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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Samstag, 30.05.2020

Herren über Leben und Tod – Mediziner auf dem Schlachtfeld

Abgerissene Gliedmaßen, Schusswunden, von Säbelhieben entstellte Körper: Das Schlachtfeld bei Gettysburg ist am 3. Juli 1863 übersät von verletzten Soldaten beider Kriegsparteien. Der Norden hat über die Südstaaten unter dem Kommando von Robert E. Lee triumphiert. Die Anhänger von Präsident Abraham Lincoln feiern die Wende­ im Amerikanischen Bürgerkrieg. Aber die Mediziner und Sanitäter haben dafür keine Zeit. Sie versuchen unter abenteuerlichen Bedingungen, so viele Leben zu retten, wie sie nur können. Sie wählen dafür die Verwundeten aus, denen sie die besten Chancen zum Überleben zuschreiben. Damals galt das neue System der "Triage", das diejenigen retten sollte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durchkommen sollten, als ein Durchbruch.

Heute wirkt diese Selektion unethisch. Seit Beginn der Corona-Krise warnen Ärzte davor, im schlimmsten Fall besonders schwer erkrankte Patienten aussortieren zu müssen – um sich um die Kandidaten kümmern zu können, die Hilfe brauchen und nicht so hart betroffen sind, dass ihr Überleben am sprichwörtlichen seidenen Faden hängt. Solch eine "Triage" galt im Amerikanischen Bürgerkrieg als großer Fortschritt. Denn das Sanitätssystem im Norden wie im Süden ließ selbst die Verwundeten sterben, die eigentlich hätten gerettet werden können. 

Die Schlacht bei Gettysburg gilt als ein Wendepunkt bei der medizinischen Versorgung im Krieg. Maßgeblich trug der Militärarzt Jonathan Letterman dafür die Verantwortung. Der Major hatte zu Beginn des Bürgerkrieges die medizinische Versorgung der Potomac-Armee der Union übernommen.

Letterman entdeckte gravierende Mängel im Sanitätsdienst. Die Bergung der Verwundeten dauerte viel zu lange: Viele verletzte Soldaten lagen noch Tage nach dem Ende der Kämpfe im Freien – ohne Versorgung durch einen Arzt. Die Angehörigen des Musikkorps kümmerten sich meist um die Verletzten. Ausgebildet in der Erstbehandlung waren sie kaum. Aber selbst nachdem Träger die Verwundeten in die Sanitätszelte gebracht hatten, war es Glückssache, ob, wie und wann die Betroffenen von den viel zu wenigen Ärzten behandelt wurden.

Letterman ließ im September 1862 bei der Schlacht am Antietam erstmals ein System von Erste-Hilfe-Stationen aufbauen, in denen die "Triage" umgesetzt wurde – die Sichtung der Verwundeten und deren Einteilung nach Dringlichkeit. Zeitgleich nahm das U.S. Ambulance Corps seinen Dienst auf, es war nun zuständig für die rasche Bergung der Verletzten. Bei der Schlacht von Fredericksburg im Dezember 1862 bewährte sich Lettermans System bereits. Es wurde daraufhin von anderen Unionsarmeen übernommen.

In Gettysburg steht dann die nächste Bewährungsprobe an. Sogenannte "minié-balls" machten den Ärzten zu schaffen, Kugeln, die Knochen und Organe zerfetzen. Die Minié-Kugel bestand aus Blei und war gut 30 Gramm schwer. Der Schütze stopfte sie mit 4 Gramm Schwarzpulver in einer Papierpatrone in den Gewehrlauf. Das Minié-Geschoss hatte eine höhere Reichweite als die Gegner und es war leichter zu laden als die Vorgänger. 

"Waren die Bleikugeln zuvor in den Körper eingedrungen und steckengeblieben oder hatten einen Knochen gebrochen, so zerschmetterten die "minié-balls" auf ihrem Weg alle organischen Strukturen, weil sie mit einer größeren Wucht und stabilerer Flugbahn auftrafen", schreibt Jochen Oppermann für das Magazin G/Geschichte. "Je nach Entfernung konnte eine Kugel sogar mehrere Soldaten hintereinander durchschießen. Amputationen waren die einzige bekannte Methode, bei solchen Verletzungen das Leben der Soldaten zu ­retten. Unzählige Geschichten sind überliefert, in denen Verwundete die Ärzte anflehten, nicht den Arm oder das Bein abzuschneiden. Auch deswegen bekamen die Ärzte in den Lazaretten den lieblosen Spitznamen butchers – Schlachter."

Lettermans System war sehr erfolgreich. War im Vorjahr noch jeder dritte Verwundete gestorben, waren es nun noch zwei Prozent.

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