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Technologie und Gesellschaft

Wie das Internet unser Streben nach Status verändert

Jannis Brühl
Redakteur
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Jannis BrühlSonntag, 09.10.2022

W. David Marx' "Status and Culture" ist eines dieser Bücher, nach deren Lektüre man die Welt mit Röntgenblick sieht. In dem soeben erschienenen Buch (bislang nur auf Englisch) beschreibt Marx, wie sehr praktisch alle Menschen nach Status streben – selbst die, die versuchen, sich in alternativen/subversiven Subkulturen dem Statusdenken zu entziehen (die streben nämlich nach hohem Status in ihrer Gruppe). Das Buch ist insgesamt lesenswert in seiner Analyse verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und wie sie jeweils nach Status streben (Old Money, New Money inkl. "New Nouveau Riche" in Schwellenländern, Professional Class, inklusive – ich grüße euch – der Creative Class) etc. – Bourdieu 3.0 quasi.

Ich piqe das Buchkapitel über das Internet und wie es die alte Status-Welt aus dem 20. Jahrhundert auf den Kopf stellt. Marx' Beobachtungen fassen mehrere meiner vagen Gefühle über unsere aktuelle Kultur in Worte. Es beschreibt, wie ein ironischer, an Kanye West gerichteter Medium-Post von ihm selbst vor einem Jahrzehnt viral ging und was nachher davon blieb. Nämlich nichts.

My eighteen-year-old self would have been elated that I had somehow pranked the American mass media, had an audience of millions reading my work (or at least the headlines), and gotten a write-up in The New Yorker (okay, newyorker.com). But the impact of this viral success on my actual life was trivial. For all the attention and excitement, I received around five additional Twitter followers. And no one—not even my closest friends and family—remembers, references, or cares much about the entire episode

Marx verurteilt die neue, digitale Kultur nicht kulturpessismistisch-snobby als minderwertig. Aber er gibt die weitreichenden Folgen dieser Entwicklung zu bedenken.

They also debase cultural capital as an asset, which makes popularity and economic capital even more central in marking status. The end result, at least so far, has been less incentive for individuals to both create and celebrate culture with high symbolic complexity

Damit argumentiert er schlüssig gegen die "Long-Tail"-These, mit der Wired-Chefredakteur Chris Anderson in den Nullerjahren eine Welt der Nischenkultur und -produkte vorhersagte, die durch das Internet zu jedem Menschen mit noch so abseitigem Geschmack gelangen könnte – ein Lob der Vielfalt. Nix da, schreibt Marx. Wenn jede Information leicht verfügbar ist, verlieren Spezialwissen und Nischenkultur an Attraktivität, mit der sich Menschen früher von anderen abgrenzten und ihren Status erhöhten. Nun tendieren die Menschen zum Mainstream. Ein Beispiel wäre der Untergang der insiderischen Spex/Musiknerd-Kultur einerseits und Mega-Mainstreamerfolge wie Marvel-Filme oder Justin Bieber andererseits.

Das waren nur einige wenige Aspekte aus diesem dicht mit klugen Beobachtungen und Analysen gespickten Kapitel (und das ist nur ein Kapitel!). 

Wie das Internet unser Streben nach Status verändert

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Kommentare 1
  1. René Walter
    René Walter · vor 2 Monaten

    >The end result, at least so far, has been less incentive for individuals to both create and celebrate culture with high symbolic complexity

    Ich bin da unschlüssig. Eineseits, ja, klar, fein, okay, aber auch: Nichtssagende, schnelllebige Popkultur, die 2 Jahre nach Veröffentlichung niemanden mehr interessiert und keinerlei kulturellen Impact hat, gibt es schon seit immer. Wirklich bleibende, memetisch formende kulturelle Erzeugnisse sind immer selten, auch in sozialen Medien.

    Andererseits ist die Konsolidierung von Kultur in einen wachsenden Mainstream (Marvel et al) nicht zu leugnen, während singuläre Ausformungen dieser Mainstream-Kultur (Westworld, Dune bspw, um im Bild zu bleiben) als Quasi-Prestige-Objekte gehalten werden. Daneben entwickelt sich aber auch eine in meinen Augen gesunde, flirrende, diverse Kultur, die nicht wirklich Mainstream, aber auch nicht wirklich Subkultur ist. Im Film wären dass die ganzen Indie-Produktionen, die auf Festivals die Runde machen und dann in einem Streamer landen, wo sie entweder kurzzeitig gehyped (Midsommar, Hereditary) oder gleich ganz vergessen werden. Das spricht nach wie vor *für* die These des Long Tail.

    In der Musik ist es ja ganz ähnlich, wobei hier die Produktionsbedingungen nochmal anders sind und Demokratisierung durch digitale Explorationsmöglichkeiten von creative spaces schon vor 30 Jahren möglich gemacht wurden. Spotify homogenisiert hier auch den angeblich subkulturellen Indie-Geschmack, der Algorithmus sorgt für eine Verflachung des kulturellen Angebotes. Gleichzeitig hast Du aber auch Nischen-Kuratoren, etwa auf Youtube mit I'm A Cyborg But Thats Okay (https://www.youtube.co...) oder Harakiri Diat (https://www.youtube.co...), die mit Nischenmucke eine Million bzw. 100k Subscriber abgreifen, was für diese Art von Nischen durchaus sehr gut ist. (Wobei das, soweit ich weiß, auch die prominentesten Vertreter dieser Form von Subkultur-Kuration auf YT sind und damit wohl das Maximum an Aufmerksamkeit und Engagement in sich vereinen).

    Von den ganzen Netz-Subkulturen, die sich im sogenannten Dark Social über den Mainstream lustig machen, habe ich hier noch gar nicht angefangen. Mir scheint also eine Gleichzeitigkeit von Konsolidierung in Mainstreamkultur mit ausgefransten Rändern zu sein. Weniger Long Tail als kultureller Extrem-Hockeystick.

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