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Literatenfunk

Sprache als Mittel der politischen Auseinandersetzung

Karla Paul
Kulturjournalistin
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Karla PaulFreitag, 07.05.2021

In den letzten Monaten wurde vielseitig und scharf über Gendergerechtigkeit in und mit der deutschen Sprache diskutiert. Viele Unternehmen und Medien setzen bereits die inkludierende Form mit dem sogenannten Gendersternchen (Leser*innen) um und bemühen sich so zumindest in der Außenwirkung um Einbezug aller Geschlechter. Nicht erst seit Friedrich Merz gibt es aber auch entsprechend viel Gegenwind – weshalb wird diese minimale Veränderung so emotional behandelt und politisch eingesetzt? Weil Sprache eben politisch ist und das schon immer war!

Henning Lobin ist Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim und er sagt im lesenswerten Interview: 

Die Konzeptualisierung von Sachverhalten, die wir in und mit der Sprache vornehmen, beeinflusst nämlich die Wahrnehmung der Welt. Zudem wird das sprachliche Verhalten oft als ein Indikator für die Einstellung zu einer Sache gewertet.

Die Verwendung des Gendersternchens steht also für eine bestimmte Einstellung, für eine politische Haltung, die sich dadurch auch im täglichen Miteinander zeigt. Das kann eine gute Sache sein und Vorbildcharakter haben, das treibt uns aber in einer eh schon angespannten gesellschaftlichen Lage vielleicht auch noch weiter auseinander. Oder zeigt es nur die Wunden deutlicher auf? Denn bereits vor dem sichtbaren Achten auf Diversität, Inklusion und Gleichberechtigung im kommunikativen Bereich gab es diese Gräben, den Unwillen zu Toleranz und sozialer Anerkennung – sie werden nun nur deutlicher. Wie gehen wir damit um?

Mein Rezept lautet Differenziertheit dem Gegenstand Sprache gegenüber, Erklärungen auch da, wo man eingefahrenen Meinungen begegnet, und Austausch im Gespräch, wo sonst die Positionen nur aufeinanderprallen. Im politischen Raum sollte man davon ausgehen, dass dort Äußerungen zur Sprache niemals nur Äußerungen zur Sprache sind, sondern immer darüber hinausweisen

Henning Lobin empfiehlt also die Inklusion in der Sprache und im Gespräch. Der Miteinbezug aller wird immer komplex und anstrengend bleiben und die Verwendung des Gendersternchens ist nur eines von vielen Mitteln. Denn unsere Kommunikation ist kein starres Konstrukt und verweigert sich den Regeln täglich. Sie ist so lebendig und vielseitig wie wir alle. 

Vielleicht ist nicht das Sternchen die Veränderung, sondern der Diskurs darüber und die politische Wirkung, dass wir wieder miteinander ins Gespräch gehen.

Sprache als Mittel der politischen Auseinandersetzung

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Kommentare 6
  1. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 2 Monaten

    „ Die Verwendung des Gendersternchens steht also für eine bestimmte Einstellung, für eine politische Haltung, die sich dadurch auch im täglichen Miteinander zeigt.“ Ist das so? Das würde ja bedeuten es gäbe nur eine Einstellung, die dazu führt, das Sternchen zu verwenden. Wer das tut hat also eine Einheitsmeinung mit allen anderen, die das auch tun? Ist es nicht so, dass hinter Verwendung eine Vielfalt von differenzierten Einstellungen stehen kann? Opportunismus inclusive ......

    1. Karla Paul
      Karla Paul · vor 2 Monaten

      Dass es "nur" eine Einstellung gibt, habe ich nicht geschrieben - ebensowenig ist mir unklar, wie man hier auf den Begriff "Einheitsmeinung" (was auch immer das sein soll) kommt. Die Sprache ist vielfältig, wir sind es auch - ebenso die Gründe, weshalb wir sie wie verwenden. Aber dass man sich für das Gendersternchen entscheidet oder aktiv & bewusst dagegen, das ist definitiv politisch.

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      @Karla Paul Sicher kann Sprache, richtig gebraucht, vielfältig sein. Wenn wir Sätze für die Kommunikation formulieren sollten diese aber klar definiert sein. Und ich finde der Satz ist eineindeutig. Dort steht nicht, es könne verschiedene politische Gründe geben, das Sternchen zu benutzen. Nein, es steht für eine bestimmte Einstellung und für eine bestimmte politische Haltung. Das kann man doch nicht einfach leugnen.
      Natürlich ist der Gebrauch oder Nichtgebrauch auch irgendwie politisch - wie fast alles, was wir (öffentlich) tun.

      Aber sich nicht über die Nutzung oder Nichtnutzung des Gendersternchen aufzuregen, das sollten wir tatsächlich üben.

    3. Karla Paul
      Karla Paul · vor 2 Monaten

      @Thomas Wahl Wer leugnet denn genau was?

    4. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 2 Monaten

      @Karla Paul „ Dass es "nur" eine Einstellung gibt, habe ich nicht geschrieben “ war ihre Antwort. Sie haben das sehr wohl geschrieben, nur das „nur“weggelassen. Aber ich habe nun verstanden, dass die Verwendung von Sternchen für viele Einstellungen und Haltungen stehen kann. Dann sollte man das aber auch sagen und ausführen.

  2. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 2 Monaten

    Dazu passt diese Einladung, die ich vorhin erhielt:

    Gender / Film / Politische Narrative
    Akademie-Dialog mit Christina von Braun, Liliana Ruth Feierstein und Jeanine Meerapfel

    Dienstag, 11. Mai 2021, 19 Uhr
    Livestream und Aufzeichnung auf YouTube und Facebook

    In ihrer Reihe Akademie-Dialog spricht Akademie-Präsidentin Jeanine Meerapfel mit den Kulturwissenschaftlerinnen Christina von Braun und Liliana Ruth Feierstein darüber, was Gender mit Kunst, Politik und Religion zu tun hat.
    Anlass ist Christina von Brauns kürzlich erschienenes Buch Geschlecht. Eine persönliche und eine politische Geschichte (Propyläen Verlag, Berlin). Wie beeinflusst die persönliche Herkunft Geschlechterkonstruktionen? Wie wirkt sich Gender auf künstlerische Sprachen, Themen und Haltungen aus?

    https://www.adk.de/de/...

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