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Medien und Gesellschaft

Verstörend, sehenswert - die Gladbeck-Geiselnahme als Netflix-Doku

Jan Paersch
Autor für taz, NDR, DLF, Jazz Thing und andere
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Jan PaerschDonnerstag, 09.06.2022

Der Zweiteiler "Gladbeck" gehört wohl zu den besten Dramen der letzten Jahre, schon die Leistung der Hauptdarsteller ist gespenstisch gut. Nun gibt es die Geschichte der Geiselnahme, die tagelang quer durchs Land führte und drei Menschen das Leben kostete, als Netflix-Dokumentation. Nur zur Erinnerung:

Die Polizei machte keine gute Figur, die Medien machten eine noch schlechtere: Fernseh- und Printjournalisten filmten und interviewten wie bei einem Betriebsausflug die Täter oder dienten sich als Vermittler an.

Regisseur Volker Heise hat ausschließlich Originalaufnahmen aus dem August 1988 verwendet und verzichtet auf spätere Zeitzeugenbefragungen oder Off-Kommentare.

Das Ergebnis ist spektakulär und verstörend: True Crime, Jahrzehnte, bevor jemand diesen Begriff kannte. Der allergrößte Teil der 54 Stunden wurde im Bewegtbild festgehalten, eine Pressegruppe, die man nur als "sensationsgeile Meute" bezeichnen kann, war permanent näher am Geschehen als die Polizei. Die Hauptnachrichten zeigten Geiseln unverpixelt; Fotograf Peter Meyer gab selbst Interviews und konnte sein Glück, sich mit den Kriminellen verkumpelt zu haben, kaum fassen. Der spätere Talk-Star Frank Plasberg verhielt sich offenbar kaum besser - zu seinem Glück ist das Interview, das er mit den Geiselnehmern führte, verschollen.

Man kann das alles kaum glauben: die ekelhafte Journalisten-Kumpanei mit Schwerverbrechern, aber auch deren spielfilmreifes Verhalten: wie sich Hans-Jürgen Rösner hinter einem kleinen Mädchen verschanzt und "Ihr dreckigen, feigen Bullen, ihr" ruft. Derart vielfältig ist das Material (Polizei-Funksprüche erklären die teils unscharfen Bilder), dass ein seltsamer Effekt entsteht, den Peter Körte in der FAZ treffend beschreibt:

Man könnte von „Refiktionalisierung“ sprechen. Es kommt einem so vor, als sähe man einen Kriminalfilm, der mit einem Mangel an Perfektion kokettiert, gezielt verschiedene visuelle Formate einsetzt und pointierte Dialogzeilen – „Ich scheiß auf mein Leben, ich bin von Haus aus Verbrecher“, sagt der Gangster Rösner. Als sähe man ein Mockumentary, einen Spielfilm, der sich als Dokudrama ausgibt.

"Gladbeck" ist ein Synonym geworden - diese behutsam montierte Doku, die ohne jeden Kommentar das Versagen insbesondere der Presse aufzeigt, erklärt, warum. Immerhin, so die ZEIT:

Der Deutsche Presserat änderte einen Monat nach der Irrfahrt den Pressekodex. In der Richtlinie 11.2 weist er Journalistinnen und Journalisten seitdem an, sich bei Gewalttaten "nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen und "keine eigenmächtigen Vermittlungsversuche zwischen Verbrechern und Polizei" zu unternehmen."

Verstörend, sehenswert - die Gladbeck-Geiselnahme als Netflix-Doku

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