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Kopf und Körper

charly kowalczyk
journalist
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piqer: charly kowalczyk
Dienstag, 21.05.2019

Wider die Privatisierung von Depressionen

Gesetzliche Krankenkassen stellen einen ständigen Anstieg von psychischen Krankheiten fest. Gründe dafür gibt es bekanntlich viele. Die Autorin und der Autor des Radiofeatures setzen sich vor allem gesellschaftspolitisch mit Depressionen und Suiziden auseinander. Ein nachdenklicher Beitrag. In gewisser Weise ist es auch ein intensiver Ruf an die Hörerinnen und Hörer, dass es doch schlicht zu einfach wäre, seelische Erkrankungen hauptsächlich als individuelle Leidensgeschichte zu sehen. Die Autoren stellen in ihrem Beitrag  den „Neoliberalismus“ bzw. den „Turbokapitalismus“ bei der Entstehung von psychischen Krankheiten in den Mittelpunkt. Was geschieht mit Menschen, wenn Stress privatisiert wird? Was kannst du dafür, wenn deine Seele leidet: durch hohes Arbeitsaufkommen, Gehaltskürzungen oder dem ständig drohenden Verlust des Arbeitsplatzes? Welche Folgen hat es, wenn du plötzlich aus deinem Kiez ziehen musst, weil du die Miete nicht mehr bezahlen kannst? Oder wenn du von einem Job zum anderen wechseln musst, um dein Überleben zu sichern? Viele, die unter psychischen Krankheiten leiden, leben in Armut, heißt es in der Sendung. Und: Therapeutinnen und Psychiater würden viel zu selten nach gesellschaftlichen, systemischen Ursachen der Erkrankung fragen. Die meisten würden die sozialen Ursachen bei der Entstehung von Depressionen einfach nicht berücksichtigen. Vielleicht kann man es lax formulieren: Wenn du kein Geld und keinen Job hast, hilft es auch nicht wirklich, Antidepressiva einzunehmen.

Die Autoren offenbaren, dass sie selbst Depressionen und Selbstmordgedanken kennen, sie erzählen ganz unprätentiös davon. Das verleiht dem Stück zusätzliche Tiefe. Ein nachdenkliches und gut inszeniertes Hörfunkfeature. Sehr hörenswert.

Wider die Privatisierung von Depressionen
9,5
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