemie, viele haben enorme Nachteile erfahren, viele von uns gehen aus diversen Gründen nervlich auf dem Zahnfleisch. Auch bei mir ist es zugegebenermaßen dünn geworden im Bereich Ambiguitätstoleranz, immer wieder schnellt das Ego vor und erhebt sich über die Anderen, die dann aus meiner Sicht alles falsch machen - ich weiß das viel besser, ich kann das viel besser, ich mache es viel besser. Die Wahrheit ist natürlich eine Andere und schwarz-weiß schon gar nicht. 

Umso lieber lese ich jetzt so kluge und bedachte Artikel wie die von Viktor Funk in der Frankfurter Rundschau: 

Wut und Zorn – so wichtig sie in einem Moment von Überwältigung sein können, so (selbst)zerstörerisch sind sie, wenn man nicht dahinterblickt und sich selbst fragt, weshalb genau man wütend ist.

Irgendwas oder irgendwer triggert mich, da stehe ich im Sonnenschein der eigenen Privilegien und sollte in diesem vor allen Dingen eines: Nachsicht üben in dieser besonderen Situation, mit mir und erst recht mit den Anderen. 

Jeder und jede dieser skeptischen – nicht leugnenden – Stimmen kann für sich begründen, warum der oder die andere falsch liegt. Beide Seiten haben etwas gemeinsam: Es fällt ihnen offenbar schwer, die Ängste und Sorgen der anderen zu sehen. 

In meiner Therapiezeit fand ich oft bewundernswert, dass meine schlaue Psychologin alle meine Erkenntnisse durch ihre beharrlichen, treffenden Fragen erarbeitet hat. Diese erscheinen mir erst zu einfach: Warum denkst Du das? Wie fühlst Du Dich dabei? Weshalb fühlst Du das? Wo kommt die Wut her? Aber wir sollten sie uns öfter gegenseitig stellen. Denn wenn wir das Gegenüber ernst nehmen wollen - und diesen Respekt sollten wir ja immer haben - ist das Verständnis das Mindestmaß der Grundlage. Das bedeutet noch kein Übereinkommen in der Position, aber den Versuch, sich in das Denken und Leben der Anderen einzufühlen. 

Es fehlt an Empathie. Sie könnte die Wut und den Zorn mindern, sie könnte mich auch die Sorgen der anderen sehen lassen.
Wir alle lernen. Und manchmal ist das Aushalten von Unklarheit und Widersprüchen Teil des Lernprozesses. Es wäre gut, mehr von dieser Kompetenz zu vermitteln, denn die globalisierte Welt wird noch komplexer werden.Ist jetzt ein schlechter Zeitpunkt, damit anzufangen? Aber wird es einen besseren geben? Die sozialen Wunden der Pandemie wachsen, auch sie werden lange heilen müssen, so wie der Körper nach einer Infektion.

Wir, die wir uns für klüger und reifer halten, sollten hier das Vorbild sein. Das Vorbild im Aushalten, im Verstehen und in der Sachlichkeit, das Vorbild im Erwachsensein. 

Wenn wir die Gesellschaft verbessern und ernsthaft zusammenhalten wollen, dann sollten wir also immer zuerst bei uns selbst anfangen und das Herz über das Ego stellen, das Verstehen und Fördern der nachhaltigen, komplexen Zusammenhänge über die vermeintlich schnelle Lösung. Sich selbst aushalten, allein das kann schon eine schwere Übung sein - erst recht beim Gegenüber. Auch für mich eine tägliche Übung, nicht nur in der Pandemie. 

Über das Aushalten und das Zusammenhalten

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Kommentare 1
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 3 Tagen

    dem Tenor möchte ich grundsätzlich zustimmen - allerdings haken einige Punkte bei mir :- ).
    Mehr Empathie - schön. Aber haben wir nicht gefühlt seit Pegida dauernd versucht Empathie für die anderen" aufzubringen? Kommt das nicht leider nur von uns? und Herz über Ego - nett gemeint - aber wäre nicht hptsl Ratio über Ego besser?

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