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Pop und Kultur

Die spirituelle Reise des Jim Carrey

Fabian Peltsch
Musikjournalist

Fabian Peltsch lebt und arbeitet in Peking und Berlin und schreibt regelmäßig für Rolling Stone, Musikexpress, Mint, Gründerszene, RADII, Fluter und die Berliner Morgenpost. Er interessiert sich vor allem für globale Popkultur-Perspektiven jenseits von World-Music-Klischees.

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Fabian PeltschMittwoch, 07.07.2021
Dass der Star aus "Die Maske" und "Dumm und Dümmer" einmal zum Semi-Guru taugen würde, war zu Hochzeiten seiner Karriere in den Neunzigern nicht abzusehen. Auf YouTube finden sich heute dennoch zahlreiche, mit dramatischer Musik unterlegte Motivationsvideos, die auf Aussprüchen Jim Carreys basieren. Viele Zitate stammen aus einer Rede, die der als "funniest man on earth" angekündigte Schauspieler 2014 an einer amerikanischen Wirtschaftsuni hielt. Die frischgebackenen Management-Absolventen im Publikum dürften von Sätzen wie "My soul is not contained within the limits of my body" ebenso überrascht gewesen sein wie jene Reporter, denen Carrey 2017 vom Roten Teppich aus erklärte, dass er "nicht existiere":
"Es gibt mich überhaupt nicht. Es gibt nur Dinge, die passieren."

Wer etwas tiefer gräbt, erfährt, dass Carrey sich auf die spirituelle Strömung des Neo-Advaita bezieht, einer Selbsterforschung, die zur Erkenntnis der "Nondualität" führen soll und die auf den indischen Guru Ramana Maharshi zurückgeht. Jeff Foster und Eckhart Tolle, die die Lehre vom "Leben in der Gegenwart" und der "Illusion des Selbst" im Westen am prominentesten predigen, zählt Carrey zu seinen Freunden. Erst vor zwei Jahren hatte die unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidende Sängerin Ariana Grande ein von Carrey weiterverbreitetes Zitat von Foster auf Twitter geteilt: 

“You should think of the word ‘depressed’ as ‘deep rest.’ Your body needs to be depressed. It needs deep rest from the character that you’ve been trying to play.” 

Auch Carrey litt an Depressionen. In den letzten Jahren musste der heute 59-Jährige einige Schicksalsschläge und Kontroversen durchmachen, allen voran den Drogentod seiner Freundin und eine anschließende öffentliche Schlammschlacht mit ihren Angehörigen. In der Folge widmete sich Carrey verstärkt der Malerei und drehte zusammen mit Dave Holstein und Michel Gondry die herzerwärmende Serie "Kidding" über einen TV-Star, der mit dem Unfalltod seines Sohnes und dem Leben an sich ins Reine zu kommen versucht. 2020 erschien die surreale Fake-Autobiographie "Memories and Disinformation", die Carrey zusammen mit dem Schriftsteller Dana Vachon geschrieben hat. Der Deutschlandfunk schreibt, das Buch entwerfe ein "naives, freudloses Menschenbild: Alle sind Puppen, beherrscht von Oberflächenreizen." Carrey selbst erklärte:

that one of the main objectives of the book was “to go through this absurd journey of definition, and the madness of Hollywood and the burning of old structures to have at least a taste of this nothingness infinite and everything (...) and that the Hollywood glitterati are a group of entities and people who are struggling to make themselves a sort of relevance ”.

Ob der kurzzeitig Prophetenbart tragende Komiker wirklich eine Erleuchtung erfahren hat, wie manche glauben, oder sich einfach nur auf schrullige Art dem Business und seinen Erwartungen entzieht (siehe Bill Murray), spielt letztlich keine Rolle. Weisheiten wie „Jeder sollte reich und berühmt werden und alles tun, wovon er jemals geträumt hat, damit er sieht, dass dies nicht die Antwort ist“ nimmt man ihm auch so ab. 


Die spirituelle Reise des Jim Carrey

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Kommentare 1
  1. Yvonne Franke
    Yvonne Franke · vor 4 Monaten

    Das Zitat von Jeff Foster löst sofortige Entspannung aus – schon gleich beim ersten Lesen. Sehr hilfreich. Kannte ich noch nicht, danke! Was Carrey angeht, habe ich mich immer gefragt, ob er aus der intensiven Schauspielarbeit an "Man on the Moon" vielleicht nie wieder rausgekommen ist. Als er ja annahm Andy Kaufmans Geist sei in ihn eingefahren, oder so ähnlich. Die Doku dazu gibt es auf Netflix. https://www.youtube.co...

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