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Literatenfunk

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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piqer: Andreas Merkel
Dienstag, 20.10.2020

Karl Ove und das Blumenbouquet Elton John

Harte Wochen liegen hinter dem Feuilleton-Junkie.

Es begann mit einer SMS des Bruders: heute unbedingt SPIEGEL kaufen, wegen der großen "Systemsprenger"-Story, in der Alexander Osang den neuen Berliner-Zeitungs-Inhaber und Multimillionär Holger Friedrich allen Ernstes als Punk porträtiert, weil er im Osten mal Tagebuch geführt hat, keine Socken zum Bart trägt und sich nichts sehnlicher als die Freundschaft mit Springer-Chef Döpfner wünscht.

Dann der große SZ-Aufmacher von Johanna Adorján über Emmanuel Carrères neuen Roman "Yoga", in dem er angeblich vertragsbrüchig über seine Ex-Frau geschrieben und "gelogen" haben soll (weswegen es jetzt Ärger gibt, den man dem ansonsten großartigen Autor ein wenig gönnt, für seine moraline "niemals lügen"-Poetik).

Und schließlich die große "Lesen wärmt"-ZEIT-Literatur-Ausgabe (hab ich jetzt dreimal "groß" geschrieben? - sorry, Autor verrutschen die Maßstäbe in der Bubble), in der Andrea Petkovic nicht mit Ijoma Mangold Tennis spielt, dafür aber Adam Soboczinski in London Karl Ove Knausgård besucht. Dessen erster Roman "Aus der Welt" von 1998 liegt jetzt erstmals in deutscher Übersetzung vor (Luchterhand, aus dem Norwegischen von Paul Berf).

"Aus der Welt" ist bereits 925 Seiten lang und nimmt gewissermaßen die junger-Dorfschullehrer-meets-Lolita-Thematik aus dem späteren autobiographischen "Mein Kampf"-Projekt (der Band "Leben") "fiktional" vorweg. Super deskriptive Prosa, die so losgeht:

Manchmal schloss ich nachts die Schule ab, ging durch das flache, unbeleuchtete Gebäude, betätigte dabei einen Lichtschalter nach dem anderen und sah, wie das Licht der Dunkelheit über mir aufriss, als wäre ein Schwarm schlummernder Insekten geweckt worden und schwärmte nun gereizt in die Räume aus.

This man surely can write, aber warum schwärmt das Licht denn gereizt aus?

Noch besser gefallen hat mir eigentlich nur der schöne Celebrity-Artikel über Knausgårds neues Leben in London (s.u.): Bart ab, neues Kind, neue Frau (der er regelmäßig ein Blumenbouquet namens "Elton John" kauft). Raucht und schreibt zum Glück wieder. Allerdings jetzt einen fiktionalen Roman wie an seinen Anfangstagen, dessen Inhaltsangabe sich in dem Artikel so wunderbar durchgeknallt nach Bad Writing anhört, dass zumindest ich sofort gute Laune bekomme:

Der multiperspektivische Roman heißt, glaube ich, "Morgenstern" und beginnt offenbar mit dem Literaturprofessor Arne, der mit seinen Kindern und seiner Frau, einer manischen Künstlerin(!), Urlaub macht. Dann gibt es da aber auch noch eine Priesterin und die junge Iselin, die eine religiöse Erfahrung in einem Burger King macht. Sowie die Krankenschwester Solveig, die bei einer Organtransplantation erfahren muss, dass der Eingriff abgebrochen werden muss, wenn der Patient aufwacht. Sowie, natürlich, einen "zynischen Journalisten" namens Jostein, der glaubt, an dem Fall seines Lebens dran zu sein (Übersetzung der Synopsis: Google und ich).

Außerdem erfährt man in dem Artikel, dass Knausgårds Ex-Frau Linda Boström einen Gegenroman zu Knausgårds "Kampf"-Reihe geschrieben hat (der im nächsten Frühjahr unter dem Titel "October Child" auf Englisch erscheinen wird) und dass Karl Ove zur Querfinanzierung seines eigentlichen Schreibens früher mal einen jener norwegischen Bestseller-Krimis unter Pseudonym schreiben wollte.

Will man alles sofort lesen! 

Karl Ove und das Blumenbouquet Elton John

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Kommentare 4
  1. Karen Nölle
    Karen Nölle · vor einem Monat

    Danke für die vergnügliche Übersicht!

    1. Andreas Merkel
      Andreas Merkel · vor einem Monat

      Merci - freut mich, wenn es übersichtlich rüberkam. Schreibgefühl immer ganz anders (emoji)!

  2. Christoph Kruse
    Christoph Kruse · vor einem Monat

    " ...Lichtschalter nach dem anderen und sah, wie das Licht der Dunkelheit über mir aufriss, als wäre ein Schwarm schlummernder Insekten geweckt worden und schwärmte nun gereizt in die Räume aus.

    This man surely can write, aber warum schwärmt das Licht denn gereizt aus?"

    Aber das ist doch Konjunktiv II und nicht Präteritum, das "gereizt" bezieht sich auf den "Schwarm Insekten" und nicht auf das "Licht"! Als wäre der Schwarm geweckt worden und schwärmte nun gereizt aus. Sonst müsste es ja auch heißen: "...das Licht in der Dunkelheit über mir aufriss (...) und nun gereizt in die Räume ausschwärmte."

    Das ist m.E. schon ein sehr schön komponierter Satz.

    btw: "...dessen Inhaltsangabe sich in dem Artikel so wunderbar durchgeknallt nach Bad Writing anhört, das zumindest ich sofort gute Laune bekomme"

    Das/s-Fehler werden doppelt gewertet! ;-) Aber von derlei Petitessen abgesehen ein feiner Text, der mich tatsächlich auf den Weg in Richtung Buchhandlung abzweigen lässt, Knausgard kaufen, jetzt endlich mal wirklich. Danke!

    1. Andreas Merkel
      Andreas Merkel · vor einem Monat

      Danke, auch für den Kreuzfehler, hellwacher Leser - wird gleich korrigiert!
      Den ersten Satz fand ich ja auch super, aber man merkt eben, dass er da ca. 8 Jahre lang dran gesessen hat und dann fand ich "gereizt" halt das eine metaphorische Adjektiv zu viel - auch wenn es um insektenhaftes Licht geht. Das Buch lohnt sich aber wirklich: unfassbar reifes, ambitioniertes Debüt - lässt einen den ganzen späteren Hype dann auch besser verstehen.

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