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Volk und Wirtschaft

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Freitag, 10.04.2020

Wie arme Menschen im deutschen Fernsehen (mis)repräsentiert werden

Hartz und herzlich, Armes DeutschlandEin Koffer voller Chancen – so heißen die einschlägigen Formate im Privatfernsehen, die sich prekären Lebenswelten widmen. Mal als »Sozialreportage« und mal als »Sozial­experiment« getarnt, handelt es sich dabei doch im Kern um zutiefst zynische und voyeuristische Inszenierungen typischer Klischees über relative Armut. Die tapfere alleinerziehende Mutter, der dreiste Sozialschmarotzer oder die unverbesserliche Kettenraucherin mit schwerer Lungenkrankheit werden für 100 Euro Aufwandsentschädigung pro Drehtag Statisten im eigenen Alltag, zu Fehlverhalten vor der Kamera angestachelt, über die angepeilte »Storyline« im Dunkeln gelassen und nicht mitbestimmt in das Endergebnis einbezogen. Irgendwo zwischen »Inspiration Porn« und Bloßstellung wird ein Bild von prekären Lebenswelten in Deutschland gezeichnet, das nur Extreme kennt und in dem sich die Protagonisten stets durch eigene Mühe oder Faulheit mit ihrer Situation arrangieren.

Das Ausmaß dieser Inszenierung von Armut im deutschen Fernsehen wurde nun umfassend durch den Medienwissenschaftler Prof. Bernd Gäbler im Auftrag der gewerkschaftsnahen Otto Brenner Stiftung (OBS) analysiert und als kostenloses Arbeitspapier veröffentlicht. Gäbler ordnet den Armutsbegriff ein, beschreibt sehr eindrücklich typische Handlungsverläufe, spricht mit den Protagonisten und Machern der Formate und wirft ebenso einen Blick auf das eingeschränkte Gegenangebot der öffentlich-rechtlichen Sender. Ziel ist es, unter anderem eine Debatte über die Repräsentation von relativer Armut Betroffener anzustoßen, so wie sie bei dem britischen Vorbild Benefits Street schon längst und in großem Stil stattfand. Das ist umso wichtiger, da sich in der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie erneut zeigt, dass notwendige Schutzmaßnahmen auch arme Menschen stark betreffen, etwa weil die Tafeln nur noch eingeschränkt arbeiten können, der Wohnraum beschränkter ist oder Existenzängste schlechter kompensiert werden können. Wie der OBS-Geschäftsführer Jupp Legrand daher im Vorwort des Arbeitspapiers feststellt:

Gegenwärtig dominieren Klimapolitik, Globalisierung und Digi­talisierung, Flucht und Integration sowie bis auf Weiteres die Corona­-Pandemie die politische und mediale Agenda. […] Von Armut Betroffene haben keine starke Lobby, die ihre Belange in den Diskurs einspeist und ihre Interessen durchsetzt. Darum bleibt es wichtig, dass Medien die soziale Frage immer wieder stellen, Armut konsequent im Blickfeld halten und fortlaufend über adäquate Formen der medialen Repräsentation der Betroffenen streiten.
Wie arme Menschen im deutschen Fernsehen (mis)repräsentiert werden

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Kommentare 1
  1. Ole Gerlach
    Ole Gerlach · vor 7 Monaten

    Ein Blick in die Kunstgeschichte zeigt, dass sich die oberen Schichten und Klassen schon immer gern über "die da unten" amüsiert haben
    Und sei es nur, um sich dadurch ihrer vermeintlichen Überlegenheit und damit der Rechtfertigung für ihre herausragende Stellung zu vergewissern

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