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Pop und Kultur

Tiny Tim: Der Liberace der Gegenkultur

Fabian Peltsch
Musikjournalist

Fabian Peltsch lebt und arbeitet in Peking und Berlin und schreibt regelmäßig für Rolling Stone, Musikexpress, Mint, China Table, RADII, Fluter und die Berliner Morgenpost. Er interessiert sich vor allem für globale Popkultur-Perspektiven jenseits von World-Music-Klischees.

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Fabian PeltschFreitag, 30.04.2021

"Er sah aus wie eine Kreuzung aus Lord Byron und Nosferatu, mit der Frisur von Jimmy Page und den Augen von Lillian Gish", schreibt Variety-Autor Owen Gleiberman in seiner Kritik zur neuen Doku "King for a Day", die Tiny Tim gewidmet ist. 

Der Ukulele schwingende Musiker war einer der schillerndsten Außenseiter der Pop-Geschichte. 1932 kam er in New York als Sohn einer polnischen Jüdin und eines Einwanderers aus dem Libanon zur Welt. Nicht nur der Herkunft nach passte Herbert Khaury, so sein bürgerlicher Name, nirgendwo rein. Sein musikalischer Stil war so exzentrisch wie sein genderfluides Auftreten. Sein Vater (und später auch sein Priester) wollte ihn schon früh zur Therapie schicken. Aber der devot gläubige Herbert antwortete nur: "Jesus Christus ist mein Doktor."  

Die Gläser sprengende Fistelstimme, die Tiny Tim so berühmt und berüchtigt machen sollte, habe ihm ebenfalls Jesus über Nacht zum Geschenk gemacht. In sein Tagebuch schrieb er zu Beginn seiner Musikerkarriere:  “I tried my new style at the old Alliance Club. It worked. Praise the blessed Lord Jesus. They screamed! I must sing the sissy way. God told me to sing the sissy way.” 

Mit Songs wie "Tip Toe Through the Tulips" (Ilja Richter deutschte das Lied charmant zu "Tip Tap in die Tulpen" ein) wurde Tiny Tim Ende der 60er-Jahre kurzzeitig zur Berühmtheit. Er wurde zu großen Fernsehshows wie jener von Ed Sullivan eingeladen, wo er in erster Linie die One-Man-Freak-Show gab und man sich über ihn lustig machte. Aber es gab auch Künstler wie Bob Dylan, David Bowie oder John Lennon, die ihn ehrlich bewunderten. D.A. Pennebaker, der ihn für Warhols Factory filmte, sagt in der Doku: "He was a complete Outlaw."

Tiny Tims Abstieg war zäh und oftmals traurig anzusehen. In den 80er-Jahren versuchte er als C-Promi alles, um ein Comeback hinzulegen, wurde Sänger in schlechten Wave-und Punk-Bands, spielte den Horror-Clown in B-Movies und trat am Ende tatsächlich als Attraktion im Zirkus auf. 1996 erlitt er bei einem Gastauftritt auf einem Wohnzimmerkonzert einen Herzinfarkt. Wenig später verstarb er im Alter von 64 Jahren. 


In Johan von Sydows Doku wird Tiny Tims faszinierende Geschichte von Weggefährten und Familienmitgliedern nacherzählt, untermalt von Schwarz-Weiß-Animationen und Tagebucheinträgen, die Tiny-Tim-Verehrer “Weird Al” Yankovic vorliest. Streamen kann man den Film hier (kostenpflichtig, aber günstig). 



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