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Pop und Kultur

piqer: Felix Schwenzel
Freitag, 28.02.2020

Ragnarök: Neu erzählte nordische Mythologie ohne Disneyfizierung

Dem, was Nico Brünjes hier über die dänische Fernsehserie Ragnarök schreibt, möchte ich nicht widersprechen:

Nordische Mythologie nach heute verpflanzt ist ja immer so eine Sache, aber das typisch ruhige dänische Konzept und die hauptsächlich norwegischen Schauspieler, sowie die fantastische Ausstattung machen einen guten Job. Die Story hat mir insofern gut gefallen, dass sie mich ausgesprochen amüsiert und gekurzweilt hat.

Aber weil er sich so kurz fasst, dass seine Kurzkritik eigentlich gar nicht piqbar ist, möchte ich ihn ergänzen und vor allem der Frage nachgehen, warum Nordische Mythologie in der Popkultur „so eine Sache“ ist. 

Eine der möglichen Antworten lautet wohl, dass Hollywood, vor allem Disney/Marvel, Nordische (und andere) Mythologien durch Verkitschung, Amerikanisierung und brutale Trivialisierung völlig entzaubert und leert. Die zwei Comicverfilmungen von Thor und spätere Fortführung der Figuren in Marvels filmischem Universum sind zwar auf ihre Art auch kurzweilig und amüsant, aber eben auch bombastisch aufgeblasene Trivialitäts-Feuerwerke. Schaut man sich solche Filme an, bleibt außer dem Gefühl, ein bisschen unterhalten worden zu sein, so gut wie nichts hängen. Mit der Subtilität und dem Zauber von Märchen und Mythen, deren Bilder einem oft noch tagelang nachhängen, haben Hollywood-Produktionen, die sich aus dem Fundus der alten Erzählungen freizügig bedienen, nichts mehr gemein. 

Dazu kommt, dass Hollywood sich nicht nur aus dem Gemeingut der Märchen und Mythen bedient und diese dann auf seine Art trivialisiert und bagatelisiert, sondern den mit Stars gespickten, aufgeblähten Kitsch dann auch noch zur Kapitalextraktion als sogenanntes geistiges Eigentum umdeutet.

Der Kontrast der dänische Fernsehserie Ragnarök zu dieser Art von Hollywoodproduktionen ist sehr wohltuend. Ragnarök handelt nicht von abgehobenen, superheldigen Göttern, die in einem kitschigen, cinderella-artigen Asgard rumturnen, sondern von Alltagskonflikten, Liebe, Freundschaft und Zweifeln die immer nachvollziehbar und geerdet aus der Alltagsperspektive eines norwegischen Dorfes erzählt werden. Auch wenn man Zeuge von Superkräften und Übermenschentum wird, verliert man nie die gefühlte Nähe und Vertrautheit zum immer wieder selbstzweifelnden und verzweifelnden Helden. 

Ragnarök wirkt auf den ersten Blick fast wie ein Kammerspiel oder eine Highschool-Serie und auch das wirkt wohltuend geerdet, bzw. schafft es im Gegenteil zu den Hollywoodschinken viel besser, Aspekte der nordischen Mythologie in einen aktuellen, nachvollziehbaren Kontext zu stellen — ohne alles zu übergeigen oder schönzupudern. 

Die wirklich interessanten Heldengeschichten und Mythen erzählen von normalen Menschen, mit denen wir uns in irgendeiner Form identifizieren und mitfühlen können. Hänsel und Gretel, Aschenputtel, Rotkäppchen scheitern am Alltag und der Gesellschaft, um am Ende doch irgendwie zu siegen – deshalb kann man sich normalerweise so gut mit diesen Figuren identifizieren und mitfühlen. Die Figuren aus Hollywoodschinken, die sich aus der Mythologie bedienen, schaffen es bestenfalls, dass man ihre Helden unterhaltsam, sympathisch, doof oder böse findet. 

Ein weiterer Kontrast, der mir nach dem Ragnarök-Gucken auffiel: wie der Tod oder das Töten dargestellt wird. Während das Töten in Hollywoodfilmen meist jugendfrei, sauber und ohne weitere Konsequenzen – oft sogar ganz ohne Leichen – stattfindet, zeigt Ragnarök, dass sogar das Töten von Monstern im Alltag ernste Konsequenzen haben kann und dass jemand, der sich zum Helden berufen fühlt, aus anderer Perspektive auch als Wahnsinniger gesehen werden kann und wird.

Ragnarök läuft auf Netflix.

Ragnarök: Neu erzählte nordische Mythologie ohne Disneyfizierung
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