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Medien und Gesellschaft

Raus aufs Land? Leider nur mit dem Auto - Mobilität anno 2021

Jan Paersch
Autor für taz, NDR, DLF, Jazz Thing und andere
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Jan PaerschMontag, 11.10.2021

Drei Stunden und 45 Minuten. So lange dauert es aus dem Zentrum von Hamburg bis ins niedersächsische Vierden - eine Strecke von 60 Kilometern, für die ein Auto keine Stunde brauchen würde. Aber Friederike Gräff hatte sich entschieden, den ÖPNV zu nutzen, fünf Mal umzusteigen - und darüber zu schreiben. Es wird wenige überraschen, dass ihr Fazit ernüchternd ausfällt:

Es ist möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln ... Man muss nur in der Lage sein, sein Leben darauf einzustellen und eine Existenz als Privatier führen.

Denn: Gräff ist vormittags losgefahren. Am späten Nachmittag oder gar abends hätte sie ihr Ziel, ein 800-Einwohner-Dorf, in dem sie eine Datscha an einer alten Mühle bewohnt, gar nicht erst erreicht.

Gräffs Text ist die beste Reportage, die ich zum Thema "Mobilitätswende" seit langem gelesen habe. Die Autorin zeigt all die Widersprüche auf, mit denen umweltbewusste GroßstädterInnen so hadern. Sie hat keine Ahnung von Landwirtschaft und kann nur raten, ob die Bauern auf den Feldern nebenan Gift versprühen. Sie verzweifelt am lokalen Verkehrsbetrieb, der den Busverkehr reduziert hat - weiß aber, dass die Leute vor Ort gar nicht unglücklich sind. Denn: 90 Prozent besitzen ein Auto.

Die Grünen haben das Problem erkannt - aber ob sie ihr "Nahverkehrs-Grundangebot" mit Sharing-Modellen für Linienverkehr-unrentable Strecken durchsetzen können/wollen?

Herrlich die Anekdote mit dem Mini-Bus, der Gräff und den Fotografen im Nirgendwo abholt:

Selbst aus der Ferne scheint mir, dass die Fahrerin uns überrascht ansieht. Es ist die Linie Nummer 865, auch wenn das schwierig zu erkennen ist, weil der Bus nicht beschildert ist. Hinten sitzen zwei Schulkinder, die uns interessiert angucken, als seien sie Teil einer Kleinfamilie, die nun zwei Tramper mitnimmt.

Schlau ist auch Gräffs Analyse ihrer Stadtflucht:

Ich nutze das Land als Pause, als Kulisse meiner Pause.

Raus aufs Land? Leider nur mit dem Auto - Mobilität anno 2021

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Kommentare 3
  1. Niels Benedikter
    Niels Benedikter · vor 2 Monaten

    Naja, es gäbe auch andere Möglichkeiten. Laut google kommt man innerhalb von 1 Stunde 26 Minuten ins Nachbardorf, von wo man die verbleibenden 3 km mit dem Klapprad oder E-Scooter fahren könnte.

    Gerade auf dem Land muss das Fahrrad in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen: durch sichere Radwege lässt sich der Einzugsbereich und damit die Wirtschaftlichkeit von Bahnhöfen massiv vergrößern. Ich sage mal von ca. 700m fußläufigem Einzugsradius zu 5km auf sicheren Radwegen.

    1. Jan Paersch
      Jan Paersch · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      Nun, das Verhältnis von Fahrzeit und Entfernung ist hier natürlich besonders krass. Aber so ähnlich wird es das in fast jedem Bundesland geben.
      Irre: die Sache mit dem Rufbus. Vielleicht wollte die Autorin sich für eine bessere Story nicht damit beschäftigen, aber wenn schon zwei topfitte Menschen unter 50 damit nicht klar kommen - wie soll es dann erst anderen gehen?

    2. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 2 Monaten

      stimmt schon. Aber viele Ältere - oder einfach nur "Unsportliche" - können vielleicht nicht groß Fahrradfahren...

      und von wegen unrentabel Strecken!
      Wir reden von öffentlichen Verkehr, meist städtische Verkehrsbetriebe und DB im Besitz des Bundes...
      sowas muss auch zur Not unrentabel und einfach grundsichernd (!) Infrastruktur zur Verfügung stellen.

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