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Volk und Wirtschaft

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Donnerstag, 21.03.2019

Ist wirklich alles besser geworden? Pinker vs. Hickel in der Debatte um das Fortschrittsnarrativ

Manchmal fehlt es an positiven Nachrichten. Da kommen Statistiken, die – trotz aller Probleme im Detail – einen grundsätzlichen, weltweiten Positivtrend bei so wichtigen Themen wie Armut, Kindersterblichkeit oder Bildung aufzeigen, gerade recht. Wie alle Statistiken sind sie aber mit Vorsicht zu genießen und es schadet nicht, sie näher zu beleuchten. Ausgehend von einem optimistischen Tweet von Bill Gates, fand eine solche kritische Debatte gerade erst statt. In einem ausführlichen Twitter-Thread hat der Journalist Oliver Weber den nachfolgenden Schlagabtausch zwischen dem Psychologen Steven Pinker und dem Anthropologen Jason Hickel mit vielen Quellen nachgezeichnet. Dass Armut weltweit abnehmen würde, gäbe die Datengrundlage schlicht nicht her, schreibt Hickel im Guardian. Pinker antwortet per Email und nennt Hickel einen »marxistischen Ideologen«. Hickel untermauert seine Argumentation (Hauptargumente laut Weber: »BIP-Messung statt Armut, Armutsgrenze zu gering, Kolonialisierung unterschätzt, Globaler Süden nicht gemessen.«) auf seinem Blog. Es schalten sich noch Vox und die Statistik-Urheber Our World in Data sowie einige weitere Experten in die Debatte ein. In einem Artikel für die FAZ fasst Oliver Weber den Verlauf ebenfalls noch einmal zusammen und formuliert eine grundsätzlichere Kritik am Umgang mit empirischen Statistiken:

Indem Pinker so auf empirische Beobachtungen zurückgreift, dass sie sich in sein Bild liberaler Modernisierung fügen, zeigt er, dass auch Daten und Grafiken „gemacht“ und insofern der Theoriebildung nicht enthoben sind. „Unsere Welt in Daten“, wie die Website heißt, auf die Pinker zum Beleg seiner Thesen oft zurückgreift, ist eben deutlich interpretationsbedürftiger, als jede empiristische Theorie zur Geltung bringen könnte. Wissenschaft schließt immer auch Selbstkritik ein – diese einfache Erkenntnis stünde gerade jenen gut zu Gesicht, die sich öffentlich so vehement auf die Tradition der Aufklärung berufen.
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