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Literatenfunk

Eva Maria Leuenbergers Buch „kyung“, ein postkoloniales Triptychon

Eva Maria Leuenbergers Buch „kyung“, ein postkoloniales Triptychon

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtSamstag, 14.08.2021
„theresa hak kyung cha stirbt am 5. november 1982 kurz vor der publikation von dicteé

ich werde 1991 geboren.“

Auf Seite 112 des im Literaturverlag Doschl erschienenen Buches macht die Autorin Eva Maria Leuenberger noch einmal den zeitlichen Abstand von sich, der Autorin, zur Protagonistin klar: Am angegebenen Datum wird Theresa Hak Kyung Cha in einem Parkhaus in der Nähe des Metropolitan Museum vergewaltigt und ermordet. Dieser Mord bildet den Ausgangspunkt von Leuenbergers Text. In drei Teilen, also einem Tryptichon, illuminiert die Autorin das Leben und Sterben Kyungs, die 1951 im koreanischen Busan geboren wurde, in Berkley studierte und als Künstlerin und Autorin arbeitete.

Kurz nach ihrer Ermordung erschien ihr Buch „Dicteé“, das als wegweisend für die postkoloniale Avantgarde gilt. Dieses materialreiche Buch, das leider nicht in einer deutschen Übersetzung vorliegt, hält sich nicht an tradierte Genregrenzen, arbeitet mit den verschiedensten Formen und Formaten. Es öffnet sich den durch migrantische Wanderbewegung akkumulierten Erfahrungen.

Die postkoloniale Reflexion ist in den letzten Jahren auch in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur angekommen, oder besser wäre zu sagen, sichtbar geworden; denn untergründig war sie immer präsent. Es fehlte an Einordnung und Begriff und vor allem an Aufmerksamkeit. 

Der Blick der weißen Autorinnen wird und wurde in der Auseinandersetzung mit diesen Literaturen für diskriminierende Strukturen geschärft und für Schreibweisen sensibilisiert, die gegen diese Strukturen anschreiben. Und die Autorinnen müssen sich gar nicht selbst als Kämpferinnen stilisieren, es genügt zuweilen die Schilderung dessen, was der Fall ist, um im Leser oder der Leserin einen Aufruhr zu verursachen, der zumindest für die Zeit der Lektüre anhält. Dieser Aufruhr ist mit Trauer gepaart, mit Scham.

Denn ich als weißer mitteleuropäischer Leser stehe zumindest strukturell auf Seiten der Täter. Das ist eine paradoxe Situation. Denn als aufgeklärter Mitteleuropäer habe ich natürlich den Drang, mich mit den Opfern zu identifizieren, oder schlimmer noch, mich als Befreier zu sehen. Letzteres aber ist eben auch jener koloniale Reflex, den es zu überwinden gilt.

In Leuenbergers Buch ist dieser Reflex verschwunden. Es sind die Imaginationen einer Situation, die Vergegenwärtigung eines Mordes und dessen, was durch diesen Mord ausgelöscht wurde. Der Text umkreist die Situation lyrisch und zum Teil essayistisch in einer knappen Sprache, die in dem von ihr geschaffenen Resonanzraum nachhallt und den Fotografien und Videostills eine eigenwillige Dignität verleiht.

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