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Volk und Wirtschaft

Frank Lübberding
Journalist und Autor
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piqer: Frank Lübberding
Montag, 19.08.2019

Zwischen Askese und Bequemlichkeit: Zur Lage im Maschinenbau

Das Gegenteil zur Askese ist der Maschinenbau. Er repräsentiert die Neigung des Menschen zur Bequemlichkeit. Ohne den Maschinenbau wären Produktivitätsfortschritte als Grundlage des Wohlstands nicht zu denken. Er ist eine der tragenden Säulen des deutschen Industriemodells und symbolisiert seine Wettbewerbsfähigkeit: Weltmarktorientierung mit hoher Spezialisierung und die Vorzüge des dualen Systems der Berufsausbildung bringen das zum Ausdruck. Alexander Armbruster und Carsten Knop machen eine Bestandsaufnahme des Sektors nach dem Auslaufen eines zehnjährigen Booms. Sie ist unter den Begriff "Verunsicherung" zusammenzufassen. Einerseits beschreiben sie das Selbstbewusstsein einer Branche, die zum Werkstattausrüster der Welt wurde. Andererseits die Unsicherheit über politisch und technologisch begründete Brüche, neumodisch "Disruption" genannt. Stichworte sind Handelskonflikte und Digitalisierung. Das deutsche Modell beruht allerdings auf der inkrementalistischen Logik kontinuierlicher Verbesserung. Armbruster und Knop sprechen das am Beispiel der Automobilindustrie an und benennen damit das eigentliche Problem: Wie anpassungsfähig ist der Maschinenbau in einer von Disruptionen geprägten Welt? Insofern erinnert diese Debatte nicht an die Krise von 2008 mit dem weltweiten Nachfrage-Kollaps. Vielmehr an die des Jahres 1992/93, an die sich aber nur noch Ältere erinnern. Maschinenbau und Autoindustrie waren in eine existentielle Krise geraten, weil ihre Produktionskonzepte nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Auch damals gab es eine Debatte über fehlende Innovationsfähigkeit angesichts der "Dritten industriellen Revolution." Nachzulesen in diesem Streitgespräch aus dem Jahr 1994, also mitten in der Krise. Heute lässt sich feststellen: Der Inkrementalismus war nicht das zu lösende Problem, sondern die Lösung für das Problem. Ansonsten bliebe uns noch die Askese. Beim Thema Zivilisationskritik sind wir Deutschen nämlich immer noch der unbestrittene Weltmarktführer.  

Zwischen Askese und Bequemlichkeit: Zur Lage im Maschinenbau
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Kommentare 3
  1. Holger Lindner
    Holger Lindner · Erstellt vor 4 Monaten ·

    -->Vielmehr an die des Jahres 1992/93, an die sich aber nur noch Ältere erinnern. Maschinenbau und Autoindustrie waren in eine existentielle Krise geraten, weil deren Produktionskonzepte nicht mehr wettbewerbsfähig waren."

    Das stimmt so überhaupt nicht !

    Irgendwie hab ich das als Betroffener anders erlebt ! Aber egal, vermutlich habe ich das ja auch nur falsch geträumt. Ich bekomme immer wieder einen dicken Hals, wenn Ursache und Wirkung von irgendwelchen "Intellektuellen" verdreht und verkaspert werden, dass sich die Balken biegen.

  2. Holger Lindner
    Holger Lindner · Erstellt vor 4 Monaten ·

    Frank,

    ich habe 1994 meinen Industriemeister gemacht, habe in der Lehre 1985 bis 1988 schon zum Schluss den Nippon Vertreter Kanban und Kaizen zu hören dürfen. DAS was über die Zeit im Außenverhältnis geschrieben wird, stimmt im Innenverhältnis, zu dem, was tatsächlich in der Produktion samt Management abging, überhaupt nicht überein.

    Und ich habe in der Schlüsselindustrie gelernt, ohne die kein Auto funktionieren würde.
    Der Saftladen firmiert heute unter EATON

    Automotive Optimierung bis die Haare bluten.

    Mir ist das egal... soll jeder die Geschichte so verzählen im Außen wie er angehalten ist, diese zu erzählen. Dass dahinter die größte Plünderung der Einkommen steckt, samt jetziger und kommender prkär Rentner ficht ja keinen an.

    Und da fragt sich die dumm dreiste SPD auch noch, warum sie auf dem Scheiterhaufen gelandet ist. Das ist nicht nur ne Frechheit, von der Gurkentruppe, die sind bekloppt zum Quadrat im Resthirn.

  3. Leopold Ploner
    Leopold Ploner · Erstellt vor 4 Monaten ·

    Dass 1992/93 der Maschinenbau in eine „existentielle Krise geraten war, weil deren Produktionskonzepte nicht mehr wettbewerbsfähig waren“, habe ich nicht so in Erinnerung ( ich habe damals in dieser Branche gearbeitet). Die Konzepte waren durchaus innovativ und wettbewerbsfähig, nur wollte in dem wirtschaftlichen Umfeld niemand in innovative Lösungen investieren.

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